Section: Interviews 35565Autor: Diggi
Datum: 14.03.2017
Bereich: Interviews

Über Mozart und Beethoven...

Aathma

PERSEFONE

„Aathma“ ist ein absoluter Gourmethappen in Sachen Modern Progressive Metal. Nicht nur bei uns sahnte die Scheibe erstklassige Benotungen ab. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dem kryptisch betitelten Album?

„Vielen Dank für die netten Worte. Nun, „Aathma“ bedeutet auf Sanskrit so etwas wie Seele. Als wir mit dem Schreiben für das Album begannen, zeichnete sich bereits ab, das es sich um den thematischen Überbau der Seele handeln wird. Während unserer Recherchen rund um die Thematik sind wir dann auf diesen Begriff gestoßen und Er gefiel uns allen. Der Klang und die tiefe Bedetung des Wortes passten einfach perfekt.“

Das Titelstück ist nicht nur ein Magnus Opus, es ist auch noch in Vier Teile unterteilt. Was waren hierzu die Bewegründe?

„ Dafür gibt es einige Gründe. Zunächst ist das Titelstück so etwas wie ein Resümee und rundet das Gesamtkonzept sozusagen ab. Der andere Gedanke hinter der Aufteilung ist, das wir verschiedene Stimmungen einfach noch besser herausarbeiten konnten. Von ambient-artigen Passagen bis hin zur harten Metal Attacke, kann der Hörer sich die Parts frei wählen.“

PERSEFONE haben „Aathma“  wie bereits den Vorgänger „Spiritual Migration“ von einem kongenialen Artwork des nicht minder genialen Travis Smith endveredeln lassen. Wieviel künstlerische Freiheit hatte Travis?

„ Die Zusammenarbeit mit Travis ist immer wieder einabsolutes Vergnügen, das war auch schon bei „Spiritual Migration“ der Fall. Er fragt uns in der Regel nach einem Leitthema, dann arbeitet Er das aus, hier geschieht dann immer wieder aufs Neue etwas Magisches. Wieder waren wir von dem Resultat absolut begeistert und überrascht. Am Ende sieht es immer um Längen besser aus, es geht dann höchstens noch um Kleinigkeiten. Unsere Zusammenarbeit verläuft grundsätzlich aber immer relativ fix.“

PERSEFONE haben sich seit dem „Shin-Ken“ Album enorm schnell weiterentwickelt. Besonders gravierend ist das in der Aufteilung der Melo Death Elemente versus Harmonien und Melodien zu beobachten.

„Wenn wir neue Musik komponieren, reflektiert Sie immer unsere Stimmungen, unsere derzeitigen Lebensumstände und unsere Sicht auf bestimmte Dinge. All diese Faktoren gehen 1:1 in die Musik über. Bei „Spiritual Migration“ waren wir einfach anders drauf, um es auf den Punkt zu bringen. Wir standen voll auf das „Over The Top“ Ding und die Momente auf dem Album die dich an die Wand nageln. Diesmal wollten wir ein kohärentes Stimmungsbild realisieren, Strukturen erschaffen, die aber auch durchaus auf den ersten Hör chaotisch erscheinen können. Wenn man sich aber intensiver mit dem neuen Material beschäftigt, wird man schnell feststellen, dass all diese Stimmungen ein großes Ganzes bilden. Um das Konzept von „Aathma“ musikalisch abzubilden, waren mehr Harmonien und Melodien die richtige Wahl.“

Ist das nicht der berühmte Ritt auf der Rasierklinge? Progressive Metal melodisch zu gestalten, ohne cheesy zu sein, oder direkt im Mainstream zu enden?

„Hmm….Ich glaube wir sehen unsere Musik aus einem anderen Blickwinkel. Wir sehen uns in erster Linie nicht dem progressiven Weg verpflichtet. Außerdem versuchen wir nie dass eine mehr oder das andere mehr progressiv klingen zu lassen, oder dunkler, oder lauter. Es geht immer nur darum wonach der Song verlangt. Am Ende des Tages muss jeder Part unseren Vorstellungen und Ansprüchen genügen. Wir wollen als Band jedes Element eines Songs am Ende mögen, es darf nichts grundlos erscheinen. Auf „Aathma“ gibt es kein Füllmaterial. Alles steht so auf dem Album, weil es so sein muss.“

Im April ist die Band aus Andorra auch in Deutschland unterwegs, um den Songs des Überalbums auf der Bühne Leben einzuhauchen. Mit welchen Gedanken geht die Band an dieses Thema heran?

„Die Stücke leben von ihrer spirituellen Ausrichtung, also gibt es da schon einen Nebeneffekt. Wenn Du ein Stück spielst, der Text ist nur eine Story für sich, dann ist das für den Moment OK. Wenn Du aber so etwas wie „…I transcend, I flow, I am the Ocean…” dann passiert da schon mehr in einem. Das multipliziert sich natürlich, wenn die Zuschauer noch mitsingen. Dann ergibt alles einen Sinn, der Kreis schließt sich. Dann ist es wirklich groß!“

Seit Ihr manchmal nicht selbst obgleich des hohen Qualitätslevel, das Bands wie Haken, Intronaut oder Ihr in relativ kurzer Zeit etabliert habt?

„ Der Standard der Technik und Inspiration ist zur Zeit wirklich hoch. Vielleicht liegt das auch an der Anzahl an Kanälen, aus denen man Informationen beziehen kann. Eine Entwicklung, die so niemand vorher sehen konnte. Du kannst Musik vom anderen Ende der Welt sofort hören und dich inspirieren lassen. Das ist vielleicht so etwas wie ein menschlicher Synergieeffekt. Ich denke das sich die Musik in 20 Jahren noch weiter grundlegend verändern wird.“

Würdet Ihr mir zustimmen, das es da mittlerweile eine Art dritte Generation an innovativen Bands des Genre gibt, die nach der Krone greifen? Wenn wir annehmen, das Rush, King Crimson oder Pink Floyd die ersten Wegbereiter waren, gefolgt von Fates Warning oder Dreamt Theater….Und nun eine Band wie PERSEFONE?

„ Das ist ein natürlicher Prozess, in etwas so als wenn Du zuerst Mozart und dann Beethoven hörst, beide sind auf ihre Art Genies, unterscheiden sich aber in Harmonien, der Instrumentierung. Es ist gar nicht so weit hergeholt, das Bands wie z.B. Haken, Leprous oder Persefone den nächsten Schritt wagen und die Väter des Genre ehren.“

Wie wichtig ist es für PERSEFONE „harte“ Musik zu kreieren, also vom Ursprung her und keinen Easy Listening Prog?

PERSEFONE ist wie Du sicherlich weißt keine Band die einem normalen Album Zyklus unterliegt. Wir lassen uns gerne mit jedem Album und dem dazugehörigen Entstehungsprozess treiben. Aber um das erst zu ermöglichen, brauchen wir einen prall gefüllten Rucksack voll mit Erfahrungen, Dingen die wir neu erlernt haben. Wenn wir also einen neuen Prozess starten, dann bleibt es nicht bei wagen Ideen. Wir testen viel aus, verwerfen wieder, fügen etwas woanders wieder hinzu. Auch eine gute Idee kann nicht immer überall passen. Trotz einer komplexen Herangehensweise glauben wir nicht , das unser e Songs eher schwere Kost sind.“



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