Section: Reviews 44069Autor: Diggi
Datum: 22.11.2019
Bereich: Reviews

...das letzte Tondokument?

The Repentless Killogy - Live At The Forum In Inglewood, CA

SLAYER

HORNELLA!

Ob das nun wirklich die letzte Veröffentlichung der Totschläger sein wird, nun wir werden sehen. Hoffen wir nur, das sich die wichtigste Thrash Metal Band des Planeten auch wirklich an den Ruhestand hält und nicht auch irgendwann umfällt, wie jüngst die Schwachmaten von Mötley Crüe. (Sorry, aber hier hat eine Kultband zumindest bei den "älteren" Fans jeden Kredit verspielt!, d.Verf.) Die Setlistvarationen von SLAYER während ihrer Abschiedstournee wurde immer mal marginal verändert. Ich selbst bekam seinerzeit in Dortmund die Version mit einem der grottigsten Stücke der Herren verabreicht, nämlich mit 'When The Stillness Comes'... Versteht mich nicht falsch, hier haut ein SLAYER Ultra in die Tasten. Auch dieser atmosphärische Schlag ins Wasser ist auf diesem Live Album zu finden und zählt auch auf Konserve nicht gerade zu den Höhepunkten. Aber: Dafür schleudern die Herren nach dem obligatorischen und guten Opener 'Repentless' direkt 'The Antichrist' hinterher, ein formidabler Beginn und spätestens dann hat der Hörer sich auch auf den etwas dumpfen Sound eingestellt. Tom Araya ist ab da auch voll dabei und wenn dann das ikonenhafte 'Postmortem' ertönt, dann hat man diese Gänsehaut, diese Überdosis Adrenalin, die sich den Rücken entlang schleicht auch in den heimischen Vier Wänden.

Schön, das die Band auch von dem bockstarken "World Painted Blood' Album permanent zwei Songs in der Setlist hatte, ein Indikator für die späte Einsicht,wie stark die Scheibe dann doch ist. Gerne hätte man davon auch das diabolische 'Beauty Through Order' bringen können.... Auf "The Repentless Killogy" findet sich nicht das unbarmherzige Klopper Teil 'Payback', dafür wurde von dem kontrovers aufgenommenen "God Hates Us All" das starke 'Bloodline' in einer verdammt beklemmenden Inszenierung auf Konserve gebannt. Gute Wahl!

'Born Of Fire' und 'Hallowed Point' sind auch verdammt nochmal gierig aufgesogene Nummern, die in den letzten Jahren kaum noch gespielt wurden. Vom wahrscheinlich "komplettesten" Album, "Seasons In The Abyss" hätte man sich auch noch 'Spirit In Black' oder 'Skeletons Of Society' vorstellen können. Aber dafür gab es ja das Jahrtausend Live Album "Decade Of Aggression". Überhaupt: Kann und sollte man dieses "Abschiedslivealbum" mit einem der wichtigsten und intensivsten Live Dokument der Metal Szene vergleichen? Man kann, aber in meinen Augen macht das wenig Sinn.

Denn hier dürfen wir uns u.a. auch an einer herrlich humorlosen Variante von 'You Against You' erfreuen, ein Stück welches auch den launischen Studio Schwanengesang "Repentless" veredelt. Auffällig ist die grundsätzliche Abneigung von SLAYER während der Tour permanent ein Stück des ebenfalls starken "Christ Illusion" Albums zu integrieren. Warum eigentlich? Hier jedenfalls findet sich nichts von der eigentlichen Wiedergeburt der Band. Soweit ich informiert bin, wurde während der Tour hin und wieder mal 'Cult' gespielt. Warum nicht auch mal 'Skeleton Christ' oder 'Flesh Storm'? Nun gut, dieses Live Dokument hier gibt natürlich auch die großen Klassiker, ohne die die Band niemals eine Bühne verlassen darf. Sprich: 'South Of Heaven', 'Chemical Warfare', 'Mandatory Suicide' und....ihr wisst schon! 

SLAYER sind eine der wichtigsten Bands, werden es immer bleiben, sollten aber behutsam mit ihrem Erbe umgehen. Eine fanatischere Fanschar wie die von SLAYER gibt es kaum. Jetzt, wo der letzte Vorhang bald fällt, da sage auch ich artig DANKE für unzählige, intensive Konzerte....Ja, die Band war zu "South Of Heaven" oder "Seasons In The Abyss" Zeiten eine Macht und man war froh unbeschadet aus der Halle zu kommen. Ich möchte auch eine Lanze für das verschmähte Album "Divine Intervention" brechen, welches von der Band selbst kaputt produziert wurde, aber mit Abstand das bedrückenste und dunkelste in der Diskographie ist. Die Tour dazu war ebenfalls beeindruckend. Auch die Alben die der Band nach den Bauchlandungen "Diabolous In Musica" und in Teilen auch "God Hates Us All" den Arsch gerettet haben, also "Christ Illusion" und "World Painted Blood" gehören genau wie der ikonische 5 Alben Klassiker Lauf zur DNA von SLAYER.

Nach SLAYER wird es NICHTS vergleichbares geben. 

Erschienen über Nuclear Blast.  



.


^^^ BACK TO TOP ^^^
© 1998-2012 by www.Heavy-Metal.de