Section: Interviews 39438Autor: Diggi
Datum: 06.03.2018
Bereich: Interviews

Ein Interview mit Vasili und Jeremy....

UNHOLY METAL MAYHEM 2018

Hey Diggi! Vorab erstmal vielen Dank für die coolen Fragen! Wir werden diese gemeinsam beantworten, da wir wenn es um Unholy Metal Mayhem und Metal generell geht, relativ ähnlich denken und ticken.

Zunächst einmal eine Wurzelbehandlung für unsere Leser: Wo kommt Ihr her, wo tummelt ihr euch und wie kam es zu dem Unholy Mayhem Metal Festival?

"Wir kommen beide aus dem Ruhrgebiet wo wir uns seit Anfang der Neunziger in der lokalen Metal Szene rumtreiben. Über die Jahre war uns dann aufgefallen das es im Ruhrpott und auch auch generell in NRW immer weniger spannende Underground Konzerte gibt. Auch die Metal Clubs verschwanden nach und nach von der Bildfläche. 2-3 mal im Jahr kamen die grösseren Black und Death Metal Bands auf Tour. Aber wenn man neueoder obskure Bands sehen wollte musste man regelmäßig nach Ostdeutschland oder ins umgebende Ausland fahren. Im Jahre 2004 entschieden wir uns dann unsere eigene Konzertreihe unter dem Namen Unholy Metal Mayhem ins Leben zu rufen. Unser Ein Tages Festival findet seit 2013 statt. Am 24.03.2018 gibt es somit unser 6. Festival."

Wie schafft man es für schlappe 18 Euro so ein Hammer Line-Up zu präsentieren?

"Diese Frage bekommen wir tatsächlich häufiger gestellt. Und da müssen wir zunächst all den Bands danken mit denen wir über die Jahre gearbeitet haben. Die Musiker sind in der Regel Idealisten wie wir selber. Und häufiger kennen wir die Bands auch schon viele Jahre und sie mögen das Konzept von Unholy Metal Mayhem. Deshalb machen sie uns gute Konditionen die wir dann in Form von günstigen Ticketpreisen an die Maniacs weitergeben können. Aber natürlich müssen wir auch dem Helvete danken das wir dort sehr faire Konditionen für den Saal und die Anlage bekommen. Und natürlich ginge das Konzept auch nicht auf wenn wir uns nicht schon seit vielen Jahren auf einen treuen Kreis von Supportern verlassen könnten, die unserer Konzerte regelmäßig besuchen. Zuletzt gibt es von unserer Seite überhaupt kein kommerzielles Interesse. Und da wir nicht darauf angewiesen sind Geld mit Unholy Metal Mayhem zu verdienen, können wir bei der Planung der Ticketpreise diesen Faktor völlig ausklammern."

Ich war letztens auf dem Thrash Speed Burn in Oberhausen. Geile Bands, cooles Konzept, aber ausverkauft war der Kulttempel jetzt nicht unbedingt. Auch wenn ich finde das dieses, oder Eure  und einige andere Konzertreihen der richtige Weg sind – raus aus der Übersättigung an der Live Front – haben wir da den „Break Even Point“ eurer Meinung bereits erreicht, das sich der Konzert Overkill wieder „gesund schrumpft“ oder eher nicht?

"Mit dieser Frage beschäftigen wir uns auch regelmäßig. Vor allem da unserer Intention zur Gründung von Unholy Metal Mayhem war die Konzertlandschaft zu bereichern. Seit einigen Jahren hat man hingegen eher das Gefühl zu konkurieren. Das war und ist sicher nicht der Sinn eines Underground Events. Von Vorteil ist sicher das die Metal Szene in den letzten Jahren wieder gewachsen ist. Vor 10 Jahren wäre es gar nicht denkbar gewesen das im Ruhrgebiet mehrere Konzerte an einem Wochenende stattfinden und trotzdem überall genügend Metaller anwesend sind. Und es gibt auch einfach viel mehr Metal Bands die natürlich auch live spielen möchten. Und wer sind wir zu entscheiden welche Band live spielen darf und welche nicht. Lediglich bei unseren eigenen Events können wir frei entscheiden wen wir einladen möchten. Und alleine dafür lohnt es sich schon für uns die Unholy Metal Mayhem Rituale weiter zu zelebrieren."

