Section: Reviews 45054Autor: Diggi
Datum: 14.06.2020
Bereich: Reviews

...als die Erleuchtung einsetzte...

Stare Into Death and Be Still

ULCERATE

HORNELLA!

Für solche Momente darf man sich dann glücklich schätzen, diese Musik zu hören. ULCERATE standen schon seit Jahren auf meiner persönlichen Liste, diese Neuseeländer Prog-Death-Avantgardisten sind doch im Grunde genau mein Beuteschema. Es sollte nicht mit uns klappen, bis zu "Stare Into Death And Be Still".

ULCERATE schreiben immer noch Songs, in denen soviel passiert wie bei anderen Bands gleich auf mehreren Alben, die nihilistische Tiefe, dieser vertonte Marianengraben fordert dem Hörer alles ab. Dann auch noch der thematische Überbau des neuen Albums; Der Tod und seine Tragödien sind das Kernthema, ein Album wie eine totale Negation. Und doch: Das Titelstück fördert in all seiner übermächtigen Minusmann Agenda dann doch Anmut, Eleganz und blanke Schönheit zu Tage.

ULCERATE haben sich offensichtlich von der absoluten Dissonanz verabschiedet. Ja, die Tentakel Rhythmen und das unmenschliche Aufschichten von Labyrinth-artigen Riffs sind weiterhin präsent, auch der stoisch gegen jede konventionelle Taktung göbelnde, fast schon skandierende Raubtier Gesang ist da. Aber dann kommt so eine Göttergabe wie 'There Is No Horizon' und zeigt ULCERATE von einer so in der Vergangenheit nur flüchtig anskizzierten, atmosphärischen Seite. Solche bitterbösen Walzen haben Morbid Angel seit Ende der 90er Jahre nicht mehr geschrieben. ULCERATE nehmen den Hörer an die Hand und springen mit ihm in den Vulkan, denn der Tanz auf dem selbigen darf einfach nicht zu lange dauern.

Dieses Album vereint den gemeingefährlichen,  manischen Ansatz von Alben wie "Obscura" von Gorguts mit der Entrücktheit von Portal, geht aber auch immer mehr auf den - nennen wir es mal -  konventionellen Extreme Progressive Metal ein. 'Inversion' malt mit starker Hand irrational große schwarze Löcher in den Verstand des Adressaten. Auf die Stücke im einzelnen sollte man bei diesem Album gar nicht eingehen, denn hier zählt die alles absorbierende Entität. Es gibt nicht viele Alben, die man nie zu oft oder über einen längeren Zeitraum hören sollte; "Stare Into Death And Be Still" ist definitiv so eine Scheibe, die in den Giftschrank gehört. 

Wenn, dann wagt euch an die 8 Minuten Macht 'Drawn Into The Next Void'. Ob es dann "klick" macht...Wer kann das schon sagen. Eines kann man aber konstatieren: Nie war die Gelegenheit günstiger, sich einigermaßen sicher diesem Moloch aus Neusseeland zu nähern. Sicherlich eines der intensivsten Alben des Jahres!

9 Points.Erschienen übe Debemur Morti. 



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