Section: Reviews 45310Autor: Diggi
Datum: 03.09.2020
Bereich: Reviews

Ein großer Rockpoet kehrt zurück...

Skeleton Dreams

BEAUTY OF GEMINA

HORNELLA!

Michael Seele ist endlich wieder nach überstandener Herzerkrankung mit THE BEAUTY OF GEMINA zurück und kredenzt mit „Skeleton Dreams“ wahrscheinlich das Derivat seines künstlerischen Schaffens unter diesem Bandnamen. ‚A Night Like This‘ ist ein im Bandkontext zu sehender, treibend perkussiver, halb-akustischer Opener, der die stilistische Bandbreite des neuen Albums wunderbar wiederspiegelt. Auch das herrlich fragile ‚Naked‘ nimmt sofort gefangen, entkoppelt den Hörer von diesen diffus-defragmentiert wirkenden Zeiten und setzt ihn irgendwo in einer nächtlichen Auenlandschaft ab. Die sonore Stimme des Herrn Seele ist natürlich neben den tänzelnden, schamanistisch wirkenden Stücken der Fixpunkt im THE BEAUTY OF GEMINA Universum. „….I feel naked….“ Ja, das fühlt man sich in letzter Zeit öfter. ‚Maybe God Knows‘ ist ein lakonisch-philosophischer Essay, eine Ode an das „nicht verstehen wollen“ bestimmter Dinge, die auf dieser Welt geschehen. Trübsal und Tristesse versprüht dagegen das im Subtext fast schon bedrohlich wirkende, dann aber doch ganz klar anklagend klingende ‚Friends Of Mine‘. Ja genau,wo ward ihr überhaupt?

Diese einzigartige Melange aus Gothic Rock Eleganz, reduzierter Singer/Songwriter Attitüde und dem Duktus von ganz großen wie Nick Cave oder sogar partiell der eskapistischen Ader eines Chris Rea kulminieren dezent entrückt wirkende Zaubereien wie ‚Wher Has It All Gone‘ oder das vertonte Roadmovie ‚Rainbow Man‘ in Herz und Hirn des Hörers. Der Adressat ist schon ganz weit weg, raus aus dem Alltag. THE BEAUTY OF GEMINA sind was diesen Punkt angeht dann sogar systemrelevant.  Eine echte Radio Single zückt der graue Soundmagier dann sogar noch mit ‚Dark Suzanne‘. Was für eine alraunenhaft mysteriöse Nummer. The Cure schwingen bei dem Schaffen von Herrn Seele ja auch irgendwie immer mit und so ist ‚Nine While Nine‘ wohl der Song, den Andrew Eldritch von The Cure nie singen wird. Verrückt!

„Skeleton Dreams“ ist ein Seelenwärmer in schwierigen Zeiten, egal ob ganz persönlich wie für euren Tastaturknecht, oder völlig losgelöst von persönlichen Schicksalen.  Die absolute Hymne an die Melancholie ist dem Ausnahmekünstler am Ende der Scheibe geglückt: ‚Apologise‘. Es gibt nichts zu entschuldigen. Gar nichts.

9 Points. Erscheint am 04.09.2020 via TBOG Music/Al!ve/SUISA  



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