Section: Reviews 44598Autor: Diggi
Datum: 16.03.2020
Bereich: Reviews

Johanna Platow Andersson!

III

LUCIFER

HORNELLA!

Ja, man könnte frötzelnd durch den metallischen Feuilleton tänzeln und LUCIFER als überbewertete, gut vermarktete Reflektionsfläche der Musikerin Johanna abwerten. Könnte man. Man könnte auch behaupten, die sicherlich eloquente Dame hat ihre guten Kontakte über die Berliner Szene hinaus verdammt gut genutzt, mit dem kurzlebigen und tatsächlich gut gehypten The Oath Objekt als Testballon, als Steigbügel. Aber irgendwie erscheint das dann doch nicht ganz schlüssig, denn LUCIFER sind nunmehr mit dem dritten Langdreher immer noch ordentlch präsent. Mit dem Austausch der Cathedral/ Death Penalty Kreativwerkstatt hat sich auch der Bandsound in Richtung Ehemann gewandelt. Genau Frau Ex Sadonis heißt nun Andersson, so wie ihr Mann, der ikonenhafte Nicke Andersson, der als Zeichen der hard -rockenden Verbundenheit den Nachnamen seiner holden Gattin mit angenommen hat, also tönen LUCIFER nun sehr nach dem Ehepaar Platow-Andersson und deren musikalische Vorlieben tendieren immer mehr in Richtung Fleetwood Mac oder Blue Öyster Cult.

Auch wenn der gute Dosenöffner 'Ghosts' ganz besonders aufgrund der Rhythmik und der Intonation des Gesangs den Hörer verschämt in Richtung der The Devils Blood Platten in der heimischen Sammlung schielen lässt. 'Midnight Phantom' ist ein verdammt sexy "Addams Family" oder "The Munsters" alte Schule Rocker, inklusive leichter Disko Drum Figuren und lasziver Klatsch Spiele. Geht gut rein! Schnell wird klar: LUCIFER klingen endlich nach einer eigenständigen Band, die Abkehr vom Doom Rock erlaubt den Musikern maximale kreative Entfaltung. So kann die 70ies Hangover Halbballade 'Leather Demon' auch direkt an dritter Stelle überraschen!

Mit einem prominentem "Mäh!" wird die künftige Band Hymne 'Lucifer' eingeleitet und ist mit dem folgenden 'Pacific Blues' sehr lässig souveräner, harter Rock. 'Coffin Fever' ist dann doch noch ein Blick zurück in Richtung Friedhof und doomy-gloomy Vergangenheit. Wirkt wie eine ehrliche Verbeugung zur eigenen Vergangenheit und überzeugt mit starken Gesangslinien.So ein bisschen Plateau Stiefel Boogie Rock braucht man auch immer mal, dafür schlängelt sich 'Flanked By Snakes' über die Tanzfläche.

Leider wird das Ende der Scheibe mit 'Stay Astray' und 'Cemetery Eyes' ein wenig zu sehr im bandinternen Tunnelblick dargeboten. Wirkt irgendwie angestrengt und bemüht. Trotzdem ist "III" eine starke Scheibe die sich ohne groß Gedanken zu machen alle Spielwiesen des klassischen Rocks beackert. Vielleicht sogar die Scheibe, mit der sich LUCIFER endgültig von einer Szene emanzipieren.

7 Points. Erscheint am 20.03.2020 via Century Media.



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