Section: Reviews 41525Autor: Diggi
Datum: 10.10.2018
Bereich: Reviews

Nein, keine Manowar Fanboy Scheibe....

God Of Thunder God Of War

ICHOR

Eine bewegte Geschichte kann man den Australiern von Ichor nun wahrlich nicht unterstellen. Einem Demo 1993 folgte eine Ruhephase von 25 Jahren, in der sich die Protagonisten Wraith und Diablore auf ihre andere Band namens Nazxul konzentrierten (die allerdings auch schon seit über acht Jahren kein Lebenszeichen in Form einer Veröffentlichung von sich gegeben haben). Dieser Tage schlagen sie mit Gods of Thunder Gods of War ein neues Kapitel auf, und dem Vernehmen nach sollen die Aktivitäten rund um Ichor wieder ausgeweitet werden.

Ichor spielen Black Metal, der am frühen norwegischen Sound angelehnt ist und immer auch einen Touch Epik im Stile Nocternitys beinhaltet. Thematisch behandeln sie das slawische Heidentum, wobei Ichor ein altertümliches griechisches Wort für jenes Fluid ist, welches durch der Götter Adern fließt. Damit soll ausgedrückt werden, dass der einzige Unterschied zwischen den Menschen und Göttern eine physikalische Substanz ist, und es somit den Menschen möglich ist, Götterstatus zu erreichen. Spannendes, in den okkulten Zeitgeist passendes Thema.

Kennzeichnend für Ichors Sound sind schnell gespielte, teils melancholische, teils erhabene Melodien, die mitunter auch epische Züge annehmen (so wie Runespells letzte Veröffentlichung, nur in besser). Das der Atmosphäre durchaus dienliche Keyboard wird angemessen eingesetzt; entweder ist es dezent im Hintergrund beigemischt (wie z. B. auf Spectres of the Woods), etwas prominenter platziert, ohne dabei jedoch klebrig zu sein (wie z. B. auf Noble Ichor) oder es sorgt als Anker für eine unheilvolle Stimmung (wie z. B. auf Vucica). Bei Daughters of Wrath handelt es sich um eine Neuaufnahme eines schon auf dem 93er Demo vertretenen Songs, leider fehlen mir hier die Vergleichsmöglichkeiten. In die Gemengelage des Albums passt es aber ohne Frage. Die Geschwindigkeit der Stücke variiert angemessen; Call of the Bloodthirst ist schnell, dennoch episch, während Yaga’s Tomb so kriechend ist, wie man es bei einem Song mit dem Wort Gruft im Titel erwarten kann. Die Produktion ist so trve wie sie Mitte der 90er nur sein konnte, also alles andere als clean; hier hätte ich mir eine Prise mehr Investment seitens der Band gewünscht, um insbesondere die Gitarren und das Keyboard noch differenzierter herauszustellen. Das Gesamtbild ist letztlich aber schon stimmig.

Mit Gods of Thunder Gods of War veröffentlichen Ichor eine schöne Reminiszenz an jenen Sound, mit dem ich musikalisch quasi sozialisiert wurde. Die Songs sind stimmungsvoll, wenn auch vielleicht einen kleinen Tacken zu lang an der einen oder anderen Stelle. Wenn sie jedoch noch ein wenig an der Produktion schrauben und ggf. etwas von der teils eigentümlichen ozeanischen Aura beimischen, die anderen Vertretern aus der Gegend zu eigen ist (Vassafor, (alte) Demoniac, Grave Upheaval und Co. kommen mir da in den Sinn), könnte sich Ichor noch zu einer sehr spannenden Band entwickeln. Ist im Auge zu behalten.

VÖ: 05.10.2018

Label: Seance Records

Fazit: 7 / 10



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