Section: Reviews 36988Autor: Diggi
Datum: 12.08.2017
Bereich: Reviews

Was für ein harter Brocken....

Ave

VENOM INC.

HORNELLA!

Die Vorfreude auf dieses Album war nicht nur bei mir riesig. 2/3 der klassischen Venom Besetzung inklusive des Interims Sängers Tony Dolan (1989-1992) entfachten mit umjubelten Old School Gigs aber auch gehörig Euphorie. Nun arbeite ich mich schon geraume Zeit an diesem Debüt der VENOM INC Truppe ab. Zunächst einmal ändern die drei englischen Rabauken nichts an meiner Abneigung gegen diese ganzen Parallelbands, egal ob nun Queensryche, Ratt, Great White und was weiß ich....

Einzig und allein ein über alle Maße überzeugendes und über alle Zweifel erhabenes Album würde VENOM INC da aus dem Marketing Zwielicht holen. Die markigen Spitzen in Richtung Cronos von Tony Dolan in diversen Interviews zeugen jedenfalls von einem gesunden Selbstbewusstsein. Der Opener 'Ave Satanas' hat dann auch ziemlich stolze 8 Minuten inklusive Deibel-Monolog auf dem Tacho und erinnert verdammt stark an das "Prime Evil" Album, den Einstand von Tony mit Venom. Das muss nicht schlecht sein, denn der Midtempo Stampfer hat durchaus seine Reize. Aber: Was auch im weiteren Verlauf des Albums den folgenden Songs nicht zum Vorteil gereicht werden kann: Die Jungs ziehen viele Songs unnötig in die Länge, das hemmt den Energiefluß und bremst die Dramaturgie, wie das dann im Live Setting wirkt, bleibt abzuwarten.

'Forged In Hell' bietet dann wunderbares Welcome To Hell Feeling, natürlich sauber produziert und auch mit einem unüberhörbaren Hard Rock Einschlag von Mantas. Trotzdem ist das Stück irgendwie cool, erinnert es doch sehr an die großen Live Video Exzesse von Venom.... 'Metal We Bleed' klingt nicht nur sehr nach Spandex und Eierkneifergesang, der Anfang könnte auch glatt von Primal Fear und Konsorten sein. Ich stehe schon auf Primal Fear, aber musikalisch kann ich damit wenig auf einem Album anfangen, auf dem ein VENOM INC Logo prangt. 
'Dein Fleisch' sollte schon bekannt sein und ist 7 Minuten lang ziemlich durschnittlicher Melodic Thrash mit Rammstein Riffing...und das kohärent nicht gerade prickelnd umgesetzt. Dann wird es fast schon tragisch: 'Blood Stained' ist dann echt belangloses hin und her Geriffe, das ganze Stück wirkt unfertig, der Stakkato Gesang ist dazu ziemlich flach.

Ein Killer Riff eröffnet dann aber 'Time To Die', dsa Gaspedal wird von Abaddon amtlich durchgedrückt und heraus kommt ein sehr brauchbarer Punk-Thrasher! 'The Evil Dead' beginnt mit seeligem Acid Queen oder Die Hard Riffing. Es scheint als wenn VENOM INC im letzten Album Drittel das Ruder rum reißen! Den Hörer freut es und der Fuß wippt artig im flotten Aufgalopp mit. Es wird aber noch besser: 'Preacher Man' ist ein groovendes, fieses Stück Edelstahl, zwar auch mit relative modernem Duktus, aber irgendwie ist das die beste Symbiose aus dem Gegenwart-Ansatz der drei und dem Larger-Than-Life- Erbe, welches VENOM INC ja dann doch irgendwie mitverwalten. Ein Song der irgendwie wie ein modernes Buried Alive daher kommt...

'War' ist rüpelig, direkt. Ja, das macht Spass! Mit 'I Kneel To No God' wollen VENOM INC sicherlich ihren persönlichen Stinkefinger vertonen, aber hier verheben sich die Mucker wieder einmal mit der Spielzeit. Für kanpp über 6 Minuten passiert da dann doch zu wenig. Der Schluss ist dann wohl ein offenes Ende, denn 'Black`N`Roll' startet am Vier Saiter wie eine Verbeugung Richtung Ian Frasier, kulminiert dann in einen flotten Double Bass Rocker, der tatsächlich an die harten Stücke von Motörhead aus der Phase mit Cameron Webb als Produzent erinnert.

"Ave" ist ein Album das leider nicht die letzten, auch nicht unantastbaren Alben des Ex Kollegen und Inhaber des Venom Namens, Cronos mal eben pulverisiert. Dafür hat das Album einfach zu wenig echte Killer am Start, die den Fan von Vorne bis Hinten einfach nur ausrasten lassen. Sicherlich, es gibt einige richtig gute Songs auf dem Album, vieles würde aber, wenn es sich hier um ein Debüt von echten Newbies handeln würde einfach nur als guter Durchschnitt gehandelt. 

Die Zeit wird zeigen, was aus diesem Album, das mit einem sehr sympathischen Sound versehen wurde, wird. Es ist auf der einen Seite keine totale Enttäuschung, aber eben auch nicht ein Befreiungsschlag von ehemaligen Bandmitgliedern, die ihrem ehemaligen Vorturner mal so richtig einen vor den Koffer scheissen wollen.

6 Points. Erschienen über Nuclear Blast.

 



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