Section: Festivals 27482Autor: Amir
Datum: 19.06.2014
Bereich: Festivals















































































4 Tage volles Programm...29 Jahre und kein bisschen leise...

ROCK AM RING 2014

METALLICA, IRON MAIDEN, SLAYER, AVENGED SEVENFOLD und viele andere

ROCK AM RING 2014

05.-08.06.2014

NÜRBURGRING

Wir schreiben das Jahr 2014. Als die Veranstalter von ROCK AM RING beschlossen haben, dass es dieses Jahr ein Event über 4 Tage sein soll, wussten sie noch nicht, dass es die Abschiedsgala des Festivals an dieser Location sein würde...und auch das Wahnsinnswetter war damals nicht absehbar. Aber der Reihe nach. Lest unseren umfassenden Bericht mit zahlreichen Fotos und dann könnt ihr nachvollziehen wie´s war, falls ihr nicht selber vor Ort gewesen seid oder aber den einen oder anderen Gig verpasst habt.

Der Heilige Petrus ist ein Ringrocker! Das steht spätestens seit dieser letzten Edition des Festivals auf dem Nürburgring fest. Da hat der alte Knabe wohl den finsteren Plan gefasst, allen Anwesenden den Abschied doppelt schwer zu machen, indem er tagsüber die Sonne am blauen Himmel scheinen ließ und zur heißen Musik auch den Asphalt vor den drei Bühnen kochen ließ. Durchgehend 25+X Grad Celsius ist ohne Zweifel ein Rekord, der nicht mehr zu toppen ist...

Los ging´s ja dieses Jahr bereits am Donnerstag...dafür wurde aber nur die Mainstage bespielt. 

Wir erreichten das Festivalareal beim Set von PENNYWISE, verpassten sie aber letztlich. Schließlich gehört eine standesgemäße Anmeldung vor Ort dazu und alle Formalitäten müssen geregelt werden. Also war der erste echte Auftritt für uns THE OFFSPRING. Das die Band schon so ihre 30 Jahre auf dem Buckel hat, sie man ihr zumindest optisch an. Es sind halt keine Jungspunde mehr die Herren um Frontmann "Dexter" Holland. Aber sie rocken immer noch amtlich, das ist sicher. Natürlich dürfen in dem 70-Minuten-Set die Gassenhauer "Come out and play" und "Self esteem" nicht fehlen. Die Songs zünden immer noch zuverlässig.

Und dann war es auch schon Zeit für das erste (und für mache sogar das größte) Highlight des diesjährigen Ring-Events.

IRON MAIDEN sind definitiv Mainstream. Das bekomme ich bestätigt, als ich zu Beginn des Zwei-Stunden-Sets auf dem Boxendach unterwegs bin, um ein paar Schnappschüsse zu machen. Vorne an beim Polizeiposten steht nämlich ein Ordnungshüter im Overall der Bereitschaftspolizei und aus dem Ausschnitt lugt ein MAIDEN-Logo. Drauf angesprochen meint der Cop, man könne ja ruhig das Nötige mit dem Angenehmen verbinden. Deshalb habe er sich freiwillig für den ersten Festivaltag einteilen lassen. So geht's auch...

Unten auf der Centerstage tobt derweil die Materialschlacht, mit der MAIDEN dieses Jahr aufwarten. Das "Seventh Son"-Bühnendesign der Jubiläumstour aus dem Vorjahr kommt genauso noch einmal zu Ehren wie die zahlreichen Backdrops zu fast jedem neuen Song. Sind die Opener "Moonchild" und "Can I Play With Madness" noch dankbare Aufwärmer, geht es anschließend mit "The Prisoner" auch im Publikum erstmals zur Sache. Bruce Dickinson nutzt agil die gesamte Breite der großen Bühne und hechtet während der Soli auch gerne mal Füße voran über die Monitorboxen. Zur Mitte des Sets hin wechseln sich Midtempo-Stücke ("The Trooper", "Number of the Beast") mit ruhigeren Klassikern ab ("Revelations", "Phantom of the Opera"). Dabei bleibt die Songauswahl konsequent in den 1980ern und lässt auch länger nicht gehörte Songs zum Zuge kommen ("Wasted Years").

