Section: Reviews 40662Autor: Diggi
Datum: 30.06.2018
Bereich: Reviews

ITM auf Tempelbesuch.....

Whirlwinds of Fathomless Creation

TEMPLE DESECRATION

Ich zitiere aus dem Johannes-Evangelium, zweites Kapitel, Verse 14 und 15: „Und er [Jesus – Anm. d. Verf.] fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um.“

Oh ja, Temple Desecration, ich höre eure Wut auf jene, die den Tempel zu Jerusalem mit ihrem profanen Treiben entweihten. Und wenn Jesus schon sauer wurde, dann dürft ihr erst recht sauer sein! Da Polen – das Herkunftsland der Band – ja immer noch ein ziemlich katholisches Land ist, gehe ich einfach mal davon aus, dass obige Geschichte der Grund für den Bandnamen war. NICHT.

Musikalisch gibt es auf Whirlwinds of Fathomless Chaos, der ersten Full-length übrigens, eine Mischung aus runtergestimmten Death- und Doom-Metal, wobei der Death Metal-Anteil gerne auch mal in Bestial Metal-Gefilde abdriftet. Nicht nur ein Mal liefen mir ob der Reminiszenzen an Temple Nightside oder auch Truppensturm wohlige Schauer über den Rücken, zwei Ausprägungen dieses Subgenres, die hier vorzüglich miteinander kombiniert wurden. Fünf Songs verteilen sich dabei auf eine Spielzeit von über 37 Minuten. Nameless Hordes startet gleich mal ziemlich zügig, wechselt aber immer wieder auch in langsamere Teilstücke, die eine eindrücklich finstere Atmosphäre kreieren und eben an die großartigen Temple Nightside oder auch Grave Upheaval gemahnen. Entering the Void (tendenziell etwas langsamer) und Dominion of Darkness (tendenziell etwas schneller) sind dann Songs, die ebenfalls zwischen schnellen und langsamen Parts changieren und insbesondere in den schnellen Parts ein hypnotisierendes Riffing aufweisen, gleichzeitig aber auch den einen oder anderen Groove zur Auflockerung einbauen. Das Highlight dieses Albums ist aber sicher Song Nummer vier: Covenant ist nicht nur wegen seiner Länge von über zwölfeinhalb Minuten das Opus Magnum. Hier fühlt man sich tatsächlich in eine Messe, eine dunkle Zeremonie hineinversetzt, unterstützt durch einen beschwörenden Gesang im Mittelstück, der das ansonsten tiefe Growlen angenehm variiert. Im Gegensatz zu den anderen vier Songs gibt es hier auch keine Blastbeats; trotzdem ein von vorne bis hinten überzeugendes Klangerzeugnis. Blood Offering bildet dann das Finale und geht wieder mehr nach vorne. Gegen Ende des Songs werden dann noch mal alle Schüler des wahren Gottes aufgefordert, den Nazarener zu slayen, ansonsten würde man untergehen, ohne jede Spur zu hinterlassen (was wohl kosmisch-karmisch gemeint ist). Unterstützt wird das von einem finsteren Groove zum Abschluss, der ohne jeden Zweifel die Nachdrücklichkeit dieser Bemühungen betont.

Bei mir ist es ja so, dass mich eine Band ja schon halb im Sack hat, wenn der Opener reinhaut, und dies ist hier der Fall. Nameless Hordes beinhaltet alles, was ich an der in den letzten Jahren wieder so populären Death/Doom-Ecke liebe. Die langsamen Passagen erzeugen pure Dunkelheit, während die schnellen (selbst die sehr schnellen) Abschnitte fast schon eine hypnotisierende Wirkung erzielen. Covenant steht für sich selbst und sollte zum Jahresende niemals außerhalb irgendwelcher Top20-Listen auftauchen. Auch das Cover-Motiv regt zu verschiedenen Überlegungen an, sodass man hier von einer rundum gelungenen Veröffentlichung sprechen und sich schon jetzt auf die zweite Full-length freuen kann. Daumen hoch!

VÖ: 13.07.2018

Label: Iron Bonehead

Fazit: 8,5 / 10



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