Section: Interviews 39585Autor: Diggi
Datum: 16.03.2018
Bereich: Interviews

Der Kern der Qualität....

Borders

SUBLEVEL

Sebastian, Gitarrist der Duisburger Band, hat sich Zeit für unsere Fragen genommen, lest selbst:

 

Arbeiten wir uns doch mal ganz langsam zum Kern durch. Das Artwork von „Borders“ stellt  den Albumtitel durch das „zu wuchern der Ruinen“ in einem fast schon metaphorischen Licht dar, könnte doch die Natur als die Kraft dargestellt sein, die alle Grenzen überwindet.  Außerdem ist das Motiv als solches für ein Kind des Ruhrpotts ganz herrlich geraten, erinnert es doch an den Archetyp der Industriedenkmäler im Sektor…. Lasst Euch doch mal zu Artwork aus!

 

Sebastian:  

"Metaphorisches Licht ist ein gutes Stichwort; die EP bewegt sich in ihren verschiedenen Motiven hauptsächlich im Schatten, den dieses wirft. Die Aussage versteckt sich oft in dem, was nicht gesagt wird und soll jeden Hörer anregen, die verbleibenden Lücken selbst zu schließen. Einige Motive lassen sich aber nicht verbergen, z.B. das der Grenzen - mal im Sinne der Begrenztheit des Seins innerhalb unbegrenzter Einsamkeit, mal als kulturelle Konfliktschauplätze. Die Grundlage der Texte ist eine kritische Haltung gegenüber modernen gesellschaftlichen Prozessen wie Industrialisierung, Technokratisierung, Anonymisierung, Überwachung oder dem westlichen Kulturimperialismus. Das wirft wiederum Fragen über die ‚Natur‘ des Menschen und sein Verhältnis zur Welt auf.
Da es schwierig ist, das alles explizit im Artwork zu vereinen, haben wir uns auch hier für die metaphorische Ebene entschieden, die viele Lesarten zulässt. Aber dass die Menschheit bei aktuellem Kurs ein vorübergehendes Phänomen ist, wird glaube ich klar. ;)"

Das Album an sich wirkt wie ein einziger Song, trotz der Komplexität und auch Variabilität die ihr verarbeitet. War das gewollt, oder eher purer Zufall?

Sebastian:

"Tatsächlich war es im Endeffekt so beabsichtigt, aber die Idee kam uns erst etwa bei der Hälfte des Schreibprozesses der EP. Wir haben gemerkt, dass die Songs beim gemeinsamen Schreiben Einflüsse aus verschiedensten Stilrichtungen bekommen, weil jeder (auch über sein Instrument hinweg) seinen Senf  dazugegeben hat. Das ist Fluch und Segen zugleich wegen der ständigen Gefahr, dass es völlig aus dem Ruder läuft. So wollten wir zumindest einen musikalischen roten Faden reinbringen und die Songs mal ineinander übergleiten, mal abrupt den Stinkefinger zeigen lassen."

Ihr arbeitet weniger mit Laut/Leise Dynamiken, sondern die Strukturen in den Arrangements und besonders die Längen der Stücke sind impulsgebende Kontraste. Wie geht Ihr eure Kompositionen an. Wieviel ist da Bauch und wieviel Technik und Struktur?

 

Sebastian: 

"Stimmt! Das liegt womöglich genau daran. Jeder hatte für sich selber so viel mitzuteilen, dass wir sehr viel unterschiedlichen Input hatten. Letztlich lief vieles aber ziemlich instinktiv und wir haben dabei weniger an den Eindruck gedacht, den es macht als an das, was wir ausdrücken möchten. Technik, Struktur und musikalische Konventionen sind dabei natürlich eine wichtige Stütze, aber wir sind bei den Songs sehr oft Stimmung und Intuition gefolgt, so ein bisschen Sturm und Drang."

Besonders erfreut mich als 42jähriger das ihr als junge Band nicht ausgelutschten Hippster/Stereotypen Schemata erliegt, sondern einen eigenen Weg einschlagt und tatsächlich so etwas wie At The Gates sein könntet, wenn diese Band eben auch in den letzten Jahren gestartet wäre.. Wo seht Ihr Euch selber als Metal Musiker und wie würdet ihr die musikalische Evolution der Band skizzieren?

Sebastian:

"Große Worte! Selbst können wir das gar nicht so richtig einschätzen, aber moderner Metal ist ja nicht in allen Alters- und Trvenessklassen gleich beliebt. Ich denke,  das liegt auch an den von dir beschriebenen Schemata und Klischees, denen viele folgen. Das sorgt dafür, dass es insgesamt immer gleichförmiger wird und sich niemand aus seiner Komfortzone bewegt. Genau dazu zwingen wir uns aber häufig, weil man sich nur so wirklich weiterentwickeln kann. Wir haben mittlerweile eine ziemlich gute Balance von Wahnsinn und Selbstbeherrschung gefunden und es ist schon der eine oder andere neue Song entstanden. Wir machen auf jeden Fall so weiter!"

Noch ein Wort zur Produktion: Immer mehr Bands die einen vergleichbaren Status wie ihr habt, versuchen wieder „echt“ und „habtisch“ zu klingen, genau konträr zu den Schema F Produtkionen der großen Label. Wie lief das bei Euch ab und welche Intention habt Ihr mit dem Sound auf „Borders“ verfolgt?

Sebastian:

"Die Produktion ist eine Sache, die wir von Anfang an ziemlich unterschätzt haben. Im besten Fall richtet man auch alles von Arrangement bis Recording auf das gewünschte Ergebnis aus. Bei uns war es mehr Trial & Error – wir haben von Arrangements über Demos bis hin zu Gitarren- & Schlagzeugaufnahmen alles in Eigenregie gemacht und dabei aus vielen Fehlern gelernt.

Generell ist ja gerade bei schnellerem/technischerem Metal die Produktion ziemlich gewichtig. Da ist man ständig im Spagat zwischen Natürlichkeit und Brutalität, gleichzeitig muss man alles raushören können. Unser großes Glück war, dass wir mit Bastian Hartmann (www.bastianhartmann.de) jemanden hatten, der sich frühzeitig in die Produktion eingeklinkt  und die EP anschließend nach unseren Vorstellungen gemixt & gemastert hat. Das war sehr viel Wert.Da wir nicht nur genretechnisch verschiedene Vorstellungen haben, sondern auch was die Produktion von Metal-Alben angeht (‚Echtheit‘ vs. ‚In-die-Fresse-Druck‘), war es letztendlich ein Kompromiss. Wir haben uns letztlich solange aneinander gerieben, bis alle zufrieden mit dem Ergebnis waren. Ich für meinen Teil begrüße die Entwicklung  hin zu organischeren Sounds und weg vom perfekten Hochglanz-Plastiksound, der das Feld in letzter Zeit maßgeblich bestimmt. Lieber rotzig und dabei was zu sagen haben."

 



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