Bruce's Fähigkeiten als Laienschauspieler sind seit Jahren bei "The Trooper" hinlänglich bekannt. Zum Glück sind solche Einlagen nicht als Ersatz gemeint, um schwindende Gesangsqualitäten vermeintlich auszugleichen. Im Gegenteil! Der Frontmann der "Jungfrauen" gehört nach wie vor zur Speerspitze des Genres, wenn es um den Titel "Voice of Metal" geht.

Das letzte Drittel des Hauptprogramms läutet "7th Son of a 7th Son" ein und Herr Dickinson erscheint mit Wet Gel-Frisur als Ingo Appelt-Double mit langem Kutschermantel. Die Performance ist angesiedelt zwischen Van Helsing und Nosferatu und auch die Eddiefigur vom Albumcover (inclusive strampelndem Embryo mit Nabelschnur...) weiß zu überzeugen.

Gänsehaut garantiert das vorletzte Stück vor der Pause, "Fear of the Dark". Das mit fast 22 Jahren jüngste Stück im Set ist zwar älter als etwa die Hälfte der Menge vor der Bühne, aber den Mitsingteil absolviert der Ring souverän, als hätten die Leute seit dem Kindergarten nichts anderes gehört als MAIDEN. "Iron Maiden" markiert dann das noch einmal im Tempo angezogene Ende des regulären Sets...

... welches mit der Einspielung von "Churchill's Speech" in eine meiner Lieblingnummern - "Aces High" - übergeht. Danach findet die Band die Zeit, Schlagzeugmonster Nicko McBrain zum 58. Geburtstag zu gratulieren und das Publikum zu einem Ständchen zu animieren. Die coolste Socke unter den Felldreschern ist davon sichtlich angetan, verzichtet aber unverständlicherweise auf die auch in England übliche Lokalrunde sondern schlägt zu "Evil That Men Do" den Takt an. Danach setzt das unvermeidliche "Sanctuary" den Schlusspunkt unter ein rundum tolles und unterhaltsames Konzert.

Nach einer spannenden Umbaupause, die bei allen Anwesenden von mehr oder weniger kuriosen Gerüchten begleitet wurde, ging es weiter mit einem bis zuletzt "unbekannten" Special Guest...gegen Mitternacht wurde das Geheimnis dann gelüftet. Der Mann mit der Maske...SIDO...nein, ein Spaß! CRO ging zur Überraschung aller Zuschauer an den Start. Der Sänger, der aktuell Tag und Nacht im Radio rauf und runter gespielt wird, sorgte für Stimmung vor der Hauptbühne, bevor der erste Abend des Festivals so langsam ausklingen konnte.

Festivalfreitag

Auch der zweite Tag des Musikfestivals am Nürburgring begann sonnig und noch etwas wärmer als der Auftakt. Man blieb aber skeptisch, denn irgendwann würde der übliche Platzregen oder das Gewitter mit ordentlichen Sturmböen ja kommen müssen. Aber zum musikalischen Teil.

Das Ringspektakel setzt sich an diesem Freitag um halb vier vor der Clubstage fort. Eines meiner Highlights steht an: HUNTRESS aus Kalifornien. der Fünfer um Blickfang-Hexe Jill Janus ist derzeit noch mit dem zweiten Album "Starbound Beast" auf Festivaltour, um sich einem größeren Publikum vorzustellen. Eben dieses Publikum ist von der Power des Openers "Senicide" (eine gute Wahl!!!) und der Bühnenpräsenz der amerikanischen Doro Pesch schnell angetan. Im schnellen Wechsel kommen beide Alben mit je vier Tracks zum Zuge und immer wieder überrascht Jill die begesterte Menge mit ihrer Fähigkeit, zwischen Growls und cleanen Vocals zu wechseln. Endgültig überzeugt die Band mit "I Want to Fuck You", bei dem Jill die Miturheberschaft von Lemmy von MOTÖRHEAD deutlich heraus stellt, den sie angesichts des Titels des Liedes als "romantischen Briten" bezeichnet. "Eight of Swords", eines der herausragendsten Stücke des Debütalbums "Spell Eater" setzt daraufhin den fulminanten, aber für viele Anwesende viel zu frühen Schlusspunkt unter 40 Minuten beste Unterhaltung.

