Section: Reviews 45133Autor: Diggi
Datum: 28.06.2020
Bereich: Reviews

....neue Wege...neue Ziele.....

How Do We Want To Live?

LONG DISTANCE CALLING

HORNELLA!

In 2018 habe ich für "Boundless" mal eben satte 9 Punkte von der Leine gelassen und das Album reüssiert immer noch, natürlich. LDC sind einfach zu gut, als das die Münsteraner Alben veröffentlichen die nicht nachhaltig sind und Substanz haben. In der Retrospektive ist mir die Produktion des direkten Vorgängers zu "How Do We Want To Live?" vielleicht um einige Jota zu kalt, zu maschinell. Ist das jetzt die perfekte Überleitung zum neuen Album, welches bereits im Vorfeld als das "elektronische" Album von LDC hofiert wurde? Nein, denn auf diesem Album haben LONG DISTANCE CALLING den perfekt austarierten Sound gefunden. 'Curiosity (Part I)' ist das perfekte Live Intro, hier bekommt man auch vor den einheimischen Boxen die Gänsepelle, die man im Club bekommt, kurz bevor es richtig Laut wird. ( Es muss doch bald wieder richtig LAUT werden, oder Dudettes und Dudes? , d.Verf.) 

Auf "HDWWTL" arbeiten LONG DISTANCE CALLING vermehrt mit Sprachsamples, Ambient-artige Synthies bauen aus dem Hintergrund mal chillige, mal bedrückende Atmo Wälle auf. Das der Abschluss mit dem schön schwebenden 'Ashes' ein wenig "dahin geschenkt" wirkt, kann ich so nicht teilen. Es ist ein nachdenklicher, ergebnisoffener Schlusspunkt.

'Curiosity (Part II)' ist dann der fließende Übergang mit treibend offenem Schlagzeug, ein perfekter Einstieg und garniert mit wunderschönen Leads, dazu alles andere als "Technoid" oder zu elektronisch. 'Hazard' kommt dann zwar mit einem dezent "mechanisch" anmutendem Schlagzeug Setting, offeriert hier aber auch typischen LDC Stoff, allerdings zeigen sich die Herren so selbstischer, so "gesetzt" und souevrän wie nie. Als NRW´ler ist man regelrecht stolz, das so eine Weltklasse Instrumental Truppe knapp 50 km "von einem weg" einfach  so starke Musik veröffentlicht, wie es LONG DISTANCE CALLING nun mit "How Do We Want To Live?" heuer tun. Wunderbares Kopfkino.

'Voices' beginnt dann fast schon im NIN Paddock, erinnert an Stanzmaschinen Beat und EBM Ekstase im wundervollen Lurie zu Bochum (RIP.....d.Verf.) und ist das verbindende Glied zum schönen 70ies Cover Artwork, dem konzeptionellen Überbau des Albums und neuen Ufern, die die Band seit ihrer Gründung immer wieder ansteuert. Cooles, ätherisches Stück, schöne repetitive flirrende Gitarren.... Time for take off!

'Fail/Opurtunity' betört den Hörer mit chilliger Atmo und Violine, 'Immnunity' ist bereits als Kurzfilm bekannt und könnte ein - soon to be classic - der Band werden, erinnert in fabelhafter Art und Weise auf der einen Seite an die Pioniere der experimentellen instrumentalen Musik und auf der anderen Seite an die ein oder andere schwelgerische Nummer, die LDC mittlerweile selbst in ihrer reichhaltigen Diskographie haben. Schöne 70er Jahre Atmosphäre! 'Sharing Thoughts' geht ein wenig in die "Trips" Richtung, herrlich unaufgeregtes Stück!

Nein, LONG DISTANCE CALLING lassen diesmal auch nicht Punkte beim "Quoten-Gesangs" Stück des Album liegen, denn 'Beyond Your Limits' ist einfch nur fesselnd, wunderbar. Sänger Eric A. Pulverich endveredelt den Song mit seinen kantig-charismatischen Vocals. 

Die Betrachtung und das Verhältniss zwischen Mensch und Maschine ist ganz grob genommen der Themenkomplex des gesamten Albums, perfekt vertont und in Szene gesetzt. Diese Band geht weiter, weiter als Lockdown, als Social Distancing, weiter als Info Overkill. Diese Band gibt dem Hörer die Möglichkeit, inne zu halten. Prädikat: Besonders wertvoll!

9 Points. Erschienen über InsideOut Music.
    

 



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