Ich schätze mal das so ein Tages Festival bereits neu geplant wird, wenn die letzte Band für die aktuelle Veranstaltung gebucht ist, oder? Wie sieht da der Alltag bei Euch aus? Wieviel Zeit nimmt das in Anspruch?

"Tatsächlich ist es so, das wir mit der Planung fürs kommende Jahr immer erst nach unserem Festival beginnen. Wir machen uns da auch echt keinen Stress. Wir haben jetzt noch keine Ahnung wer 2019 spielen wird. Aber eines steht fest – wer immer es sein wird muss uns beide begeistern können. Wir laden keine Bands ein, nur weil sie grad angesagt sind oder sich Karten mit ihnen verkaufen lassen! Im Alltag sind wir beide berufstätig. Vor einigen Jahren haben wir noch bis zu 8 Konzerte im Jahr veranstaltet. Das war dann aber schon ein enormer zeitlicher und nervlicher Aufwand. Mittlerweile konzentrieren wir uns hauptsächlich auf das Festival und noch 1-2 kleinere Events im Jahr. Somit haben wir zwar das ganze Jahr mit Unholy Metal Mayhem zu tun, aber es bleibt auch genug Zeit selber Konzerte zu besuchen, Metal zu hören, Platten zu kaufen, Freunde zu treffen, Whiskey zu trinken, etc."

Wir erleben nun die Zeiten, in denen die großen Bands so langsam aber sicher verschwinden. Die Diskussion um deren Nachfolge halte ich für Nonsens, da wir 40 oder 30 Jahre später in einer völlig veränderten Medien und Hörerlandschaft leben. Was wird also passieren, wenn auch die letzten großen Bands in Rente gehen? Wäre es tatsächlich denkbar das sich dann der Metal endgültig in eine Pop Kultur mit Mainstream Headlinern wie Volbeat, Salbaton, Amon Amarth und Konsorten und eben dem Underground und seiner eigenen Infrastruktur aufspaltet? Das es dann –überspitzt  gesagt – nur noch Discounter Festivals und Underground Konzerte geben wird?

"Das ist ja eigentlich jetzt schon grösstenteils so. Wenn wir uns auf unseren Konzerten oder auch auf den Events umschauen die wir sonst besuchen, treffen wir kaum auf Metaller die an beiden Strömungen Interesse habe. Da ist die Kluft in den Jahren eigentlich auch immer grösser geworden. Und das begrüßen wir so auch sehr! Für uns war die Musik immer eine zentraler Teil unseres Lebens. Da war man auch bereit Opfer zu bringen. Die Musik auch zu unterstützen als sie gegen Ende der Neunziger am Boden lag. Da entwickeln sich einfach bestimmt Ansprüche und Werte die man in der Musik und bei den Musikern sucht. Und das Betrifft natürlich auch die Labels, Promoter, Magazine, Veranstalter und Clubs. Wenn wir da windige Machenschaften vermuten verlieren wir schnell das Interesse. Das sollte man aber nicht mit der Formel Erfolg = Kommerz gleichsetzten. Wenn eine Band es schafft mit ehrlicher und hochwertiger Musik erfolgreich zu sein sind wir die Letzten die es ihnen nicht gönnen. Nur kommen wir dann als Veranstalter für so eine Band nicht mehr in Frage, weil sie einfach unsere finanzielle n Vorstellungen sprengen würden."

Zurück zum Unholy Mayhem Metal: Nach welchen Kriterien wählt ihr die Bands aus? Was muss für euch eine Band „mitbringen“ um auf dem Billing zu landen?

