Section: Reviews 45249Autor: Diggi
Datum: 26.07.2020
Bereich: Reviews

..und dann kam Sie und spülte uns hinfort....

The Great Flood

ROPE SECT

HORNELLA!

Das Kollektiv ROPE SECT trumpft seit 2017 mit dem Doppelschlag aus EP und LP aufreizend lässig auf. Das Label Iron Bonehead ist mal wieder der geschmackliche Leuchtturm, denn ROPE SECT sind wohl die Band im Roster, die am wenigsten etwas mit blutbesudelten Death oder Black Metal Patienten zu tun hat. Die Musiker aus Deutschland verfolgen ihren Weg auch auf "The Great Flood" weiter, soll heißen: Viel Sisters Of Mercy zu deren Debüt Zeiten, viel Patina von alten The Cure, natürlich unter der Schirmherrschaft von Joy Division...

ROPE SECT haben partiell den Post Punk vor der Proberaumtür gelassen, anders lässt sich die fragile Grundstimmung bei 'Eleutheria' nicht erklären. Auch wenn der Beginn mit 'Divide Et Impera' und 'Rope Of The Just' Genre-typisch treibend-nihilistisch daher kommt. Die Band lässt mehr Tiefe in ihren eh schon verstörend-verträumt wirkenden Song Konstrukten zu. Das ist gut und so kommen Perlen wie ' Prison Of You' erst so richtig zum Tragen. ROPE SECT haben sich in ihrem dunklen Versteck ein bisschen Mehrdimensionalität gegönnt, ohne das Sie jetzt Prince oder Barbra Streisand zitieren, wie der ein oder andere stramme Freimaurer Bursche aus Nordeuropa.

Die liebevolle inszenierte Gitarrenarbeit, die sich vor allen essentiellen Urvätern des Düster Rock verbeugt, ist gerade zu Beginn von ' The Underground Paradise' zum schreien schön! Warum? Weil diese Musik kein Alter kennt, nur ein universelles Jetzt. Der präsent rollende Bass, die reduzierten Drums, der manchmal fast schon androgyne Gesang, all das schießt sofort als Dopamin in den Kopf und bleibt da auch. Hochlicht bei diesem nahezu perferkt austarierten Album: 'Hiraeth'. Knappe 5 Minuten verkorkste Goth Jugend, gespielt von wahrscheinlich gar nicht mal mehr so juvenilen Musikern. Passt doch irgendwie auch wieder, oder? Ein bisschen staubtrockener Wüstenrock darf es bei ' Flood Flower' sein, dann der harte Bruch, die harte Wahrheit, gebrochener Mann, ruhige Begleitung, anklagender Narrativ, Gang wieder einlegen, guckt nicht in den Rückspiegel, fahrt einfach los! 

'Non Serviemus' könnte von der Stilistik her ein Relikt aus älteren Sessions sein, ich kann mich hier aber auch begnadet vergaloppieren. Wie auch immer, schöner kann man nicht FOTN Riffing neu interpretieren! Grandios. Da denkt man es sind schon genug schwarze Zuckerwatte Kugeln in die Figur geflogen, da kommt 'Issohadores' an und wischt dem Hörer die Tränen aus dem Gesicht, ähnlich wie es vor langer Zeit auch Death In June mit 'The Calling' geschafft haben, oder The Eternal Afflict mit 'San Diego (The Tragical). Tragisch. Schön. Es wird mal wieder zeit für Wald und The Cure: 'A Forest'. Es ist euer Sonntag, Dudettes und Dudes. 

ROPE SECT sind Heilsbringer. Ihr werdet schon noch sehen!

9 Points. Erscheint am 12.08.2020 via Iron Bonehead

 



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