Section: Interviews 35528Autor: Diggi
Datum: 09.03.2017
Bereich: Interviews

Michelle Nocon bei uns im Gespräch

Servus

BATHSHEBA

Nach dem Doom Manifest „Servus“ musste unbedingt eine Aufbereitung in Interviewform folgen, umso besser das Sängerin Michelle Nocon gerade Zeit hatte!

Zunächst möchte ich von Ihr wissen, ob sich die Band nach dem beenden der „Album Phase“ nicht ziemlich sicher gewesen sein muss, einen absoluten Hammer kreiert zu haben, oder ob ein Musiker sich dessen gar nicht so bewusst ist.

M: „ In erster Linie ist es natürlich immer aufregend etwas Neues zu veröffentlichen. Ich kann das aber so genau  nicht einschätzen, da „Servus“ unser Debüt ist, wir haben insofern noch nicht viel vorzuweisen, oder bewiesen. Für mich ganz persönlich ist es aber das bis Dato Beste was ich an Musik veröffentlicht habe (Michelle ist u.a. auch bei Death Penalty tätig und war in der Vergangenheit bei Serpent Cult, d.Verf.)  und ich bin stolz auf das, was wir als Band erreicht haben.  Mein persönlicher Geschmack ist ziemlich ausgefallen, so ist es für mich immer schwierig, einzuschätzen, was die Hörer zu fertigen Stücken wohl sagen werden. Wir sind nicht als Band zusammen um irgendwelche Massen zu befriedigen, oder irgendwelchen Trends zu folgen. Aber natürlich freuen wir uns wirklich sehr über die überaus positiven Resonanzen über das Album. Die Reaktionen waren bisher wirklich wunderbar und wir sind sehr dankbar.“

Viele Schreiberkollegen haben verzweifelt nach dem Sludge Etikett gesucht, um es eurem Doom Metal noch anzuheften. Also: Wieviel Sludge ist „Servus“? Auch wenn es mir persönlich egal ist, denn ich halte den Terminus Sludge für überstrapaziert und: Was bedeutet Sludge für BATHSHEBA?

M: „ Oh je, ich bin ganz schlecht darin irgendwelche Genre oder besser Bands irgendwelchen Genre Schubladen zuzuordnen. Es interessiert mich auch nicht wirklich, ich kann aber nachvollziehen, woher diese Kategorisierungsversuche kommen. Wenn dann sind wir sicherlich mehr doomiger unterwegs, in einem Pallbearer Kontext vielleicht. Sludge ist für mich noch ein wenig schwerer und roher und ja, diese Attribute findet man auch bei BATHSHEBA. Trotzdem versuchen wir  die Musik von irgendwelchen Schubladen fernzuhalten.  Wir lassen es einfach geschehen, egal in welche Richtung es uns treibt.“

Michelle, bitte erkläre ein wenig den Titel „Servus“

M: „ Servus ist Latein und bedeutet so viel wie Sklave. Das Album dreht sich um die Bürde des Lebens, die Schwere, die Last, die erdrückend wirken kann. Dem Hörer ist es überlassen, dahingehend den eigenen Status, oder eigene Gefühle mit einfließen zu lassen.

Wenn es zu innovativer Musik mit weiblichem Gesang kommt, dann fallen mir zur Zeit natürlich BATHSHEBA, aber auch Obscure Sphinx mit dem Album „Epitaphs“ ein. Kennst Du die Band? Keine Ahnung warum, auch wenn Ihr musikalisch schon anders unterwegs seid, ergibt sich für mich da immer eine Verbindung… Welche Künstler stehen mit Dir oder für dich persönlich in einer engeren Verbindung?

M: „ Danke! Ich kannte die Band nicht, aber ich habe  mal in das Album reingehört! Wirklich sehr origineller Gesang. Wichtig für die ganze Band sind z.B. Pallbearer, Wounded Kings, Enslaved, Black Sabbath, Bongripper.. Für mich ganz persönlich sind es dann PJ Harvey, Woven Hand, Dawn Crosby (Yeah!!! d.Verf.), Lana Del Rey, Kate Bush, Massive Attack, Tom Waits…Irgendwie stehe ich wohl auf schräge Typen.“

Michelle, Du hast auf „Servus“ eine außergewöhnlich aufwühlende, manchmal auch beunruhigende Gesangsleistung abgeliefert. Wie siehst Du deinen Gesang in der Band, als Instrument, oder als Werkzeug der Emotion?