Auf dieser Nebenbühne sollte es am späten Abend bzw. nachts noch mal heftig weiter gehen.

Parallel auf der Mainstage im Einsatz John Newman. Mit einem radiotauglichen 8-Song-Set spielte er vor einem gegen 16 Uhr noch recht lichten Publikum. Der Lauf über´s Gelände mit dem ganzen Fotoequipment geriet da schon recht schweißtreibend. Aber sicher besser als frieren und nass werden!!

Etwas später ging´s auf der Hauptbühne erst einmal weiter mit Jake Bugg. Ah ja...kennt man doch. NOT!! Nie gehört bis dato. Die Mädels und das jüngere Publikum schien auf jeden Fall etwas mit dem doch sehr seichten Musikstil anfangen zu können. Der Brite soll extrem angesagt und erfolgreich sein. Mir entzog sich leider diese Faszination komplett. Mich hat weder das Material noch die Performance sonderlich umgehauen. Aber die Geschmäcker sind ja nun einmal verschieden und das ist ja eine der großen Stärken des ROCK AM RING-Konzeptes, die Vielseitigkeit. Große und kleine Acts geben sich die Klinke in die Hand. Nationale und internationale Bands unterschiedlicher Härtegrade...so bleibt es spannend und auch alte Hasen (wie unsereins...Hüstel) entdecken noch mal den einen oder anderen Newcomer.

Es wurde langsam wärmer - nett, dass man in den ersten Reihen hinter dem Wellenbrecher Wasserbecher verteilte. Damit konnte sicher in einigen Fällen verhindert werden, dass der Kollaps droht. Gerade mit dem Druck der Menge im Rücken und der mehr oder weniger schwülen Hitze bei genau Null Schatten auf der "freien Fläche", ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr extrem bedeutsam. Dies erfuhren wir aus erster Hand bei einem Besuch im DRK-Zelt hinter einer der Bühnen, wo man uns bestätigte, dass hitzebedingte Zusammenbrüche - neben den üblichen Knöchelverstauchungen und Schürfwunden - zu den am meisten zu registrierenden Einsätzen zählte.

Jetzt mal Qualität mit großen Namen: Rea Garvey (der Ex-REAMONN-Sänger). Da kam richtig Stimmung auf und der Bereich vor der Bühne hatte sich gut gefüllt. Die Sonne knallte vom Himmel...

...und Rea Garvey feiert auf der Centerstage den Moment. Mit einem erfolgreichen und sehr gut angenommenen zweiten Soloalbum im Gepäck und einer durchweg hochprofessionellen Band im Rücken gerät der 45-Minuten-Auftritt zu einem großen Spaß auf und insbesondere vor der Bühne. Wenn - ja wenn da nicht diese unterschwellige Wehmut wäre, zum letzten Mal am Ring zu sein. Der Ire/Wahlberliner macht jedoch aus seinen Gefühlen keinen Hehl und nimmt sich Zeit für ein kurzes Statement, indem auch deutlich das Wort "Scheiße" fällt, dass in diesem Jahr hier in der Eifel Schluss sein soll. "Das ist wie in eine neue Wohnung umziehen. Man nimmt die Möbel und alle liebgewonnenen Sachen einfach mit!", macht er den Leuten zu seinen Füßen Mut. Das anschließende "Supergirl" schlägt den Bogen in die Vergangenheit des Sängers und lässt die Party in the Sun wieder mehr in den Vordergrund treten. Der Singlehit "Can't Stand the Silence" eröffnet den zweiten Teil des Sets, der komplett dem gleichnamigen Album gewidmet ist. "End of the Show" ist folgerichtig der passende Abschluss, der amtlich von der Crowd abgefeiert wird.

