Section: Reviews 43157Autor: Diggi
Datum: 27.06.2019
Bereich: Reviews

....frei geschwommen?

Outstrider

ABBATH

HORNELLA!

Ziemlich lange habe ich mich mit dem Zweitwerk des Olve Eikemo firmierend unter dem ABBATH Banner beschäftigt und es bleibt für mich weiterhin ein zweifelhaftes Vergnügen. Wo das Debüt noch wie entschlackte Immortal daher kam und es sich auf gutem Niveau hören lies, so bleibt „Outstrider“ manchmal dann doch unter seinen Möglichkeiten. Eines vorweg: Die bisher getätigte Kritik an einigen ungelenk wirkenden Gitarrensoli kann ich so nicht teilen. Wer nach diesem Kriterium eine extreme Metal Scheibe hört, der müsste fast den gesamten – besonders den essentiellen – Morbid Angel Backkatalog zum Sperrmüll bringen.

Was fällt auf? Die Gitarren sind definitiv nicht mehr im typischen Black Metal Setting gestimmt, auch der Gesang des Olve ist um einige Jota tiefer angelegt, vielleicht eine unbewusste Reaktion auf das prominente Gekrächze auf dem Comeback Album seiner Ex Kollegen? Musikalisch greift erst Titel 2, ‚Bridge Of Spasms‘ klassische Gitarrenlicks und auch Motive des Abbath von Immortal auf. Bis auf den abstrus wirkenden Titel eine runde Angelegenheit. Der Opener ‚Calm In Ire (OF Hurricane) könnte sogar ein gemäßigter Death Metal Song sein…Auch wenn das ein Mikrodrehmoment an den Stellschrauben bedeutet, macht das im Ganzen schon viel an Veränderung aus. Besonders das zweite Stück knüppelt ordentlich und auch ‚The Artifex‘ galoppiert verdammt schnell aus den Boxen. Aber: Hier wartet man dann so langsam auf die großen Momente, die man von dem kauzigen Streitaxtträger gewöhnt ist. Das ist alles fulminant in Szene gesetzt und bisher erscheint „The Outstrider“ sogar härter und erbarmungsloser, ja humorloser als sein Vorgänger, aber die großen Ausrufezeichen wurden noch nicht gesetzt. Im weiteren Verlauf des Stückes dann doch endlich, ein cooles Solo (jawohl! D.Verf.) und man geht in den martialisch-epischen Midtempo Stechschritt über. Geilo!

Das folgende ‚Harvest Pyre‘ wird sicherlich nicht ein Klassiker werden, hier schaltet die Band zu sehr auf Autopilot. Auch ‚Land Of Khem‘ ist trotz instrumentalem Funkenflug eher eine beliebige Sache. Mit dem Titelstück holt ABBATH dann aber die Kohlen aus dem Feuer, oder stapelt das Packeis im Permafrost. Dieses Stück ist zwar nicht so majestätisch wie das ein oder andere Werk an welchem der Herr in der Vergangenheit beteiligt war, es strahlt aber alte Stärke und frostige Atmosphäre aus!

Ist das jetzt der Wendepunkt? Mit dem ähnlich aufgestellten ‚Scythewinder‘ könnte man das tatsächlich meinen, trotzdem bleiben da die alten Geister aus der Vergangenheit, die dem Hörer immer wieder soufflieren, das es früher doch irgendwie alles mehr Schmiss hatte….‘Pace Till Death‘ ist dann ein knapper, ruppiger Rausschmeißer auf einem wuchtig produzierten Album, das aber irgendwie nicht in Euphorie kulminiert, geschweige denn den Furor entfesseln kann. Man ist fast peinlich berührt, hat man doch so viel erwartet und wusste man doch im Vorfeld, das der olle ABBATH eher mehr Wert darauf zu legen scheint, sich seine Gesundheit zu verhunzen. Ein Jammer.

6 Points. Erscheint am 05.07.2019 via Season Of Mist.



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