Section: Interviews 37856Autor: Diggi
Datum: 21.10.2017
Bereich: Interviews

Benjamin König und Clemens Kerner hat sich die Zeit genommen....

Sammler

BALD ANDERS

1) Hallo BALD ANDERS. Die Frage bleibt Euch leider nicht erspart: Wie, Wer und Wann kam die Idee zu diesem einzigartigen Konzeptgedanken zu BALD ANDERS auf? Wer lieferte die Initialzündung? Wann war für Euch klar, wie das Album aussehen und vor allem klingen wird?

 

Benjamin: Es gab von Anfang an keine Initialzündung oder Gedanken über das Konzept. Wir wollten einfach Musik machen. Das war alles. Wir haben uns nicht darüber unterhalten, wie wir klingen wollen, sondern einfach mal drauflos gespielt. Nachdem dann ein paar Lieder entstanden waren, merkten wir, dass eine recht große Bandbreite an Stilen vor uns liegt. Das ergab sich einfach aus unserer freien Herangehensweise. Der eine kommt mit dieser Melodie, der andere kommt mit jener Idee, ein anderer spielt das dann aber wieder auf seine Weise... und so fügen sich die Strukturen zu einem bunten Gemisch. Um so schwieriger war es, dafür einen Bandnamen zu finden, der das alles irgendwie in einen Rahmen fasst. BALD ANDERS ergab sich dann fast von selbst. Nomen est omen.

Wie unser erstes Album dann klingen wird, war uns auch während der Studioarbeit nur grob klar. Zum Glück hatten wir im FORESTER RECORDING STUDIO einen sehr einfühlsamen und offenen Menschen an den Reglern, der uns mit ruhiger Hand durch die ganzen Wirren geleitet hat. An dieser Stelle ein großes DANKE! an Max, dessen Studio wir nur wärmstens empfehlen können.

 

2) Nach den ersten Höreindrücken deutete ich den Bandnamen als "weise Voraussicht", dass man nach intensivem Genuss sehr "Bald Anders" sein wird... aus Hörersicht...

 

Benjamin: Ich hoffe nicht, dass der Hörer nach dem Genuss des Albums bald anders sein wird. Es gibt keine heimlichen Rückwärtsbotschaften und keine sonstigen Stimulanzien. Nur ehrliche Musik.

Clemens: Jedes neue Album, das man kennenlernt und ins Herz schließt, bereichert und verändert einen ein bisschen, so geht es mir. Wenn es einen neuen Ein- oder Abdruck hinterlässt, ist das gut so. Solange dich dein Umfeld hinterher noch wiedererkennt

 

3) Waren es nie zu Ende geträumte Kind- und oder Jugendprojekte, Themen von Autoren wie O. Preußler zu vertonen?

 

Benjamin: Es sind einfach Geschichten, die ihre Spuren in der Kindheit/Jugend gesetzt haben und zumindest bei mir eine gewisse Assoziation und Stimmung hinterlassen. Das geht in tiefere Schichten und kommt dann wieder hervor, wenn man an einem Lied sitzt und dabei sowieso tiefer gräbt. Man stößt mit der Schaufel sozusagen auf ein paar Wurzeln, die nach wie vor das Heute nähren. Aber Preußler ist jetzt nicht der Aufhänger schlechthin, sondern wir haben auch genug persönliche, freie Texte und Themen.

 

4) Kraut und Rübenrock ist mehr als eine passende Umschreibung für die Musik auf "Sammler". Trotzdem findet auch viel Metal auf dem Album statt. Wie haben sich die Songs und die Musik entwickelt? Hat sich die Findung des Stils auch an den Musikern "abgearbeitet", oder war es nach Eurer musikalischen Vergangenheit regelrecht "befreiend", den "Sammler" zu erschaffen?

