Section: Reviews 45085Autor: Diggi
Datum: 19.06.2020
Bereich: Reviews

Vertonte baltische Geschichte....

The Baltic Crusade

RomuvoS

HORNELLA!

Aus Lettland kommen diese heidnischen Krieger, die sich nach der Romuva Bewegung benannt haben und nun auf ihrem dritten Album „The Baltic Crusade“ den litauischen Teil der baltischen Kreuzzüge thematisieren. 

Jedes Stück behandelt eine historische Begebenheit, eine Schlacht aus dieser Epoche. Dieses Album hier ist musikalisch Top Notch. Der schreitend-erhabene Duktus der in der Majorität im Midtempo agierenden Stücke ist schon fast der dominierende narrative Ansatz bei RomuvoS. Ein weiteres essentiell prägendes Stilmittel ist der fast schon hypnotisch, alraunenhafte männliche Gesang, immer wieder unterstützt von entweder heroisch-folkloristischen Chören oder  fast schon spirituell anmutenden Gesängen. ‚Saule (1236)‘ ist als Opener so tief und unendlich weit wie die Historie, die RomuvoS hier besingen. Musikalisch ist das alles hier erstklassig in Szene gesetzt, Grai, partiell Falkenbach und auch langsamere Ensiferum ohne Party Faktor kommen dem Hörer in den Sinn. ‚Memel (1257)‘ ebnet den Weg für den Übersong des Albums; ‚Skuodas (1259)‘ ist für mich jetzt schon das Stück des Jahres 2020, wenn es um historisch wertvollen Folk-Heathen-Pagan Metal geht. Was für eine monumentale Nummer, die keinen Hörspielcharakter benötigt, keine peinlichen Bierzelt Momente, nur die erstklassigen Musiker in dieser Band, die über Sackpfeife, Nyckelharpa, Maultrommel oder Flöte ein unheimlich intensives Hörerlebnis erschaffen!

Auch ‚Durbe (1260)‘ hat alle Attribute, die ein Genre Klassiker haben muss. Dem Konzept des Albums geschuldet, wird nun die generelle Stimmung allerdings getragener. Es folgt eine melancholische Kriegerballade in Form von ‚Pukarwis (1261)‘, auch ‚Lubawa (1263)‘ setzt eher auf herbstliche Momente.  RomuvoS lassen sich einfach nicht von ihrem Weg ablenken, mit ‚Aizkraule (1279)‘ wird das Album in furios-festlicher Manier beschlossen.

Die Melange aus Weltklasse Gesängen, der wunderbaren Instrumentierung und dem wirklich historisch verifizierbaren Konzept  in Verbindung mit der lebendigen und edlen Produktion machen „The Baltic Crusade“ zu einem absoluten Pflichtkauf für Genre Adepten. Eines sollte hier aber noch Erwähnung finden: Die Band hat in der Vergangenheit über das No Colours Label des Steffen Zopf ihre ersten beiden Alben veröffentlicht. In Zeiten von hybrider Kriegsführung, medialen Meinugsschlachten auf Meta Ebene, das Abfeiern von „halbgaren“ Bands wie Mgla oder das durchwinken von hirnlosen Weltkriegs versus Ballermann Gröhl Veranstaltungen von Sabaton, sollte man nie sofort eine Band „brandmarken“. Das wäre genauso bigott, wie immer und überall die Nazi Keule zu schwingen. Das die Band mittlerweile in Berlin situiert ist und sich die Mitglieder aus Lettland, Israel und Deutschland rekrutieren und im Beipackzettel  mit dem abschließenden Satz „….Beuge dich niemandem, hebe lieber dein Horn voll Met als ein
Schwert voll Blut, sei nicht stolz, bloß weil du in eine Rasse oder einen Status hineingeboren wurdest, sei stattdessen stolz auf die
Dinge, die du mit harter Arbeit und Mühe erreichst, finde nicht nur einen Weg, sondern erschaffe einen!“
eine schon eindeutige Aussage findet, sollte man hier nicht dasselbe diffuse Gefühl bekommen wie beim Anblick einer Nokturnal Mortum Scheibe.

  Vieles lässt sich immer in einem Gespräch klären. Gerade in diesen undurchsichtigen Zeiten, der richtige Weg, als unqualifiziert Halbwahrheiten zu verbreiten. Ich werde mich also um ein Interview mit diesen wirkliche begnadeten Musikern bemühen. Ihr werdet es dann hier bei uns lesen. Bis dahin bleibt mir nur euch „The Baltic Crusade“ als absolute Kaufempfehlung ans Heiden Herz zu legen, hier dürften Ensiferum, Moonsorrow und Falkenbach Fans gleichwohl in Verzückung geraten!

8 Points. Erscheint am 26.06.2020 via Dangus Records.



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