Section: Reviews 42483Autor: Diggi
Datum: 07.03.2019
Bereich: Reviews

....mal in aller Ausführlichkeit....

Distance Over Time

DREAM THEATER

Mit der Zeit setzen sich die Reaktionen auf „Distance Over Time“ ein wenig und es lässt sich klar erkennen, das die primäre Ausrichtung der Scheibe, nämlich wieder mehr Riff zu zeigen, nicht an Wirkung verfehlt hat. Teilweise überschwänglich, aber auch reflektiert wird die „Rückkehr“ der Prog Metaller zur Kernkompetenz kommentiert. Das lässt folgende Gedankenspiele zu: War die unsägliche Sci-Fi Kitschschmonzette „The Astonishing“ tatsächlich so mies, oder reichen DREAM THEATER einfach doch nur einige Jota mehr Wasser unter dem Kiel, um die Klientel zu versöhnen?

Eines ist jedenfalls grob fahrlässig: Das Album mit z.B. „Train Of Thoughts“ zu vergleichen. Dafür strahlt „Distance Over Time“ einfach zu viel Wärme oder auch aufgeräumte Ästhetik aus. Schon interessant, wie plötzlich ein Album in den Fokus der Betrachtungen gerückt wird, welches seinerzeit als zu schroff oder zu hart fast schon abgewatscht wurde. So wird ein Schuh draus: DREAM THEATER werden für alle Ewigkeiten neben Rush als die Prog Rock/Metal Ikonen bestehen, weil die ersten drei Alben Klassiker sind, dazu gesellt sich der „Relaunch“ in Form von „Metropolis Pt.2:Scenes From A Memory“.  Aber: Richtig mutig und innovativ waren die Herren mit dem anderen Trio, bestehend aus „Train Of Thought“, „Six Degress Of Inner Turbulence“ und „Systematic Chaos“ eben Alben, die von den Hütern der Prog Palmblattbibliothek neben Wohlfühlalben wie „Octavarium“ eher argwöhnisch als „Härtefalle“ beäugt werden. Unsinn!

Aber was hat nun „Distance Over Time“ mit dem letzten Obituary oder Children Of Bodom Album zu tun? Nun, zunächst meinen hier Mucker das Sie eben auch Produzenten sind und dieser Lackmustest manifestiert sich immer am Schlagzeug. Beide Alben verfügen über einen zu lauten, klinischen Drum Sound. Oder ist dann doch der Robocop-Mangini bei DT? Viele Fans hauen sich die Köpfe ein und wünschen sich das dezent chaotisch-organische Portnoy Drumming wieder. Wie auch immer: Herr Petrucci, bitte lassen sie sich bei Produktionen doch helfen. Die Parallele zum aktuellen COB Werk? Auch DREAM THEATER haben den Einstieg des Albums mit ziemlich behäbig und hemdsärmeligen Stücken fast „vergeigt“.  Genug des Exkurses. ‚Untethered Angel‘ eröffnet zwar gefällig aber eher im Wohlfühlbereich das neue Album, ähnlich unauffällig wie bei ‚The Enemy Inside‘ vom völlig daneben produzierten selbstbetitelten Album aus 2013. OK, aber der Punch ist dann doch wieder merklich zurück. Der Bass, die Gitarren, der Gesang ist präsenter, wenn auch oft nervig mit Flanger Effekten beschichtet. Hier rettet der Chorus einiges. ‚Paralyzed‘ ist dann zum Glück nur 04:17 Minuten totale Belanglosigkeit und mit dem am „Image And Words“ Setting angelehnten ‚Fall Into The Light‘ ziehen DREAM THEATER endlich die Reisleine. Hier beginnt nun tatsächlich „Distance Over Time“. Toller Prog Metaller, der als Wegweiser für das noch schönere ‚Barstool Warrior‘ dient, ein echtes Hochlicht! DT zelebrieren sich selbst und ihren Stil, das ist nicht innovativ, aber der Fan freut sich über die zurückgewonnene Spielfreude der Herren. Es darf aber gerne mehr Prog sein, Jungs! Kein Ding, denn ‚Room 137‘ schlägt die Brück zu unterkühlten  „Awake“ Tagen. Ja,  DT können es doch noch. In die selbe Kerbe schlägt ‚S2N‘ Starke Gesangsarrangements, den absoluten Progressive Metal Klimax erreicht man mit den beiden Longtracks ‚At Wit´s End‘ und dem absoluten Übersong ‚Pale Blue Dot‘. Hier besteht großer Funkenflug Alarm in Sachen Rhythmik und was sich Herr Petrucci da auf der Gitarre hat einfallen lassen, ist das Beste seit „A Dramatic Turn Of Events“. Auch der CD Bonus Track ‚Viper King‘ kann mit einer klassischen Deep Purple Hard Rock Attitüde begeistern.

Ende gut, alles gut? „Distance Over Time“ entlarvt „Dream Theater“ aus 2013 als Testballon für den Coup De Grace in Form von „The Astonishing“. Eine Reaktion musste her, diese liegt nun vor. In kurzen 57 Minuten steigert sich die Band schnell und kann an Normalform wieder anschließen.  Lässt die Band eine Konsens Nummer wie ‚Paralyzed‘ aus der kommenden Setlist, dann bereichern besonders die langen Stücke jedes kommende Konzert der Band. Die andere Seite der Medaille: Die Innovationskraft des Genre strahlen mittlerweile Bands wie Protest The Hero, The Ocean, Between The Buried And Me oder Animals As Leaders und andere aus.

8 Points. Erschienen über InsideOut.



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