Section: Konzertberichte 29787Autor: Amir
Datum: 01.04.2015
Bereich: Konzertberichte

Nicht nur wegen der speziellen Getränke zum Konzert...

31.03.2015 – Köln, Sonic Ballroom

TANKOBOT, NIGHT DEMON

Im Sonic Ballroom steht seit Neuestem wieder “Ratzeputz” auf der Getränkekarte. Aber diese gute Nachricht alleine kann nicht dafür gesorgt haben, dass der kleine Club im Ehrenfelder Musikviertel auf einem Dienstagabend pickepacke voll ist. Ursache für das volle Haus könnte schon eher der schnörkellose Thrash Metal sein, den die Jungs von TANKOBOT in die Menge feuert. Das Quartett aus Köln ist seit 2011 aktiv und kann mit dem Thrash Metal eher traditioneller Prägung ordentliche Treffer verbuchen, wie die Reaktion der rund 140 Zuschauer zeigt. Nach knapp über 40 Minuten ist das sonst eigentlich eher punklastige Publikum im Ballroom gut vorgeheizt für NIGHT DEMON.

Für den Überraschungs-Act des Jahres 2014 steht zunächst an, die nötigen Umbauten selbst vorzunehmen, bevor es daran geht, die Rückkehr in den Sonic Ballroom mit „Screams in the Night“ vom Debut-Album „Curse of the Damned“ einzuläuten. Ziemlich genau elf Monate zuvor gab es an gleicher Stelle den ersten Auftritt der Kalifornier auf europäischem Boden vor gerade einmal 25 Anwesenden. Die Steigerung von 25 auf 140 hochgerechnet und in drei Jahren muss sich Sänger Jarvis Leatherby die Nummer von der KölnArena geben lassen...! Musikalisch jedenfalls macht der Dreier mit der Hommage an den traditionellen 80er-Metal ganz offenbar alles richtig: Je weiter man sich durch die Stücke des Albums wühlt, desto mehr feiert die Menge den total nach vorne gehenden Retrostil ab. Drummer Dustin verzieht über weite Strecken sein Gesicht, als ob ihm gerade die Fußnägel gezogen werden, aber das tut der Präzision seiner Rhythmusvorgaben nicht den leistesten Abbruch. Apropos leise: davon kann nun wirklich keine Rede sein. Eine echte Ballade haben NIGHT DEMON eh noch nicht im überschaubaren Repertoire. Und so, wie sich Jarvis während der Soli am Bass als Headbanger zeigt, kann man nicht annehmen, dass „Gas weg!“ das Motto dieser Band ist. Ganz im Gegenteil. Wo dem Song das Tempo etwas fehlt – etwa bei „The Chalice“ – kommt ganz einfach entsprechend mehr Wumms vom Schlagzeug ins Spiel, um das Energielevel oben zu halten.

Sieben der elf Songs vom Album und die komplette EP feiert NIGHT DEMON an diesem Abend souverän ab. Dankenswerter Weise kommt aber auch im Hauptset mit „Road Racin‘“ von RIOT eine Coverversion an den Start, die nur unterstreicht, auf welchem traditionellen Boden die Hopefuls aus dem sonnigen Ventura fest mit beiden Beinen stehen. Nach rund 70 Minuten schließt Jarvis das schweißtreibende Set mit einem Dank an die Fans und die Vorband ab. Aber die Lokalität bringt es mit sich, dass man nicht mal eben hinter die Bühne kann, um für die Zugabe wieder aufzutauchen. Also wird aus der Not eine Tugend, indem Gitarrist Brent Woodward zusammen mit Herrn Leatherby die korrekte Aussprache des Wortes „Zugabe“ übt und ohne Mühe alles was Beine hat zum Mitmachen animiert. Den Schlusspunkt setzen dann noch einmal zwei Covers, nämlich das immer wieder geniale „Lightning to the Nations“ (original von DIAMOND HEAD) und der 150-Sekunden-Kracher „Axe Crazy“ von JAGUAR.

Nach der Show bestätigt mir Jarvis den absichtlichen Entschluss der Band, in den Sonic Ballroom zurück zu kehren, statt z.B. in das etwas größere Underground eine Strasse weiter zu verlegen. Es sei eine Frage der Loyalität, erneut im gleichen Club zu spielen, in dem ein unglaublicher Ritt durch Europa begonnen hat und der es ok fand, nur 25 Karten abzusetzen. Dieser „Spirit“ habe es verdient, jetzt von den Verkäufen von 140 Tickets mit einer mehr als schwarzen Null zu profitieren. Eine sehr noble Haltung in diesem Business und in der heutigen Zeit. Auch deshalb wird man mit einiger Garantie noch lange Zeit etwas von NIGHT DEMON hören. Gerne auch wieder in Köln…  

 

(Bericht: Dirk Limberg)



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