Section: Reviews 43586Autor: Diggi
Datum: 09.09.2019
Bereich: Reviews

Die Benchmark ist gesetzt!

The Liberation

DISILLUSION

HORNELLA!

Es gibt Alben, da graut es den Rezensenten vor. Nicht wegen der Stümperhaftigkeit, sondern vielmehr wegen dem genauen Gegenteil. Prominentes Beispiel sind in diesen Tagen Tool, die nach 2006 ein neues Album veröffentlichen. Haben sich Fans und Band noch was zu sagen? Wie lange wird man brauchen, um solche Scheiben von einzigartigen Bands, die einzigartige Musik erschaffen in Gänze für sich erfassen zu können? DISILLUSION spielen in der gleichen Liga, haben vor 13 Jahren mit „Gloria“ einen expressionistischen Befreiungsschlag in Sachen Progressiver Musik vollzogen, der lange nachhallte. Auf konventionellerer Ebene vergleichbar mit Renewal von Kreator, oder Diana Read Peace von Dark Millennium. Alles Alben, die neue Tore aufgestossen haben.

„The Liberation“ ist ein so perfekter Titel für dieses Machtwerk hier, knüpft es doch an eines der besten Progressive Metal Alben an, die jemals veröffentlicht wurden. "Back To Times Of Splendor"

Das wunderbare Intro ‚In Waking Hours‘ lässt dann schon die Endorphin Ausschüttung kollabieren. Hier brechen bereits im reduzierten Halbakustischen Setting alle Dämme, ehe dann DISILLUSION tatsächlich das unglaubliche Schaffen und mit ‚Wintertide‘ einen unglaublich wandelbaren 12 Minüter von der Leine lassen, der Zeremonienmeister Andy Schmidt brilliert mit seinem unglaublich intensiven Timbre, für mich einer DER wandelbaren und einzigartigen Sänger in Gesellschaft von z.B. Mike Patton. Beim eigentlichen Opener zerschellen meterhohe Riffwellen an noch stärkeren Kliffs, werden aufgebrochen und aufgelöst durch wunderbare Melodien, ätherisch wie kraftvoll. ‚The Great Unknown‘ wurde schon von einigen Bands besungen, so dramatisch und aufwühlend wie DISILLUSION ist es aber noch niemandem geglückt. Der durch den Distortion Wolf gedrehte Rezitativ zu Beginn schlägt eine Brücke zur Avantgarde von „Gloria“….‘Don´t Go Any Further‘ offenbart sich. Das meditative ‚ A Shimmer In The Darkest Sea‘ ist ein perkussiver Trip, der Ritt auf der Rasierklinge, gekrönt von einem Chorus für die Ewigkeit, oder zu kurze Nächte…

Das Titelstück thront als Fixstern und strahlt in Melo Death bis Progressive Wahn von oben herab.  DISILLUSION blicken natürlich auch nach Vorne und präsentieren mit ‚Time To Let Go‘ einen melodischen Seelenschmeichler, der in diesen Zeiten mehr als gut tut. Weg vom Beliebigen, Weg vom Konsens, überlasst das Bierzelt den Event Metallern, lasst Sie weiter konditionierte Brüllaffen werden, einen so narrativen, wie auch in sich gekehrten Reisebericht wie das abschliessende ‚The Mountain‘ werden eben diese Zeitgenossen nie bis zum Ende miterleben. Schade drum, wenn sich die Blechbläser dann den Weg durch die Dunkelheit gen Sonnenaufgang erkämpfen. „The Liberation“ ist ein Album, welches noch jahrelang wachsen wird, seinen Ausdruck wechseln wird, aber ganz sicher Hörer gewinnen wird, die dieser Band sehr dankbar seien werden, doch wieder ein Album veröffentlicht zu haben. Was soll jetzt noch kommen? Richtig, ein angedeutetes, neues Psychotic Waltz Album für 2020….und wieder wütet das Grauen in eurem Rezensenten. Alles andere als die Höchstnote wäre hier ein Affront.

10 Points. Erschienen über Prophecy Production



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