Section: Interviews 36273Autor: Diggi
Datum: 15.05.2017
Bereich: Interviews

John vor dem Gig im turock im Interview!

WARBRINGER

Am 30.04. waren Gersi, Bolle und ich im turock zu Essen, um einen grandiosen Thrash Abend zu genießen. Kurz bevor die Türen für die Thrasher Meute geöffnet wurden, hatten wir die Möglichkeit mit Warbringer Mastermind und Sänger John Kevill zu sprechen. Trotz der kurzen Zeit, die uns dann zur Verfügung stand, begeisterte der Sänger mit seinem Enthusiasmus und seinem unbändigen Willen WARBRINGER voran zu treiben. Ein echter 24/7 Lunatic.

D: John, in einem deutschen Printmagazin hast Du deinem Ärger über die mediale Aufbereitung/Berichterstattung zu den etablierten Thrash Acts versus Bands wie Warbringer Luft gemacht, die nun auch seit Jahren kontinuierlich Alben veröffentlichen und einen eigenen Stil entwickelt haben.

J: Ja genau, ich halte das für Nonsens, das die Bands der –sagen wir mal jüngeren Generation – immer und immer wieder mit Alben von Bands verglichen werden die 20 oder 30 Jahre alt sind. Es gibt eine ganze Armada von Journalisten, die zwar über die neuen Thrash Metal Bands berichten, aber deren Alben immer wieder mit den Klassikern vergleichen. Schau mal Overkill z.B. haben jetzt zum vierten Mal hintereinander das gleiche Album veröffentlicht.

D: Also langweilt das?

J: Es sind  ja immer noch individuelle Alben der jeweiligen Bands und ich bin auch nicht der, der Interviews dazu nutzen möchte, um andere Bands schlecht zu reden. Es geht halt um den Ist Zustand und da spreche ich als Fan und das enttäuscht mich dann schon. Die Szene, die Presse kann natürlich sagen: Hey, Ihr werdet nie so groß wie Overkill oder werdet deren Stellenwert einmal haben. Das ist Ok, aber wir haben jetzt ein Album draußen, das einfach viel stärker ist, als was viele dieser Bands zuletzt veröffentlicht haben. Die letzte Metallica? Hätten Havok oder WARBRINGER  „Hardwired…“ veröffentlicht, man hätte uns verrissen! Oder „St.Anger“ …. Das würde unser aller Karriere Ende bedeuten. Wir müssen Alben machen, die sackstark sind um uns durchsetzen zu können. Lars Ulrich könnte nicht das Material von „Woe To The Vanguished“  angemessen präsentieren. Nun, vielleicht ‚Remain Violent‘. Heavy Metal ist eben nicht nur die glorreiche Vergangenheit.  Wir haben das Glück und auch die Verantwortung mit guten Musikern und starken Songs diese Musik auch im Hier und Jetzt zu repräsentieren. (Zeigt auf meinen alten Sepultura Schriftzug) Ich denke über diese Band wohl ähnlich wie Du, die waren mal relevant. Ich denke nicht das es z.B. ein Zufall ist, das mit dem größer werden von Bands wie Municipal Waste, oder Havok oder Warbringer die großen Bands sich wieder vermehrt auf ihre Wurzeln bezogen haben, eben weil Sie realisiert haben: Hey, diese jungen Typen sind hungrig und richtig gut. Jetzt müssen wir aber mal so langsam wieder Gas geben. Auf dem Markt gibt es genug Platz für diese nächste Generation. Jede unsere Platten seit 2008, kann es in Sachen Härte und Authentizität mit den Alben der großen Bands aufnehmen. WARBRINGER haben schon immer Ihr eigenes Ding durchgezogen, das fängt schon bei der Art und Weise wie Songs geschrieben werden an. Wir haben uns nie an die 80er Jahre in Sachen Songaufbau gehalten. Solo Break Riff usw…Wir sind nicht die einzige Thrash Metal Band, aber wenn jede neue Band einfach nur kopiert, dann haben wir eine Generika Szene. Man kann origenell und Hart sein, ohne berechenbar zu klingen. Nach unserem Debüt haben wir kein Old School Album mehr aufgenommen, da waren wir 19 Jahre alt. Ich möchte auf diesen, sagen wir mal Vorwurf hier auch noch einmal eingehen, nämlich das WARBRINGER eine eindimensionale Band wären.