Das Wette forderte seine ersten Opfer: erste krebsrote Fans im Publikum waren auf dem fast schattenlosen Festivalplatz bereits zu entdecken. Ja, neben der vielen guten Musik, war auch das Wetter anno 2014 ein Thema. Aber zurück zum Hauptthema.

Auf MANDO DIAO freue ich mich im Anschluss ebenfalls. Einen Dämpfer erhält diese Freude allerdings durch ein melancholisches und zu langes Requiem für einen verstorbenen Musikerkollegen der Band. Ich weiß zudem nicht, inwieweit hier jemandem Tribut gezollt wird oder nur unnötig Show betrieben wird. Letzteres haben die in vielen Musikstilen versierten Schweden nämlich gar nicht nötig. Ein Querschnitt durch die Bandgeschichte bildet den ersten Teil des Sets, wobei auch das aktuelle Album "AElita" mit zwei Songs gewürdigt wird. Es folgen mit "Morning Light" und "Forgive/Forget" zwei Werke des Bandprojekts CALIGOLA, dem die beiden Frontleute Björn und Gustav bereits seit 2008 angehören. Bei beiden Songs und für den Rest des Sets verstärken sich die Mandos mit der Reggae-Sängerin Natty Silver von CALIGOLA. Dies gibt besonders den beiden Zugabekrachern "Dance With Somebody" und dem Sommerhit "Black Saturday" einen neuen und interessanten Anstrich. Zugleich ist diese Powerkombination ein versöhnlicher Gegenpunkt zum seltsamen Beginn des Auftritts. 

Bevor es eine optisch besondere Show geben sollte, machten OF MICE AN MEN auf der kleinsten der 3 Bühnen richtig Alarm. Man merkte, dass sich die Band schon einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erarbeitet hat. Der Platz im Bereich der großen Formel Eins-Tribüne war voll gepackt. 11 Songs spielte man für seine Fans, die sichtlich dankbar für diese volksnahe Performance waren. Von dieser Band wird man sicher zukünftig noch Einiges hören...

Die Alternastage beherbergte ab ca. 21:45 Uhr die EDITORS. Die Herrschaften spielten ein Set mit sehr eingängiger Musik - wirklich hörenswert. Leider waren wir nur auf der Durchreise zum nächsten Auftritt und konnten so nicht intensiver verweilen. Die Eindrücke waren aber absolut positiv.

Auf der Clubstage geht es wenig später klerikal zur Sache. Ein Papst aus dem protestantischen Schweden schickt sich an, die Massen zum Metal zu bekehren. Der Frontmann von GHOST hat in Gestus und Stimmlage durchaus pastorale Züge, ohne dass die Show ins Lächerliche abgleitet (und schon gar nicht ins Blasphemische!!!). Wie bereits bei HUNTRESS am Nachmittag ist das Set 50/50 den beiden bisherigen Alben gewidmet. Mehr noch als auf der CD kommt das RAMMSTEIN-lastige Element bei Bass und Schlagzeug zum Tragen. Eine kraftvolle, nie langweilige Mischung, die auch die größer gewordene Menge vor der Bühne zu würdigen weiß. Ganz eindeutig eine Empfehlung für ein Hallenkonzert, wo man noch mehr Show und Effekte erwarten darf. Alle Daumen hoch!!!