M: „ Ich bin absolut kein technischer Sänger, ich habe auch kaum Kenntnisse über Gesangstheorie. Von daher findet der Gesang nicht in meinem Kopf statt.  Das ist eine hoch emotionale Sache für mich, deshalb ist der Gesang auch oft expressionistisch, oder verstörend. Auf „Servus“ passieren in dieser Richtung wirklich sehr viel. Ich wollte das was da in mir ist heraus lassen, das hatte Priorität für mich. Es ging mir nicht darum den saubersten Gesang abzuliefern, sondern die Emotionen zu transferieren! Ich denke das ist meine Stärke, diese will ich weiter und weiter ausbauen und Grenzen einreißen.“

‚Ain Soph‘ ist eines der Hochlichter des Albums! Das Saxophon, die Black Metal Einfärbungen…Erzähl doch mal was zu der Entwicklung des Songs!

M: „ Die Jungs haben eine erste Version davon aufgenommen und ich mochte den Black Metal Vibe sofort. Ich baute darum eine Gesangslinie, als wir der Meinung waren, dass es passt, nahmen wir ein erstes Demo auf. Komischerweise änderte sich daraufhin der Gesang völlig, so dass wir eine neue Version parat hatten, im Studio wollte ich es dann aber dreckiger, aggressiver und so kam eines zum anderen das Thema Free Jazz Saxophon war auf dem Tisch. Ich suchte bereits nach Samples, ehe Jelle Peter Verdonck ( Wound Collector) ins Spiel brachte und somit der Torte die Kirsche aufsetzte!“

Lass uns über die visuelle Seite von BATHSHEBA sprechen. Es scheint dort eine tiefe Verbindung zwischen Musik, Videos und Artwork zu geben.

M: „ Oh ja! Wir hatte die Ehre mit Olivier Lomer arbeiten zu dürfen (www.dissolvtion.com)  vielleicht kennst Du ihn für seine Arbeiten mit Enthroned oder Emptiness. Die Grundzüge für das Cover erklärte ich ihm, aber ansonsten hatte Er alle Freiheiten. Es sollte nur eine flehende oder betende , gesichtslose Person zu erkennen sein. Für das Video hatten wir kein Budget zur Verfügung, nur eine Idee von mir, ein Iphone und einen guten Freund. Das Video sollte ein wenig andeuten, wie schizophren der Mensch werden oder agieren kann. Du kannst über das „verlieren gehen“ hinaus gehen, jedenfalls kann das Gehirn das. Außerdem wollte ich die Thematik des möglichen Tiersuizid andeuten, also nichts plakativ schokierendes. Denke mal über diese Möglichkeit nach, das ist verstörend.  Den Rahmen des Videos bietet aber die Natur. Natur ist für BATHSHEBA und auch für mich persönlich ein sehr wichtiges Thema.“

Wenn wir mal vom Demo, der EP und nun zu „Servus“ im Zeitraffer starten, dann haben sich BATHSHEBA in wenigen Jahren verdammt schnell entwickelt, sich musikalisch und spirituell weit geöffnet. Also alles 24/7 Kreative? Oder gibt es einen Masterplan?

M: „ Vielen Dank! Trotzdem hat alles seine Zeit gedauert und wir haben wirklich immer nur dann etwas aufgenommen, wenn es auch an der Zeit dafür war, also wenn wir eben dieser Meinung waren. Genauso haben wir an den Ideen für das Cover Artwork gearbeitet, oder ich an der Umsetzung des Videos. Ich kann manchmal Tag und Nacht an etwas arbeiten, habe aber auch hin und wieder das Gefühl, manche Sachen ruhen zu lassen, auch für mehrere Wochen. Aus dem Grund ist alles am Ende so geworden, wie es nun ist. Manchmal sind sich z.B. 6 Monate mehr Zeit zu lassen genau der Faktor für das Erreichen bestimmter Ziele.“

Michelle, danke für die Zeit und hoffentlich sieht man sich mal auf einem Konzert von BATHSHEBA im Ruhrgebiet!

M: „Vielen Dank für das Interview, wir würden uns wirklich sehr freuen!“

 



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