"Zunächst mal müssen die Bands uns beiden gefallen. Da wir nicht in einem Metal Genre festgefahren sind kann das alles von traditionellem Heavy bis ultraderben War Metal sein. Dann sollten die Musiker eine ähnliche Einstellung haben wie wir. Grösstenteils passt das auch mit den Bands. Typische Probleme können sein das Bands utopische Gagenvorstellungen haben. Das kommt für uns dann nicht in Frage weil wir die Mehrkostenauf unsere Ticketpreise umlegen müssten. Dann kommt es auch gelegentlich vor das Bands sich mit unserem Konzept beschäftigen und das Gefühl haben das sie dort nicht reinpassen .Dies trifft dann eher auf traditionelle Heavy Metal Bands zu. Ihnen ist unser Image zu düster. Für uns macht das nicht so den Unterschied, aber solche Ansichten müssen wir respektieren. Ansonsten kann jede Band mit einem authentischen Metal Sound und einer Verbundenheit zum Underground bei uns auftreten. Dabei nehmen wir uns natürlich herraus zu bewerten ob wir einer Band diese Tribute auch zuschreiben... HEHEHE!!!"

Welche zur Zeit aktiven Bands stehen auf eurer Liste, die ihr unbedingt mal haben wollt?

"Diese Liste ist echt lang! Und wir wollen jetzt auch kein Namedropping betreiben. Es soll ja auch realistisch bleiben. Eine Band die uns beide verbindet ist Mortuary Drape. Mit denen habe wir 2007 mal ein Konzert veranstaltet. Das ist aber deutlich zu lange her! Ansonsten geistern auch immer wieder Varathron aus Griechenland durch unsere Köpfe. Generell haben wir eine Leidenschaft für italienischen und griechischen okkulten Metal!!!"

Wie lange kann man mit so einer Veranstaltungsreihe weitestgehend autark agieren, ohne sich zu stark abhängig von „anderen“ machen zu müssen und wo zieht ihr da die Grenze?

"Bislang können wir uns nicht beschweren. Wir haben weitestgehend ohne Sponsoren gearbeitet. Gelegentlich gab es mal Kooperationen mit Plattenlabels wie Van Records, Iron Pegasus oder früher auch Kneel Before The Masters Throne. In diesem Jahr haben wir uns mit Undercover / Evil Spell zusammen getan. Unserer Promotion ist selbst gestaltet, organisiert und finanziert. Wenn wir an einen Punkt kommen würden an dem wir nur noch in Abhängigkeit von einem „ Wohltäter “ arbeiten könnten, wäre dies das Ende von Unholy Metal Mayhem. Freiheit und Unabhängigkeit ist für uns unverzichtbar."

Was dürfen die Besucher dieses Jahr im Helvete erwarten? Rührt mal schön die Werbetrommel!

"Auch in diesem Jahr gibt es einige exklusive Bands zu sehen. Mit Denial Of God aus Dänemark spielt als Headliner einer unserer absoluten Faves aus dem Bereich Horror Metal! Da die Ghouls nur ausgewählte Shows spielen ist alleine dies schon Grund genug dabei zu sein. Aber auch das weitere Programm hat es in sich. Exclusiv aus Griechenland spielen die Black Thrasher von Slaughtered Priest. Auch diese Band bekommt man sonst nicht zu sehen. Und aus Belgien konnten wir Slaughter Messiah einladen die ein ordentliches Death Metal Brett auffahren werden. Aber auch die 6 deutschen Bands haben es in sich. Über Sulphur Aeon muss man wohl nicht mehr allzuviele Worte verlieren. Die beiden Alben der Death Metaller sprechen für sich und feiern live ihre düstere Messe. Auch Erazor braucht man mittlerweile nicht mehr vorstellen. Mit ihrem Thrashing Black Metal und Ruhrpott Flair sind sie die unumstrittenen Lokalmatadore! The Spirit sind der Geheimtipp. Sie habe im Vorjahr mit ihrem selbstfinanzierten Debütalbum ordentlich Staub aufgewirbelt und es ist gut möglich das sie in den kommenden Monaten auf deutlich grösseren Bühnen stehen werden. Das Opener Triple besteht aus Volcanic, Warlust und Abyssous. Vorsicht! Schwache Gemüter könnten danach schon der Kapitulation nah sein ;-) Und all das gibt es für 18 Euro im VVK oder für 20 Euro an der AK ( Falls es dann noch Tickets gibt ). Haltet euch ran. Der VVK endet am 15.03.2018."



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