Section: Reviews 40833Autor: Diggi
Datum: 27.07.2018
Bereich: Reviews

ITM checkt die Post.....

Escape

DECLINE OF THE I

Post Black Metal…. Hm, ist ja eigentlich so gar nicht meins, verbinde ich damit in der Regel bestenfalls verträumte, schlimmstenfalls larmoyante Veröffentlichungen. Dann wiederum: Decline of the I kommen aus Frankreich, jenem Land, welches für mich gerade die stärkste Szene aufweist. Also Schublade wieder zugemacht, was – wie sich herausstellen sollte – nicht zu meinem Nachteil war und mir nur wieder gezeigt hat, dass natürlich nicht der Post Black Metal das Problem ist, sondern meine Rezeption einiger Vertreter dieser Richtung. Aber genug des Flagellantentums…

Musikalisch wird hier eine breite Palette abgedeckt: Black Metal, Industrial, Ambient, elektronische Musik wird eingeflochten, es gibt sakrale Referenzen, Sprachsamples. Obwohl alle sechs Songs stimmig fließen, will jedes Stück einzeln entdeckt werden. Disruption mit seinen verstörenden und doch schönen Gitarrenleads sowie seinen entrückten Elektro-Einspgrenseln; Enslaved by existence mit seinem bombastischen Choral sowie den aus dem Nichts kommenden Highspeed-Knüppelattacken auf der Folie betörender Melodien; Hurlements en faveur de FKM mit seinen Gesangsparts, die stellenweise direkt aus der Zwangsjacke heraus gekommen sein müssen; Negentropy Fertility sovereign mit seiner Verquickung von Klavierspiel und programmierten Drums; Je pense donc je fuis mit seinem Klagelied-Outro. Jeder Song hat seinen eigenen Spannungsbogen, und hin und wieder musste ich an ein sinistres Zusammenspiel von Silencer, Forgotten Tomb und Deathspell Omega denken. Die Geschwindigkeit wird auf der ganzen Scheibe nur in seltenen Fällen angezogen, dennoch durchzieht das ganze Album ein Gefühl der Unbehaglichkeit. Es ist schon faszinierend, dass all dies aus dem Kopf eines einzigen Musikers kommt und zu einem stimmigen Ganzen zusammengesetzt wird.

Decline of the I gehören definitiv nicht zu den verträumten Vertretern der Post Black Metal Bewegung, auch wenn es nicht wenige ruhige Momente gibt, die jedoch eher verstörend denn beruhigend klingen – wohl auch dem lyrischen Konzept geschuldet, welches sich ganz grob gesagt mit individuellen Fluchtursachen und -mitteln beschäftigt. Ebenfalls gibt es hier bei allem Bombast zwischendurch (man höre diesbezüglich nur den Anfang von Enslaved by existence bzw. die Choräle an anderen Stellen) keinen Kitsch, was man unter anderem auch daran merkt, dass in den allermeisten Fällen im Zweifel der Gitarre das Primat über das Keyboard eingeräumt wird. Bei Escape handelt es sich um ein vielschichtiges, stimmungsvolles (auch negative Stimmungen sind zulässige Stimmungen, haha) Album, das für jene Hörer reizvoll sein sollte, die genreübergreifende Einflüsse im Black Metal als Bereicherung empfinden, solange sie nur eine dunkle Atmosphäre befördern. Frankreich ist und bleibt in Sachen Musik einfach die Nummer 1, und Decline of the I sind ein weiterer tragender Baustein in der Kathedrale der Finsternis.

VÖ: 27.07.2018

Label: Agonia Records

Fazit: 8,5 / 10



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