Eine Umbaupause später - kurz nach Beginn des neuen Tages - geben sich MASTODON die Ehre. Etwas schwerere Kost am späten Abend, aber wie immer kurzweilig und unterhaltsam. Dankenswerter Weise bleibt das aktuelle Album "Once More 'Round the Sun" bis zur zweiten Hälfte des Sets im Koffer, denn von den Qualitäten dieses letzten Werkes wird man sich im Herbst live ausführlicher überzeugen können. Heute präsentiert die Band einen Parforceritt durch die vier vorherigen Alben (ohne "Remission"-Material...) und setzt einige Leute im Publikum in Erstaunen, was so alles zum Metal-Universum gehören kann. Mein Highlight nach einer Stunde: "The Sparrow" vom 2011er-Album "The Hunter", eine Livenummer, die immer eine Visitenkarte der Band sein wird.

Bei all der Konzert- und Festivalerfahrung von über 25 Jahren war es dann doch eine Premiere für mich: NINE INCH NAILS. Viel Nebel und Flackerlicht untermalte auf der Alternastage optisch den wummernden Sound der Elektro-Beats mit Heavy Drumming und dem sehr bewegungsfreudigen Frontmann und Bandleader Trent Reznor. Diese Band ist schon irgendwie Kult. Andererseits ist mein persönlicher Eindruck, dass dieser Stil und das Material für 10-15 Minuten durchaus zu ertragen und noch „interessant“ klingt. Dann stellt sich eine gewisse Monotonie ein und es gibt zu wenig „Überraschendes“ als dass man sich die Performance über 80 Minuten bis spät in die Nacht ansehen müsste. Aber definitiv eine weitere musikalische Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte.

Wir hatten in dieser Nacht anderes vor. Für uns fungierten als „Rausschmeißer“ an diesem Abend (bzw. in der Nacht) die Metal-Veteranen von ANTHRAX. Gemeinsam mit SLAYER am Samstag und METALLICA am Sonntag sorgten sie für die Anwesenheit von 3/4 des THE BIG FOUR-Billings der damaligen Tour. Und die Herren aus New York können es noch…absolut. Der damalige Frontmann Joey Belladonna ist ja nun langfristig wieder am Mikro vertreten, Gitarren-Ikone Scott Ian und der Zappelphilipp am Bass, Frank Bello, stellten den harten Kern des traditionellen Line ups. Eigentlich unfassbar, eine solche Band zu der Zeit auf die kleinste Bühne zu schicken. Aber man ließ sich nicht unterkriegen und wurde von den zahlreichen Fans zu später Stunde heftig abgefeiert. Laut war´s, aber geil! Die Jungs sorgen doch jedes Mal für gute Laune.

Es gab zahlreiche Klassiker zu hören: „Caught in a mosh“, „Got the time“ (die legendäre Coverversion), „Madhouse“ uvm. – man ließ einem Knaller den nächsten folgen. Erfreulich, wie viele Leute die Herrschaften und ihr Liedgut noch kennen und begeistert mitsingen können. Auf jeden Fall ein „großes Finale“ an diesem Freitag, an dem – so hörte man nebenbei – die deutsche Fußballnationalmannschaft den letzten Test vor der WM souverän mit 6:1 gegen Armenien absolvierte.

Der Samstag

Den Start machten heute wieder einige kaum bekannte Acts, die vor ausgedünnten Zuschauerreihen um die Gunst des Publikums buhlten. Und…es wurde wieder ein bisschen wärmer…wo sollte das bloß hinführen. Mit POWERMAN 5000 ging eine Band an den Start, von der man länger nicht gehört hatte, die aber zuletzt offenbar wieder aktiver geworden ist. Im Laufe des Nachmittags sollten sich dann auch noch weitere recht namhafte Acts dazu gesellen. An dieser Stelle möchten wir Namen wie z.B: die KAISER CHIEFS, ALLIGATOAH oder WE ARE SCIENTISTS nennen.

Bedingt durch die auftretenden Bands mache ich an diesem Samstag die Alternastage zu meinem zweiten Wohnzimmer, weil hier der ROCK am Ring stattfindet.

