Section: Reviews 43471Autor: Diggi
Datum: 22.08.2019
Bereich: Reviews

...hier überzeugt das Gesamtpaket....

In The Raw

TARJA

HORNELLA!

Wer sich nicht hin und wieder neuen Reizen aussetzt, Neuland betritt, alte Zöpfe abschneidet ohne seine Wurzeln zu leugnen, der wird einfältig, satt, ketzerisch. Ein TARJA Review ist für mich so etwas wie eine Mount Everest Expedition ohne Sauerstoffgerät. Nightwish haben immer noch viele Fans, auch in Regionen der Metal Welt, die tiefschwarz sind. Einfach mal dazu stehen, anstatt sich in argumentative Vabanquespiele zu verlieren.

TARJA ist auch 10 Jahre nach dem Tüll und Tränen Abgang bei Nightwish eine feste Größe im Rock sowie auch Klassik Segment. Mit "In The Raw" liefert die klassisch ausgebildete Chanteuse nun vielleicht ihr vielschichtigstes und ambitionierteste Werk ab. 'Dead Promises' ist überraschend hart, hat mit Björn Speed Strid von Soiwork auch einen prominente Gastsänger zu bieten, aber kein Angst, 90er Jahre "Die Schöne und das Biest" Geschwurbel bleibt uns erspart. Ws für ein Widerhaken Riff! Was für Weltklasse Gesangslinien. Ach so: Das hier keine Missverständnisse aufkommen: Frau Turunen brilliert hier mit einer wandelbaren Rock Röhre. OK, beim wunderbar stimmigen Pop Rocker 'Railroads' kommt dann auch mal Sopran mit durch, aber bitte, es passt. Es sorgt für echte Emotionen. Der Beginn von "In The Raw" ist sowas von stark, man legt alles andere zur Seite und befasst sich mitdem aufwändig gestalteten Booklet und Cover der CD....Wie ein Kaleidoskop lässt sich das in Bronze und Kupferfarben gehaltene Konzept auffächern. Solch toll aufgemachte Alben bekommt man heuer sehr selten, erst recht als Bemustertung. Und es wirkt: Der habtische Effekt sorgt dafür das man das Album mit allen Sinnen wahrnimmt.

'Goodbye Stranger' ist ebenfalls ein Champions League Hard Rocker, 'Tears in Rain' leitet die elegant dunkle Seite des Albums ein, zwar noch rockend und mit hervorragenden Refrains, 'You And I' stimmt dann aber schon ruhigere, nachdenklichere Töne an und kulminiert dann in der Neo-klassischen, unterkühlten Mini Triologie 'Awaken/Loputon Yö/Alchemy'. 'Spirits Of The Sea' ist dann der stilvoll schimmernde Gegenpart, klar und kalt wie ein Ozean (Wenn die Ozeane denn noch klar wären, du Seuche Mensch! d.Verf.)

Es stellt sich auf "In The Raw" ein markanter stilistischer Bruch ein. War der start klar vom Riff und der Rock Stimme von TARJA geprägt, befindet man sich in der Mitte in unterkühlter, teilweise fremdartiger und surrealen Soundlandschaften, die mit dem gerade erwähnten Stück aber wieder gen Oberfläche preschen. Trotzdem bleibt das Grundsetting eher melancholisch, erst mit 'Serene' wird wieder mehr dem Rock Setting zugesprochen. Das allerdings sehr düster-perkussiv. Aufgelöst wird das Unbehagen mit dem Albumcloser 'Shadowplay', flankiert von dramatischen Chören, navigiert TARJA einen weiteren Edel Rocker in den Heimathafen und schließt mit einem Weltklasse Zusammenspiel zwischen Ausdruck, Klasse und Verständnis zwischen Bridge und Refrain ein überraschend wertiges, tief fesselndes Album ab.

"In the Raw" ist sicherlich das beste Rock Album das die Grand Dame des Symphonic Rock/Metal bisher veröffentlicht hat. "Über den Tellerrand Gucker" werden sich diebisch darüber freuen, das ihre kindliche Neugier so fürstlich belohnt wird!

8 Points. Erscheint am 30.08.2019 via earMusic/Edel Germany



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