 

Benjamin: Wie gesagt, wir haben uns keine Gedanken über unsere Musik gemacht, sondern einfach mal losgelegt. Was man vorher für Musik gemacht hatte, spielte dabei keine große Rolle. Weder wollte man sich stilistisch befreien, noch in irgendeiner Form etwas nachholen oder aufarbeiten. BALD ANDERS steht völlig losgelöst da. Der Begriff "Kraut & Rübenrock" entstand allerdings nur aus einem Spaß heraus. Leider wurde er zu einem Selbstläufer. Man hatte uns immer wieder gefragt, was wir für Musik machen und weil wir keine passende Antwort darauf hatten, kam irgendwann mal dieser Begriff auf. Es ist verständlich, wenn Leute was Griffiges brauchen, um eine Zuordung zu einem Genre zu finden, aber so ganz können wir damit leider nicht dienen.

 

5) Wer ist der Sammler?

 

Benjamin: Der Sammler - also die Gestalt auf unserem Albumcover - repräsentiert in gewisser Form den bedächtigen Geist, der unermüdlich all die Dinge sammelt, die vergangen sind, aber eine Spur hinterlassen haben. Er spießt das Laub auf, was symbolisch für "das Alte" steht. Ehemals war es grün, hat wiederum für sich Sonnenlicht gesammelt und daraus Nahrung, Luft und Fülle generiert. Der "Sammler" vergisst nichts, alles wird gespeichert, alles wird in seiner Wertigkeit wahrgenommen. Zugleich ist der Begriff "Sammler" aber auch sehr passend für die Vielfältigkeit unserer Lieder, die sich auf dem Album versammeln. Was für eine gekonnte Doppeldeutigkeit, was?!

 

6) Wenn ich das Album mit einer Jahreszeit vergleichen sollte, dann mit dem Herbst. Gerade jetzt, in diesen Tagen, wirkt die Musik noch intensiver...

 

Benjamin: Sehe ich genauso. Das ist ein "Herbstalbum". Passend zum "Sammler" und der ganzen Gestaltung. Gegen Ende des Jahres wird zusammen gesammelt, was das Jahr/Leben geboten hat. "Philosophisch" gesagt.

Clemens: Da kann ich zustimmen, es ist kein klassischer Sunshine-Reggae. Ein etwas düsterer, gemächlicher Herbst mit holzigen Farben, in dem auch mal ein Regenschirm einer Windböe zum Opfer fällt, passt da schon gut.

 

7) Habt Ihr das Album für Euch geschrieben, oder hattet Ihr auch potentielle Rezipienten im Sinn, während die Musik entstanden ist?

 

Benjamin: Ich denke, wenn man an ein Lied geht - und dabei nicht eine bestimmte Person adressieren möchte - verwendet man keinen Gedanken an eine bestimmte Hörerschaft. Zumindest geht das uns so. Kurz gesagt: Die Außenwelt ist uns im Proberaum egal. Und manchmal nicht nur im Proberaum...
Clemens:  Erst gestern hatte ich das Thema zufällig und die Wahrheit ist: Mann macht es erstmal einfach nur für sich selbst, zum Spaß, weil es geht. Weil wir einen Proberaum haben, in dem wir uns einmal in der Woche treffen und man gut miteinander auskommt. Dabei spielen die möglichen Rezipienten des musikalischen Endergebnisses keine Rolle. Als das Album Gestalt annahm, fragten wir uns natürlich schon: Wer eigentlich?

 

8) "Sammler" ist nun schon etwas länger draussen. Hat Euch das Album nun mehr im Nachgang im Sinne der Reflexion verändert, oder mehr während der Aufnahmen?

 

Benjamin: Naja, das Album ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal 7 Wochen auf dem Markt. Da läßt sich für's Erste noch nicht ein umfassendes Resüme ziehen. Und was die Reflexion anbelangt, so passiert diese schon recht am Anfang, wenn man an ein neues Lied geht. Alles, was darauf folgt, bis hin zu den fertigen Aufnahmen, ist eine Verfeinerung, bei der man allerdings nicht jeden Moment darüber nachdenkt, was das jetzt mit einem macht. Da käme man ja nicht mehr zum Musik machen, sondern wir könnten einen wöchentlichen Denker-Kreis einberufen, um unser Qi und unsere Befindlichkeiten zu besprechen.

 

Was plant Ihr in der Zukunft mit BALD ANDERS?

 

Benjamin: Ein neues Album. Und zudem arbeiten wir daran, auch mal für die Bühne fit zu sein.

Vielen Dank für die Zeit!

Wir danken!

 

 

 



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