Section: Reviews 45256Autor: Diggi
Datum: 30.07.2020
Bereich: Reviews

....zum dritten Mal zeigt diese Band die absolute Benchmark auf....

Indpendenz

NULL POSITIV

HORNELLA!

NULL POSITIV sind - wie immer aus dem viel zitierten Nichts - zurück mit einem neuen Album und ich darf konstatieren, das "Independenz" das absolute Derivat dieser außergewöhnlichen Band ist. Wieder im totalen DIY Modus aufgenommen und komponiert bricht die komprimierte Härte von NULL POSITIV mit 'Freiheit' über den Rezipent hinein. Sängerin Elli Berlin hat ihren eigenen Stil allerspätestens mit diesem Opener konsolidiert, die Melange aus Klargesang mit Tiefe und Ausdruck, dazu die mittlerweile durch Mark und Bein gehenden Growls bilden das Fundament für diese Anklageschrift. 

Wieder reißen NULL POSITIV alte Wunden auf, stellen sich mentalen Tälern, legen den Finger in die Wunde wenn es um unsere ach so tolle und empathische Konsumgesellschaft geht. Die Riffs kanten etwas weniger direkt in Richtung Nase des Hörers, sorgen aber wie bei 'Insomnia' in Verbindung mit den tänzelnden Synthie Parts für gewaltigen "Arsch wackel Alarm".

Ein wenig ambivalent wirkt das Stück aufgrund der beklemmenden Lyrik dann schon, aber der Kontrast zeigt Wirkung. Mit dem Titelstück stellen sich NULL POSITIV den nächsten Klassiker in die eigene Setlist. Wenn Elli "...Wieder mal ich Bilder in die Asche unserer Zeit, die Winde werden milder, dieser Kampf ist nun vorbei.Tief im Blau der Nächte fühl ich noch immer deine Haut, noch nie war die Stille, um mich so unerträglich laut in die Vergangenheit schwindet unsere Zeit...." eindringlich dahin schmettert, dann darf man auch gerne mal einen "kratzigen" Hals  bekommen.

Große Gefühle finden bei NULL POSITIV also immer noch statt, diesmal nur mit noch mehr Kampfeswillen, einem noch größeren Löwenherz. Kompromisse geht das Kern Quartett dabei zu keiner Sekunde ein, auch wenn 'Armageddon' unter 3 Minuten agiert und mit Direktheit und Eingängikeit glänzt. Verzweifelung oder persönliche Krisen werden bei NULL POSITIV nie voyeuristisch in Szene gesetzt. Keine Zweifel lässt die vertonte Faust in der Tasche in Form von 'Gib mir ein Zeichen' zu. Was für ein intensiver Refrain, was für ein Text, den Elli hier schon fast gnadenlos regelrecht runter betet....NULL POSITIV gestalten auf "Independenz" alles intensiver, seien es die emotionalen Momente wie bei 'Ich fühle nichts mehr' oder bei 'Fall Out', ein Beispiel für die perfekte persönliche Kampfansage. Weitere Hochlichter auf einem mehr als beeindruckenden Album sind das tanzbare 'Schwarze Labyrinth' und der Abschluss in Form von 'Kommen und Gehen', hier bedient sich die Band einer fast schon monochromen Herangehensweise: Schwarz trifft auf Weiß, diametral, klare Grenzen, Glück oder Trauer, am Ende steht das vielleicht übergeordnete Credo der Band: Es gibt keinen Kompromiss. Konformismus ist Niederlage.

Ein Gedanke der ein klares Kontra zur heutigen Lage der Gesellschaft darstellt, ein Lebensentwurf der aber sicherlich bereichert, anstatt sich in die Armee der Lemminge einzureihen. Tanzt ihr Narren! 

9 Points. 

Erscheint am 31.07.2020 

 

 



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