Section: Interviews 36074Autor: Diggi
Datum: 27.04.2017
Bereich: Interviews

Was der Fuzz mit einem Trio so macht.....

BONE MAN

1)Wie kommt man als Trio auf einen solch kruden, schroffen, aber auch einzigartigen Sound? Da haben sich wohl die drei richtigen gefunden?

Marian: Ja, auch wenn die drei Mitglieder der Band auf jeden Fall recht unterschiedliche Charaktere sind, zeichnet sie doch eine Zuneigung zu jugendlich-aggressiver künstlerischer Auslebung, möglicherweise eine gewisse soziale Antihaltung, der man mithilfe von viel Fuzz versucht hat, musikalisch Ausdruck zu verleihen.

2)Sehr prominent ist für mich beim  Erstkontakt der New-Model-Army-Einfluss bei einigen Songs bei Euch, wohingegen andere Stücke wieder völlig ohne diese herrliche Folk/Punk-Patina auskommen… Wie seht Ihr das, bzw. bemerkt ihr die teilweise doch großen Unterschiede auf dem Album?

Marian: Persönlich kenne ich nichts von New Model Army, aber der Folk stellt in jedem Fall eine meiner heimlichen Liebschaften dar. Wichtig ist uns tatsächlich, dass man möglichst verschiedene musikalische Schemata versucht, anzuschneiden (so weit das einer Dreimann-Rockcombo möglich ist), bzw. versucht, klassische Songstrukturen etwas zu durchbrechen.

3)Woher kommt Ihr musikalisch? Hin und wieder lugt auch noch der Desert-Rock bei Euch durch, oder?

Marian: Ja, wobei das hoffentlich nur ein gewisser Anteil ist. Wir sind fast unbewusst in die Stoner-Rock-Schublade gefallen, die uns wohl am ehesten noch durch die Psychedelic-Anleihen entspricht. Arne (der Bassist) hat eigentlich ein Punkherz, Ötzi einen Skatepunkhintergrund, während ich eher mit Folk und historischer Musik aufgewachsen bin – am Ende haben wir uns gemeinsam bei 70s-Psychedelic-Rock und Grunge getroffen.

4)Gratulation zu der wunderbar erdigen Produktion! Eine Major-Label-Fließband-Produktion würde auch definitiv nicht zu BONE MAN passen. Lebt Ihr eure musikalische Authentizität auch im Mix und Mastering aus?

Marian: Nur zum Teil bewusst. Die Hauptidee ist eigentlich, den Livesound relativ authentisch einzufangen, der zweifellos von Feedback, Fuzz und Schlagzeuggeprügel geprägt ist, und eine Überproduktion im Studio durch allzuviele Overdubs zu vermeiden. Das haben wir dann mit unserem Aufnahmemeister Manos relativ problemlos umgesetzt, indem wir fast alles live am Stück eingespielt haben – also eine Gitarre, ein Bass, ein Schlagzeug, ein Gesang, mit nur dezenten Overdubs.

5)Die Welt braucht Bands wie BONE MAN, auch wenn der sog. Vintage-Rock-Boom die Rock-Musiklandschaft ein wenig zu den Basics geführt hat, scheint eine „Gegenkultur“ zum Mainstream heute wichtiger denn je. Wie seht Ihr das?

Marian: Es ist auf jeden Fall künstlerisch wichtig, sich gelegentlich neu zu erfinden und möglicherweise auch Hörer mal abzuschrecken oder zumindest zu überraschen. Musik oder Kunst im Allgemeinen, die immer nur gefallen will, ist ohne Zweifel eine sehr langweilige Kunst. Im großen Rahmen wird natürlich der künstlerische Mainstream immer Subkulturen/Musikgenres aufsaugen, die ursprünglich als dedizierte Gegenbewegung gedacht waren (z.b. die frühe Rockmusik, später diverse Metalspielarten, etc.pp.), aber man kann ja versuchen, seinen kleinen Teil zur Existenz widerborstiger Musik beizutragen.



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