KVERLERTAK bekomme ich dabei leider nur am Rande mit, weil mich Marlon, der Chef der Alternastage, in seinem Wagen rüber chauffiert hat und wir im etwas leiseren Bereich hinter der Bühne das andere Thma der Stunde neben der Musik an diesem Wochenende bequatschen. Mein hessischer Freund ist auch der Meinung, dass man das Feeling des Festivals unabhängig von der Location erhalten kann und dass eine geschickte Bandauswahl wie in den letzten zehn, zwölf Jahren auch anno 2015 wieder für ein volles Haus sorgen wird, selbst wenn man nicht erneut einen Vorverkaufs- bzw. Ausverkaufsrekord hinzaubert. Etwas besorgt ist er wie ich von dem Szenario, dass die Konkurrenz zeitgleich im nächsten Jahr ein Festival ausrichten will. Denn wenn zwei Promoter auf eine Band zugehen, um sie für die jeweilige Veranstaltung zu gewinnen, dann könnte der ein oder andere Künstler auf die Idee kommen, sich seine Entscheidung teurer als gewöhnlich bezahlen zu lassen. Und das kann dann nicht im Sinne der Sache sein, weder für den Veranstalter, der den Zuschlag erhält, noch für die Fans.

KVELERTAK werkeln derweil in unserem Rücken an der Weltherrschaft des norwegischen Metals. Der Erfolg der Band ist dabei umso erstaunlicher, als alle ihre Songs in der Muttersprache gesungen werden und damit die Identifikation mit den Texten südlich des Großen Belts wohl eher flachfällt. Gleichwohl kommt das abwechslungsreiche Gemisch mit Punk-, Rock- und sogar Black Metal-Elementen an diesem späten Nachmittag gut bis sehr gut an. Mir ist besonders der Song "Blodtørst" vom 2010er Debütalbum in Erinnerung geblieben, der die bösen Vorahnungen, die der Titel „Blutdurst“ aufkommen lässt, nicht unerfüllt lässt. Eine dunkle Nebelkerze in der Eifelsonne. Die selbsternannte Bandhymne „Kvelertak“ – zu deutsch: Würgegriff (rrrr…!!!) – beschließt dann bereits ein tightes 45-Minuten-Gewitter.

Unser Augenmerk galt dann um Gong 19 Uhr der Band auf der Alternastage: OPETH. OPETH, das ist bereits im Bühnenbild beste Familienunterhaltung: die abgetrennten Köpfe der Bandmitglieder hängen wie Birnen im Baum – das wird Mutti freuen, wenn sie die Fotos auf dem Handy entdeckt! Musikalisch sind fünf Songs in 50 Minuten ein guter Durchschnitt für Schwedens Helden der frickeligen Langsamkeit. Langmähne  Mikael Åkerfeldt bringt seine Deutschkenntnisse einmal mehr auf ein neues Level, weil sein Hund immer noch dunkelblau ist. Ansonsten verhält es sich bei OPETH wie bei MASTODON am Vorabend: Wenn man sich als Neuling auf die Band einlässt, erlebt man einen ungeahnten Trip in Gefilde des Metal, in denen sogar Captain Kirk kalte Füße bekommen würde.

An gleicher Stelle sorgte eine deutsche Band mit einem imposanten Bühnenbild für optisches „Aufsehen“ – HEAVEN SHALL BURN. Die Formation aus dem Osten mit einem in knallig rotem Hemd gewandeten Shouter servierte hartes Material und wusste die Meute vor der mittleren Bühne durchaus in Wallung zu bringen. Nachdem es stundenlang eher bedeckt gewesen war, kam jetzt die Sonne wieder ´raus.

