Section: Reviews 40521Autor: Diggi
Datum: 11.06.2018
Bereich: Reviews

Gibt es den sonntäglichen Satan Worshipper?

The King Of Hell Arrives

SATAN MY MASTER

Folgendes Szenario: João*, acht Jahre alt, wohnhaft in Amadora, einem Armenviertel vor den Toren Lissabons, macht sich an einem Sonntag irgendwann Mitte der 90er bereit, die heilige Kommunion zu empfangen. Kaum wieder raus aus der Kirche, begibt er sich schnell auf den Weg nach Hause, denn das Highlight ist natürlich nicht der symbolische Verzehr von Leib und Blut Christi, sondern es sind insbesondere die monetären Geschenke bei der Aftershow-Party. Nur leider gibt es keine Geschenke, denn wie gesagt: Amadora ist das Armenviertel Lissabons. João ist sauer! Sehr sauer!!

20, vielleicht auch 25 Jahre und weitere Enttäuschungen später beschließt João, all der angestauten Wut, dem Frust, seinem Ärger Luft zu verschaffen und gründet eine Band. Eine finstere Band! Die Satan huldigt!! Denn Satan hat ein Herz für Enttäuschte, für Wütende – wie João!!! Wo war die Liebe Gottes oder seines Sohnes vor 25 Jahren? Jedenfalls nicht in Amadora!!!! Also wird es Zeit, seinem Meister den Boden zu bereiten. Mit Musik.

Ach ja, die Musik: Sprachsample-Intro gefolgt von einem durchaus treibenden Beat über den Großteil des Songs, inklusive eines Chorus (Tormenting!!! Tormenting!!! Tormenting!!! Tormenting the nazarene swine!!!), der live die schlichteren Gemüter Amadoras ganz sicher zum Mitgröhlen animiert. Ich würde das Solo im zweiten Teil des Stücks im Gegensatz zum Promobegleitschreiben nicht unbedingt als „divebombing“ bezeichnen, aber schlecht ist es auch nicht. Es geht weiter mit Warbrothers of Darkness und im bekannten ufta-ufta-ufta-Beat, diesmal ohne einprägsamen Chorus, aber wieder mit einer durchaus überzeugenden Solo-Gitarre. Servant of Hell deutet dann bereits an, dass man gegebenenfalls auch mal das Tempo etwas rausnehmen kann, bevor mit Scepter of Doom dann das Highlight des Albums folgt. Doomige Melodien, Gitarrensoli, ein durchaus passendes Keyboard-Einsprengsel in der Mitte des Songs und ein eher beschwörender denn räudiger Gesang, der etwas an Root und den Big Boss erinnert, vermischen sich hier auf ansprechende Art und Weise. Nuclear Abomination beendet dann wieder alle doomigen Anflüge (kein Wunder bei dem Titel) und tritt das Gaspedal durch. Auch hier kommt vereinzelt der Tastenmann zum Einsatz, zwar nicht so akzentuiert wie auf dem vorherigen Stück, passt aber. Der Abschlusssong bietet dann noch mal die gleichen Zutaten wie alle anderen Songs außer Scepter of Doom, aber vermutlich wollte João unbedingt noch eine Beleidigung unter das Volk bringen (Son of a whore).

Im Grunde wird hier eine dreckigere, dunklere Form von Rock’n Roll geboten, wie man es ähnlich von Venom damals kannte, nur dass die Portugiesen noch ´nen Tacken zackiger, impaled nazareniger vorgehen. Ausnahme bildet das bereits hervorgehobene Scepter of Doom. Die Konzentration auf die Elemente dieses Songs in Kombination mit dem treibenden Rhythmus der anderen Songs könnten den Weg in eine weniger stumpfe Zukunft weisen. Der sonntägliche Satan Worshipper kann hier aber getrost zugreifen.

*Name vom Verfasser geändert

VÖ: 27.06.2018

Label: Helldprod Records



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