D: Das ist totaler Unsinn und zeigt, dass sich manche Kollegen einfach nicht intensiv genug mit Alben auseinandersetzen, weil Sie einfach zu viel auf dem Tisch haben. Totaler Quatsch.

J: Ja,genau, das ist Unsinn. Auf „Empires Collapse“  haben wir mit 5 verschiedenen  Genres experimentiert. Auf unserem neuen Album haben wir einen 11 Minuten langen Song, den wir so noch nie vorher auf irgendeinem Album von uns hatten. Also gehen wir keine Risiken ein, wie manche behaupten? Das ist Schwachsinn. Das regt mich auf, denn ich mache jetzt auch seit 10 Jahren Alben und Touren. Wir sind eine Metal Band und sollten dann auch diese Unterstützung bekommen. Es gibt das z.B. Metal Bands die keine seien wollen, wie z.B. Mastodon. Da stellt sich jemand hin und will auf einmal keine Metal Band mehr sein, nimmt aber den Rückhalt, die Unterstützung der Fans gerne mit, somit auch die Unterstützung der Metal Presse. Ist doch irgendwie komisch, oder? Oder Ghost. Das sind Pop Songs mit diesem Satan Zirkus drum herum. Das ist reiner Comic Style.  Heavy Metal ist keine Beavies & Butthead Lachnummer. Heavy Metal ist Kunst. Deshalb bin auch so stolz auf die neue Platte.

D: Euer Debüt war eine rohe, ungehobelte, extreme Platte und erinnerte mich sehr vom Duktus her an Demolition Hammer. Direkt mit dem Nachfolger hörten sich WARBRINGER plötzlich ganz anders an. Viel drückender, sagen wir mal, das charmant chaotische ist einer mächtigen Präzision gewichen. War das im Rückblick so gewollt?

J: Nein, eigentlich nicht. Vieles hat auch mit den damals beteiligten Musikern zu tun. Auf dem Debüt hatten wir einen Drummer, der nun nicht der allerbeste war. So war das halt. Mit dem zweiten Album konnten wir viel präziser spielen und somit auch einen besseren Sound präsentieren.  Dieses ungehobelte war einfach auch dem damaligen Status Quo der Band geschuldet. Viele monieren zu polierte, perfekte Produktion. Klar, die Leute mögen „Kill em All“, „Sentenced To Death“ oder „Endless Pain“. Die Alben klingen aber auch so wie sie klingen, weil dort blutjunge Musiker versucht haben so schnell und hart wie nur möglich zu spielen. Nach „War Without End“ waren wir lange auf Tour, das hat den musikalischen Fähigkeiten verdammt gut getan! Wenn jetzt z.B. eine Band ein Album extra auf Low-Fi machen will, dann ist das für mich eher eine Punk Rock Attitüde und hat nichts mit Metal zu tun, wo man doch darauf bedacht ist, sich als Musiker auch weiter zu entwickeln.

Ich will dass sich Highspeed Sachen auch richtig gut anhören, richtig fett klingen. Ich bin allerdings gegen eine Fanverarsche, wenn Bands Sachen im Studio glatt ziehen, oder gar generieren, was sie Live nicht umsetzen können.

D: John, danke für die Zeit, auch wenn wir schon längst hätten fertig sein müssen (Wir wurden zweimal freundlichtst darauf hingewiesen, dass das turock öffnen will…. Aber  John hat das überhaupt nicht aus dem Konzept gebracht und hat sich weiter sehr ausführlich den Fragen gestellt)

 

 



.


^^^ BACK TO TOP ^^^
© 1998-2012 by www.Heavy-Metal.de