HEAVEN SHALL BURN gehen eine Viertelstunde darauf auf der Alternastage in die Startlöcher. Die Thüringer dürfte gefreut haben, dass auch der Sachsenring als möglicher Austragungsort 2015 im Gespräch war oder vielleicht noch ist. Dann wäre der nächste Trip an den Ring ein halbes Heimspiel. Ein tendenziell leichtes Spiel haben die deutschen Vorzeige-Death Metaller mit Ihrer Songauswahl, die sie in die knappe Stunde Spielzeit hineingepuzzelt haben. Das noch aktuelle Album „Veto“ und der 2006er-Erfolg „Deaf to Our Prayers“ stellen die Hälfte der elf Tracks und spannen damit einen Bogen über die Zeit seit dem Durchbruch der Band um Gesangstier Marcus Bischoff, der der Menge heute mal wieder nichts schenkt und die Crowd ordentlich mitgehen lässt. Eine Überraschung folgt auf das von mir (und der Mehrzahl der Leute) geschätzte Stück „Godiva“, als mit „Black Tears“ eine Coverversion zum Zuge kommt, die sich HSB bei ihren Kollegen von EDGE OF SANITY für das „Iconoclast“-Album ausgeliehen haben. Zwar sind die Thüringer für Ihren Hang zu Tributen an ihre persönlichen Faves bekannt, aber eine Berücksichtigung in einem verkürzten Festivalset ist eine (sehr angenehme…) Überraschung. Mit „Endzeit“ von gleichen Album und „Trespassing…“ lässt HEAVEN SHALL BURN eine begeisterte Menge zurück und tritt verschwitzt den Fußmarsch in die Unterkunft an.

Die obligatorische Pressekonferenz findet heuer bereits am Samstag statt und ich schlüpfe rechtzeitig vor dem Ende des Fotoshoots noch rein. Die Statements der bisherigen Bilanz des Festivals seitens Polizei und Fernseh-/Radiopartner SWR geraten in diesem Jahr etwas zur Pflichtübung, weil natürlich nicht das Hier und Jetzt annähernd so im Vordergrund steht wie das Fortbestehen des Festivals im 30. Jahr in 2015.

Kampfansagen hat es in den letzten Tagen dazu einige gegeben, deshalb prangt ein trotziges (aber auch überzeugtes..!!!) „Wir rocken weiter!!!“ auf den Leinwänden hinter dem Podium. Die Herren Lieberberg lassen den Stand der Dinge nochmals Revue passieren und geben klar zu verstehen, wer im Poker um das Event am und um den Ring das Heft in der Hand hat. Sichtlich angetan ist Marek Lieberberg von den Solidaritätsadressen verschiedener Künstler, wobei er eine Mail von Rea Garvey im Wortlaut verliest. Ansonsten bleibt man sich im Ablauf treu und verzichtet auf halbgare und vage Ankündigungen, welche Bands im kommenden Jahr auf den Plakaten stehen werden. Das ist aber keine Besonderheit in diesem Jahr sondern – zum Leidwesen der schreibenden Zunft – jedes Jahr so gewesen. Business as usual.

Zum Austragungsort des nächsten Festivals bestätigt Andre Lieberberg, dass bei sechs bis acht möglichen Orten das alte NATO-Hauptquartier im Nordwesten von Mönchengladbach in die engere Wahl genommen wurde. Gespräche, die die Angelegenheit weiter nach vorne bringen sollen, seien für den Dienstag nach Pfingsten vor Ort mit allen Verantwortlichen und der Bevölkerung anberaumt. Insofern sind alle Anwesenden herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Dann war es auf der Centerstage Zeit für eine Institution aus hiesigen Landen: DIE FANTASTISCHEN VIER. Diese stets gut gelaunten Herren – auch wenn sie jetzt schon einige Jährchen auf dem Buckel haben – wissen noch jede Halle und jedes Festival in Stimmung zu versetzen. Thomas D, Smudo und ihre Kollegen sind agil auf der Bühne unterwegs und untermalten ihre musikalische Darbietung mit pyrotechnischen Effekten. Sehens- und hörenswert, wie man mit Songs wie „Troy“ oder „Picknicker“ unter dem Logo der riesigen „4“ auf einer rundherum gold glänzenden Bühnendeko Vollgas gab.

