Section: Reviews 39440Autor: Diggi
Datum: 06.03.2018
Bereich: Reviews

Al Jourgensen und sein Donald....

AmeriKKKant

MINISTRY

HORNELLA!

Was hat Onkel Al doch für ein bewegtes Leben hinter sich, unvergessen die Drogen und Rotwein verhangenen Auftritte mit Bismarck´scher Pickelhaube und Bauzaun vor der Bühne in den späten 90er Jahren..... Der Tot von Gitarrist Mike Scaccia in 2012, das Zerwürfnis mit dem musikalischen Zwilling Paul Barker in 2003, diverse Auflösungen der Band, diverse, unsägliche Auferstehungen, die dann in ärgerlichen Veröffentlichungen wie "Relapse" oder "From Beer To Eternity" kulminierten... Aber auch legendäres, wie das Industrial Metal Manifest "Psalm 69", oder der atemberaubend kreative Weg dahin, vom Wave Rock und Synthie Pop aus den frühen 80er Jahren bis hin zur Vorstufe von allem, was da revolutionäres von MINISTRY kommen sollte, gebündelt im genialen "The Mind Is A Terrible Thing To Taste" Album.

Doch eine Anmerkung sei gestattet: Auch wenn MINISTRY mit "Psalm 69" mindestens für Marylin Mansons Werdegang mitverantwortlich waren, so darf man nicht die anderen Pioniere des Industrial Rock vergessen, als da wären Killing Joke und die Die Krupps!  Außerdem wird gerne unterschlagen, das MINISTRY mit der lose kohärenten Trilogie "Houses Of The Molé", "Rio Grande Blood" und "The Last Sucker" von 2004-2007 wirklich verdammt starkes Material am Start hatten.

Was ist in diesem Zusammenhang nun "AmeriKKant" wert? Das offensichtliche zuerst: Natürlich ist die Scheibe stärker, atmosphärisch dichter und wirkt wertiger als die letzten halbgaren Scheiben. Überrascht war ich zunächst obgleich der doch eher starken Industrial und Sample Schlagseite, so kann man das Intro 'I Know Words' direkt als Füller abhaken. Kein guter Start, Mut hat Onkel Al, denn mit dem ersten richtigen Stück, 'Twillight Zone' stellt Er ein widerwillig stampfendes Industrial Ungetüm an den Anfang, das viel mehr von dem wiederkehrenden Mundharmonika Motiv lebt , als von peitschend-monotonem Maschinen Riffing. Nimmt mit mehreren Durchläufen aber immer mehr an Relevanz auf der Scheibe zu und wirkt wie eine Hommage an "The Mind Is..." und schleppendem Stoff a la 'Scarecrow'. Cool.

'Victims Of A Clown' erstreckt sich wieder auf über 8 Minuten und nimmt nun auch mehr Fahrt aufgrund von mehr Riffpräsenz auf. Natürlich ist auch dieses Stück von Samples des neuen Lieblingsfeindes von Al, Herrn Trump nur so durchsetzt. Das total kappute Interludium 'TV5-4 Chan' setzt dann zum Angriff an und mündet in das rabiate 'We´re Tired Of It' hier kommt echte Psalm 69 Atmosphäre auf, was auch an der selben Art der Verzerrung des wütenden Sprechgesangs von Al liegt. Megageil. 'Wargasm' beginnt zunächst wie eine Hommage an White Zombie, morpht dann aber in einen mächtigen Industrial Metal Bolliden. Auch der Rest des Album kann mit einer sehr vitalen Mischung aus viel "Old School" Industrial der mittleren und späten 90er Jahre und dem neuen Enthusiasmus des Herrn Jourgensen punkten.

Somit ist "AmeriKKant" zum Glück nicht der nächste Rohrkrepierer in einer langen, wechselhaften, aber am Ende doch stilprägenden und ikonenhaften Diskographie, sondern steht mit den starken drei Alben aus 2004 bis 2007 auf Augenhöhe.

8 Points. Erscheint am 09.03.2018 via Nuclear Blast. 



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