Section: Reviews 44942Autor: Diggi
Datum: 21.05.2020
Bereich: Reviews

Das deutsch-isländische Black/Pagan Kollektiv ist zurück...

Saga á tveim tungum II: Eigi fjǫll né firðir

ARSTIDIR LIFSINS

HORNELLA!

‘Um nætr reika skepnr’ raubt dem Adressaten jedwede Verbindung in das Diesseits...Der sonore, rauhe Rezitativ auf alt-isländisch, die aufwühlenden Streicher, diese subtile, aber greifbare Bedrohung, wenn der Himmel sich dunkelgrau färbt und die Wolken sich zu Titanen auftürmen... Diese meditative Strecke dauert fast 6 Minuten und findet sich an fünfter Stelle auf dem zweiten Teil der Saga, die ARSTIDIR LIFSINS 2019 begonnen haben. Ich war total aus dem Häuschen, als ich realisierte, das das Künstlerkollektiv tatsächlich nach nur einem Jahr mit einem neuen Opus vorstellig wird.

Genau das is es nämlich: Ein Opus. Die Musiker lassen die Geschichte weiter wachsen, geben ihr Raum und Zeit, sorgen für sich aufstellende Nackenhaare, weit aufgerissene Pupillen und Gänsehaut. Der Beginn von 'Saga á tveim tungum II: Eigi fjÇ«ll né firðir' gestaltet sich daher zunächst als Monolog, untermalt von fragilen Soundlandschaften, beide gesprochenen Interludien dauern in Summe fast 10 Minuten un schrecken jeden Kirmes Wikinger mit Oettinger Pauke und Amon Amarth Shirt nach mindestens 3 Minuten ab. Das ist nicht schlimm, im Gegenteil, gerade heuer sind klare Grenzen unheimlich sinnstiftend. Das aber auch Kollegen der schreibenden Zunft hier langweilige "Hörspiel Atmo" beschreien, ist bezeichnend dafür, das auch einige Journalisten ihr Aufnahmezentrum und ihren Verstand in Reihe auf Notstrom verdrahtet haben. Eine Schande!

Wer ARSTIDIR LIFSINS allerdings für diese epochal-archaischen Chöre, für diese alles erdrückende skaldische Black Metal Kraft liebt, der wird auch hier nich enttäuscht. 'Heiftum skal mána kveðja' ist die perfekte Vermählung beider Welten, wohingegen '‘Er hin gullna stjarna skýjar slóðar rennr rauð’ fast diesem Ansatz fast schon revisionistisch (..also rein metaphorisch gesehen, d.Verf) gegenüber steht. Brachiale Pagan Jagd, dann heroische Rast. Wie immer, unglaublich tiefgehend und intensiv! 

Produzent Markus Stock hat dieses - mal wieder cineastisch ausufernde - Meisterwerk ebenso meisterlich in Szene gesetzt. Der absolute Klimax erwartet den Hörer mit 'Ek sá halr at Hóars veðri hÇ«svan serk Hrísgrísnis bar'. 17 Minuten kompromisslose Tonkunst. Blitz, Donner und mittendrin ARSTIDIR LIFSINS als Hohepriester des adulten Pagan-Black Metal. 

Wieder hat das Kerntrio ein Album erschaffen, welches Jahre benötigt um weiter zu wachsen, sich zu verändern und auch den Adressaten zu verändern, während dieser an dem zweiten Teil der Saga ebenfalls nur wachsen kann.

9 Points. Erscheint am 22.05.2020 via Vàn Records.



 



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