Section: Reviews 41750Autor: Diggi
Datum: 08.11.2018
Bereich: Reviews

Nach fünf Jahren des Tourens kredenzt das Band Kollektiv aus Berlin....

Phanerozoic I: Palaeozoic

THE OCEAN COLLECTIVE

HORNELLA!

Was haben wir mit dieser außergewöhnlichen Band nicht schon alles erleben dürfen? Immer größer werdende Alben, waghalsige Kooperationen mit z.B. Mono und nun das....

'Silurian -Age Of Sea Scorpions' wird ab jetzt als die Blaupause des intelligenten, sinnstiftenden Post Rock gehandelt werden. Das ganze Album wird in zukünftig erscheinenden, egomanischen Abhandlungen diverses Musik Journalisten als ein unumstösslicher Monolith geadelt werden. THE OCEAN COLLECTIVE sind sicherlich nicht mehr so "wütend", oder "brachial" wie vor 4-6 Alben, dafür sind Sie aber traumwandlerisch sichere Lautmaler geworden. Die Stücke agieren natürlich wieder in Überlänge, wie z.B. 'Devonian - Nascent' mit satten 11 Minuten, aber die Zeit nimmt man sich gerne, die Stücke bauen sich in cinemascope-artigen Bildern regelrecht vor dem geistigen Auge auf, erzeugen eine kaum erträgliche, positive Spannung.

Das hier nichts in den falschen Kanal wandert: Die Musiker agieren durchaus am Rande ihrer Post-Hardcore Wurzeln, ansonsten wäre ein Opener wie 'Cambrian II – Eternal Recurrence' kaum denkbar, mit seinen kaskadenartigen Riffs und dem sehr energischen Brüll Gesang. Aber das ist dann doch wieder eine falsche Begrifflichkeit, denn wo andere Kopisten und Generika Speichellecker jede Millisekunde kaputt brüllen, lassen THE OCEAN COLLECTIVE das in den letzten Jahren erkundete neue musikalische Terrain immer mit spielen, jedes Element des Bandsounds hat auf "Phanerozoic I: Palaeozoic " seinen festen Platz, völlig emanzipiert von früherem Kastendenken. 

Ich wage es jetzt: Mit diesem Album ist den Berlinern genau das gelungen was Tool mit dem Lateralus Album geglückt ist: Musik als einen lebenden, sich entwickelnden und verändernden Organismus für die Nachwelt festzuhalten.

THE OCEAN Fans greifen hier eh blind zu, alle anderen die neugierig auf wirklich neue, mutige, gerne auch harte aber auch fragil verspielte Musik jenseits von Skalenwichserei sind, die checken vorher noch den bedächtig startenden Albumcloser 'Permian - The Great Dying' und sind dann endgültig angefixt.

9 Points. Erschienen über Metal Blade.



.


^^^ BACK TO TOP ^^^
© 1998-2012 by www.Heavy-Metal.de