Section: Reviews 38739Autor: Diggi
Datum: 14.01.2018
Bereich: Reviews

Die zweite Runde der Noise Lebt! Reihe steht in den Startlöchern...

The Meaning Of Life/Stone Cold Sober/Two-Faced/The Tankard

TANKARD

HORNELLA!

Nach dem enorm harten "The Morning After" folgte mit "The Meaning Of Life" eines der erfolgreichsten Alben der Hessen Thrasher im Jahre 1990. Ähnlich wie die Kollegen aus dem Pott, Sodom und Kreator entwarfen hier TANKARD endgültig ihre Erfolgsformel, die bis in den Folgejahren bis jetzt nur um Nuancen verändert wurde. Sprich: Gerre konnte seinen Gesang deutlich in Richtung "Gesang" verbessern, ohne an Rotzigkeit einzubüßen, das Songwriting war fokussierter, hektische High Speed Ausbrüche gehörten damit zwar der Vergangenheit an, aber mit 'Open All Night' 'Beermuda', 'We Are Us', 'The Meaning Of Life' und 'Space Beer' stehen absolute Klassiker auf der von Harris Johns druckvoll produzierten Rille, die über Jahre die Setlist der Band dominiert haben.

Das Cover von Herrn Krüger war anno 1990 übrigens ähnlich skandalös wie das Streichelzoo Artwork von Mortal Way Of Life von Sodom, nur das sich hier das Establishment über Johannes Paul II mit fettem Joint und diversen Lümmeltüten unter dem Kneipenhocker echauffierte. Auch ein Helmut Kohl als Kneipenleiche kam nicht so gut an. Komisch, irgendwie hat sich an der heuchlerischen Verbohrtheit in diesem Land wenig geändert. Die Scheibe war ein Mega Erfolg für TANAKRD und zeigte Sie auch lyrisch gereift, griffen die Bierfetischisten doch auch vermehrt ernstere Themen auf.

Dies sollte sich mit "Stone Cold Sober" fortsetzen, übrigens die erste Veröffentlichung von TANKARD auf CD, vielleicht verkaufte sich deshalb die Scheibe nicht so gut wie erwartet, waren CD´s doch 1992 nicht für jedermann erschwinglich.Wieder servierten die Frankfurter das was die Fans an der Band so liebten: Ein herrlich detailreiches Art Work von Sebastian Krüger, eine wieder einmal sehr drückende Produktion von Harris Johns und Musiker die sich weiterentwickelten, ohne anno 1992 ihre Thrash Metal Roots zu verleugnen. Da waren andere Spielmannszüge deutlich anders unterwegs. 'Jurisdiction' ist rasend schnell, einer der besten Songs aus der 90er Jahre Phase der Band. Grundsätzlich lebt das Album vom starkem Songwriting, weniger von klaren Hits. Vielleicht kann man in diese Kategorie den Titelsong stellen, oder die gelungene Coverversion von 'Centrefold' von der J.Geils Band. Auch diese Scheibe hatte mehr als 50 Minuten Spielzeit auf dem Tacho, genau wie der Vorgänger.

Übrigens eint beide Wiederveröffentlichung ein jeweils sehr informatives Interview mit Gerre zur Entstehung der jeweiligen Scheibe, außerdem gibt es diverse Live Bonus Stücke, die ursprünglich als Home Video erschienen sind und auf dem historischen Thrashing East Festival in Ost Berlin 1990 mitgeschnitten wurden. Sehr geil! 

"Two-Faced" war nicht nur was die Verpackung angeht eine nicht mehr auf Wein, Weib und Gesang ausgelegte Scheibe, der Opener 'Death Penalty' war ein mehr als traditioneller Thrasher, mit einem für TANAKRD Verhältnisse düsteren Vibe. Die Produktion ging um einige Jota wieder in Richtung der ersten drei Alben. Die Scheibe geht im Katalog immer ein wenig unter, das aber völlig zu Unrecht, denn TANKARD servieren auch hier ihre ganz eigene vital- erfrischende Thrash Metal Art. 'Nation Over Nation' hätte so auch von Sacred Reich stammen können; Tracks wie 'Mainhatten' oder 'Ich brauch meinen Suff' natürlich nicht. Überhaupt: Der kurze Rückfall in das Säufer Klischee wirkte hier in auf diesem Album fast schon deplatziert. Da waren dystopische, neue Töne wie 'Cyberworld' schon viel interessanter. Auch hier wird wieder ein reichhaltiges Booklet geboten, dazu 5 weitere Live Songs vom kultigen Gig anno 1990 in der Werner-Seelenbinder Halle zu Ost Berlin.

Das "hässliche Entlein" im Noise Records Katalog ist für viele das schlicht betitelte "The Tankard". Für mich war die Scheibe immer die Souls Of Black, oder South Of Heaven aus Frankfurt, denn 1995 mischten die Jungs ihrem Sound deutlich melodiösere und viel mehr Midtempo Parts unter. Der Beginn des Openers 'Grave New World' schreckte viele damals aufgrund der etwas unbeholfenen Art und Weise ab, entwickelt mit zunehmender Spielzeit aber die gewohnte Durchschlagskraft der Band. Warum nicht mal wieder den fast Power Metal-artigen Song 'Minds On The Moon' entstauben? Nach all den Jahren haben auch diese Stücke ihren Reiz und zeigen eine mittlerweile fest etablierte Band, die sich dann doch immer mehr nach links und rechts umdreht, die Thrash Szene hatte sich weltweit radikal verändert, so stark, das Ende der 90er Jahre schon eine weitere junge Generation die Saiten-Äxte zückte, um den satten Stars in den Arsch zu treten. TANKARD zählten nicht zu den satten Stars, denn die Musiker waren schon lange an ein Doppelleben von Alltag und Job und Urlaub und Tour gewohnt. Auch so schleppend beginnende Stücke wie 'Mess In The West' kann man ruhig mal wieder auf die Bühne bringen, die Gitarrenarbeit ist der Hammer, die Mundharmonika ebenfalls!

Als Bonus gibt es die gesamte "Aufgetankt" Scheibe spendiert, auf der TANKARD zwischen NDW und Deutschem Pop Punk a la Die Ärzte und Die Toten Hosen pendeln. Die Songs machen Laune, denn das klingt alles mehr nach punkigem Thrash als nach Schlager Anbiederei.

TANKARD haben auch nach 1995 weitergemacht, Sachen wie "Disco Destroyer" sollten unbedingt von Euch wieder oder neu entdeckt werden. Vom aktuellen Machtwerk "One Foot In The Grave" ganz zu schweigen. Die Jungs sind eine der sympathischsten Thrash Metal Bands ever!

Diese besprochenen Alben sind natürlich essentiell im europäischen Thrash Metal Kanon und sollten ab dem 26.01.2018 von euch gierig abgegriffen werden!

Erscheinen über Noise/BMG.     



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