Section: Konzertberichte 27910Autor: Amir
Datum: 20.08.2014
Bereich: Konzertberichte




















BLINK 182 – EUROPEAN TOUR 2014

19.08.2014, Dortmund - Westfalenhalle 1 -- BLINK 182

BLINK 182 – EUROPEAN TOUR 2014

Was ist denn da in Dortmund an einem lausigen Dienstag-Abend los? Der junggebliebene 40-Jährige wird vor der Westfallenhalle 1 bereits von 17jährigen Möchte-Gern-Coolen mit „Na, auch auf dem Weg zum Rosenstolz-Konzert?“ angepöbelt. Die Bierflaschen stapeln sich auf dem Parkplatz vor der Location. Tattoos an allen Körperstellen sind Pflicht und das Durchschnittsalter ist maximal Mitte 20.

Klar, Crappy Punk Rock established in 1992 ist angesagt.

Die drei Kalifornier Mark Hoppus (Bass, tiefe Stimme, Lausbub), Tom DeLonge (farbige Gitarren, quäkige Stimme mit riesigem Wiedererkennungswert) und Travis Barker (Drummer mit Flugangst) touren just durch Europa. Und lassen sich an diesem Abend nicht lumpen sondern geben alles.

Bevor sie aber alles geben können, versammeln sich – nur, muss man leider sagen – 7.000 Fans in die rd. 12.000 Zuschauer fassende große Westfalenhalle.

 Und hören als Anheizer erst einmal die ebenfalls aus Kalifornien stammende Orange-Country-Punk-Nu-Metal-Rockband ZEBRAHEAD.

Was genau die Jungs da auf der Bühne machen, bleibt ihr Geheimnis.

Aber sie rotzen und rocken ihren Sound derart fett von der Bühne, dass keiner in der Halle stillhalten kann.

Sänger Ali Tabatabaee rappt, der 2. Sänger Matty Lewis singt und spielt Gitarre, der Zwirbelbartträger Dan Palmer zupft die Rhythmus-Gitarre, Bassist Ben Osmundson macht eine Fratze und Grimasse nach der nächsten und der optisch schon in die Jahre und in den höheren Body-Mas-Index gekommene Schlagzeuger Ed Udhus verhaut seine Felle. Tja? Aber wer zum Teufel ist der Rest auf der Bühne? Zwei in Lederhosen verpackte Jünglinge müssen mehrfach zwischen den Songs irgendwelche Cocktails und Biere auf Ex kippen. Die Cocktailbar mit Background-Mirko steht ebenfalls auf der Bühne.

Und Zebrahead-Sänger Matty trägt dazu sein „Ich bin eine Sexmaschine“-T-Shirt voller Stolz.

Zum guten Gig gehören natürlich zotige Ansagen wie: „Mädels, zieht alle eure T-Shirts aus und benutzt sie als Schal zum Winken beim nächsten Song“. Unglaublich, wie viele Shirts die nächsten 3 Minuten geschwungen werden. Ein echter Hingucker, in mehrfacher Hinsicht.

Auch ansonsten wird viel pubertiert und die Zebraheads bedienen alle infantilen Klischees, die der Punkrock so bietet. Hoch die Tassen.

Der Sound allerdings ist 1A, die Mischung aus Rapp und Sprachgesang, gepaart mit schnellem, hartem Punkrock ist besser als Linkin´ Park alleine.

Daher von uns beide Daumen hoch für die Vorband, die die Meute im Innenraum – der übrigens komplett ausverkauft ist – gut im Griff hat und ständig zum Klatschen animiert. Stage diving an diesem Abend gibt es en masse.

 

Als dann aber gegen 21.15h die Bühne bereitet ist für den Hauptact des Abends, passiert wunderliches.

Gleich 4 Ohnmachtsanfälle werden direkt zu den freundlichen Ordnern vor der Bühne durchgereicht und direkt am Seitenrand behandelt. Ob da Alkohol im Spiel war?

Den Anderen ist es egal. So ist mehr Platz im ersten Wellenbrecher-Bereich für die gleich stattfindenden Circles. Das lustige Platz-Machen und dann Pogen im Kreis ist auch an diesem Abend mächtig angesagt.

Und da sind sie!

Mark, Tom und Travis on stage.

Can you “Feeling´this” ?

Die Meute tobt. Und dass BLINK 182 bereits als 2. Song den Kracher „What´s my age again“ raushauen, zeigt, welch tolles Bühnenprogramm mit höchstem Wiedererkennungswert die 3 Mid-Age-Punks mit am Start haben.

An diesem Abend spielen BLINK 182 satte 21 Songs. 19 im Hauptteil und dann noch 2 Zugaben.

Aber rollen wir das Feld von vorne auf:

Alle Hits sind dabei, von „Rock Show“ über die wunderbare Power-Ballade „I miss you“ bis hin zu „Small Things“.

Bassist Mark hat an diesem Abend einen Flummi verschluckt, denn er hüpft und springt wie ein 20-jähriger.

Und hat zum Frühstück einen Clown gefrühstückt. Nicht genug, dass er ständig während der Songs seine Pleks in die Luft wirft und sich wie ein Schuljunge freut, wenn er mal wieder eins auffängt.

Nein, als er keine mehr zum Ins-Publikum-Werfen hat, springt er auf die andere Bühnenseite und rüttelt einfach alle Plektren von Sänger Tom aus denn Mikro-Halter. Lustig, lustig, diese Punks.

Auch die Ansagen zwischen den Songs haben hohen Unterhaltungswert. Von deutschen Fachwörtern wie „Abfahrt“ (Tom), aufgeschnappt auf dem „Highway“ (Tom), der ja hier „Autobahn“ (Mark) heißt bis hin zum mitreißenden Geschichten über ihre Mütter entertainen die beiden Bandgründer das Publikum aufs Feinste.

Und spielen und spielen und spielen.

Verzeihlich, dass Tom bei „Dumpweed“ mal die Stimme ein wenig versagt. Er ölt sie allerdings mit Wasser und nicht mit Alkohol.

Drummer Travis, der Mann mit Flugangst (siehe unser Interview mit Blink 182 vom 04.08.2014 hier: http://www.heavy-metal.de/?id=27850), trägt wie immer hochgezogene Ringelsocken und ist bis unter den Hals tattoowiert. Er könnte auch einer aus dem Publikum sein…

Wie immer endet leider so ein Abend viel zu schnell.

Aus dem kompletten Dunkel berichtet Mark noch über „Ghosts“, zwei Songs später kommt der erste Hit der Band „Carousel“ und die witzige Schlussansprache von Mark („Dies war der letzte Song des Abends. Das Licht geht an. Vielen Dank, gute Nacht und kommen Sie gut nachhause.“)

Na, ja, ganz das Ende ist es dann doch noch nicht.

Nur fast.

Nach „Violence“ und „Dammit“ ist dann aber wirklich Schluss mit Lustig.

Aber – es hat sich gelohnt.

Findet übrigens auch die 9-jährige in Sitzblockbereich E, die fleissig mit Mama und Papa zu Songs wie „Always“ und „Stay Together“ mitsingt, zwischendurch mal aufs Klo muss und dann brav weiter den Jungs von BLINK 182 lauscht.

Ein echt grandioser und generationenübergreifender Abend eben.

 

 

(Text: Chris, Fotos: Ralfi Ralf)

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