Section: Interviews 38587Autor: Diggi
Datum: 30.12.2017
Bereich: Interviews

Gummi zu einem außergwöhnlichen Album bei uns im Gespräch

Modurastin

KATLA

1) Gummi, zunächst einmal Glückwunsch zu diesem wirklich wunderbaren Album. Lass uns doch gerade aufgrund der Außergewöhnlichkeit der Scheibe auch die standardisierten Promo Fragen außen vor lassen. Das Artwork, die Texte, die Musik, das Cover, der Titel, der Bandname, alles scheint eine Entität zu sein….

G: „Vielen Dank erstmal! Wir freuen uns sehr das das bei Dir so ankommt, denn genau so haben wir es auch erdacht. Wir haben es bereits in anderen Interviews erwähnt: Wir fühlen Katla. Es ist eine Art Kunstprojekt, weniger eine Band im herkömmlichen Sinne. Bands treffen sich im Proberaum zu festen Zeiten und der Fokus besteht dort auf das „Musik machen“. Für uns haben gerade die Texte – die niemand versteht hahaha- und die Fotografien im Booklet, die handgeschriebenen Lyrics denselben hohen Stellenwert wie die Musik selbst. Die Musik steht in direkter Verbindung mit den Texten, die Texte stehen in Verbindung mit den Fotos, Die Fotos stehen in Verbindung zum Titel und der Titel führt wieder zur Musik. So ist alles mit einander verbunden.“

2) Übersetzt bedeutet der Albumtitel so viel wie Mutterliebe. Ein unheimlich starkes Wort. Ein starkes Wort für die Heimat der beiden Musiker, für die Insel? Für die Musik?

G: „In der Tat, ein starkes Wort. Aber noch stärker wie das Wort ist das Gefühl an sich. Der Albumtitel kann sich auf unheimlich viel beziehen. Es könnte auch die Liebe zur Mutter Natur sein, oder zu deinem Mutterland. Der Text zu diesem Stück ist allerdings von viel dunklerer Natur. Als mein drittes Kind geboren wurde,   stellte ich wieder fest, wie stark der Bund von der Mutter zum Kind ist. Sorry, aber diese Verbindung ist tiefer als die die ein Vater zu seinem Nachwuchs haben kann. Das brachte mich auf die Geschichten, dass Neugeborene von armen Bauernhelfern vor langer Zeit von ihren eigenen Müttern in der Wildnis ausgesetzt wurden.  Sie taten das, weil es verboten war, außerhalb der Ehe Kinder zu gebären.  Diese verarmten Erntehelfer konnten sich keine eigenen Hof leisten, somit durften Sie auch nicht heiraten. Das kann man auch Sklaverei nennen. Wenn das keine starken Gefühle in einem auslöst, was dann? Man stelle sich diesen Wahnsinn mal vor, der bis in das 19te Jahrhundet auf Island praktiziert wurde, mal vor!“

3) Gehen wir ein letztes Mal noch einmal zum Thema Namen zurück: „Katla“ ist ein Vulkan, richtig? Der perfekte Name für diese Band? Ich vermute mal das nicht all deine Emotionen der letzten 2 Jahre von ruhiger und ausgeglichener Natur waren? Ist die nun entstandene Musik ein ausbrechender Vulkan?

G: „ Wir sehen Musik und Kunst immer als Mittel zum Zweck, Emotionen auszudrücken. Ohne Emotionen kann keine Kunst entstehen. Wir fühlen uns dieser Dualität des Vulkans sehr verbunden. Er ist destruktiv, hat aber auch unsere Atmosphäre mit erschaffen. Die Asche eines Vulkans ist lebenspendender Stoff für Pflanzen und Bäume, auf der anderen Seite sind Lavafelder lebensfeindliche Landschaften.“

4) Mit eurer Musik erschafft ihr ebenfalls Landschaften, einer von vielen Höhepunkten auf der Scheibe sind die harschen Black Metal Ausbrüche..

G: „ Wir haben beide einen Black Metal Hintergrund. Tatsächlich haben wir damals auch das erste isländische Black Metal Album aufgenommen,  „Bálsýn“ von der Band Potentiam. Es war für uns sehr natürlich zu diesem gemeinsamen Ausgangspunkt wieder zurückzukehren.  Wir wollten uns komplett von irgendwelchen einfachen „Pop Ambitionen“ befreien. Übrigens: Das nächste Album wird definitiv heavier, ihr lest es hier als erste!“

5) Im Gegensatz zur Liebe zur Natur und der heimischen Umgebung gibt es auf dem Album aber auch Gefühle von Angst, Hoffnungslosigkeit….Wieder die Dualität der Natur?

G: „Exakt! Die Natur ist nicht immer so toll. Der Tod triumphiert über das Leben, darauf folgend findet das Leben immer wieder einen Weg zurückzukehren. Der Kreislauf.“

6) Wieviel Austausch, Interaktion, Erfahrung mit den Menschen eurer direkten Umwelt, oder mit den Einheimischen generell steckt in dem ein oder anderen Song?

G: „ Schon eine Menge. Jede Generation, die diese Insel bevölkert hat und wird, hat mit der Natur zu kämpfen, muss für ihr Überleben kämpfen. Aber: So schnell wie jetzt hat sich die Welt vorher nie verändert. Wir leben in einer völlig anderen Welt als unsere Eltern, geschweige denn unsere Großeltern und unsere Kinder wachsen ebenfalls in einer sich ständig ändernden Welt auf.“

7) Bitte erzähl uns was zum Artwork der Scheibe!

G: „ Als ich den Titel für das Album parat hatte, kontaktierte ich sofort Einar. Ich dachte, das Er den Titel nicht sonderlich mögen wurde, aber das war nicht der Fall. Mit diesem Wort erinnerte ich mich auch an eine kleine Fotosession die ich 2 Jahre zuvor mit meiner Freundin durchgeführt hatte.  Der Cahrakter dieser Bilder würde perfekt dieses starke Wort reflektieren, würde wunderbar die Stimmung der Musik wiedergeben.  Wieder kontaktierte ich Einar und wieder dachte ich das er davon nicht sonderlich begeistert sein würde, frei dem Motto :Komm schon Gummi, das soll das Cover werden damit deine Freudin auf dem Cover ist….. Nein, zum Glück fand Er meinen Vorschlag ebenso passend. Ich verwendete damals alte Polaroid Filme.“

8) KATLA sind im Kern Du und Einar. Habt Ihr schon einmal über den Live Aspekt eurer Musik nachgedacht?

G: „ Wir habe diesbezüglich keine Pläne, grundsätzlich sollte man aber niemals Nie sagen…“

 9) Bitte benenne einige Gefühle die dich jetzt überkommen, wenn du an die Entwicklung der Musik bis hierhin zurück denkst..

G: „ Auf jeden Fall Stolz. Stolz auf das was wir erreicht haben, wir haben etwas erschaffen das bleiben wird, etwas das für sich selbst spricht.“

Danke, Gummi für die Zeit!

G: „ Dankeschön!“



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