Auf der Hauptbühne ging´s nun daran, den Tag gut zu Ende zu bringen und wer könnte das besser tun, als eine der größten Acts, die aktuell auf Tour sind und uns wirklich täglich im Radio vorgesetzt werden: LINKIN PARK. Die vielköpfige Formation um Chester Bennington und Mike Shinoda bringt ja in diesen Tagen des Jahres ein neues Album auf den Markt. Auch die dazugehörige Single hat schon massives Airplay erfahren und lässt sich gut hören.

Wie es sich für einen Headliner dieser Größenordnung gehört, gab es einen recht aufwendigen Bühnenaufbau, der u.a. das Schlagzeug trug. Verkleidet mit LED-Technik, die entsprechende Projektionen zuließ gab es so beeindruckende optische Effekte. Musikalisch sind LINKIN PARK ja eher eine Band, die Material liefert, das jetzt live nicht so spektakulär umsetzbar ist. Eine ausdrucksstarke Performance von Frontmann Chester Bennington (siehe Fotos) und das Abändern von bekannten Tracks in abgewandelte Versionen glich das aus und machte es wieder interessant. Es gab fast 30 Songs zu hören, mit dabei u.a. „One step closer“, „Papercut“, „Guilty all the same“ und die Tracks „Leave out all the rest“, „Shadow of the day“ und „Iridescent“ als Balladenmedley.

Nicht dass man das falsch versteht. Die Songs sind großartig und die Herrschaften zählen zu den Top-Vertretern der Szene und bestechen musikalisch durch Eigenständigkeit, aber es sind halt Tracks, die live – im Vergleich zur CD-Aufnahme – nicht so knallermäßig ´rüberkommen. Insgesamt aber lieferten LINKIN PARK einen würdigen Auftritt und wir wollen mal sehen, dass wir die Herren auch auf der Hallentour im Herbst vor die Linse bekommen.

Auch wenn die Hauptbühne schon Feierabend macht, geht es traditionell auf den Nebenbühnen bis in die Nacht fleißig zur Sache. So lieferten auf der Alternastage die „schweren Jungs“ von SLAYER (mit einem aufgrund des bedauerlichen Todes von Gitarrist Jeff Hanneman entsprechend adaptierten Line up) eine Stunden-Set ab, bevor Jan Delay ab 01:00 Uhr ein sogenannten Late Night Special ablieferte. Auch wenn man es auf den ersten Bick nicht denkt, aber der Mann hat Pfeffer und wer ihn vielleicht schon bei ROCK IM POTT (siehe unseren Bericht) gesehen hat, kann das bestätigen. Wer dann immer noch nicht genug hatte, konnte bis gegen 03:00 Uhr auf der Clubstage die müden Knochen bewegen, bevor der Weg Richtung Zeltplatz anstand.

Als SLAYER recht frühzeitig für das Billing des RAR bekannt gegeben worden sind, setzte bei mir das Grübeln ein, ob ich es mir antun will, diese „Rumpfband“ gegen meine Erinnerungen aus einem knappen Dutzend geilen und geilsten SLAYER-Konzerten (Stichwort: Clash Of The Titans) antreten zu lassen. Schlussendlich habe ich mir gesagt: Ohne Vergleich habe ich keine Berechtigung, ein Urteil abzugeben. Wohlan denn…

Mit zwei „World Painted Blood“-Tracks anzufangen (dem Titelstück und „Hate Worldwide“) fand ich schon mal nicht so gut. Hier hätten zwei Kracher aus den 80ern hin gehört, um gleich mal klar zu machen, was man noch immer drauf hat. Das folgende „Necrophiliac“ bedient schon mal wenigstens des richtige Jahrzehnt, aber rocken will mich das immer noch nicht. Paul Bostaph ist ein toller Drummer, ohne Frage. Aber wenn ich mit einem Golf oder einem Porsche eine Sonntagsfahrt machen kann, weiss ich doch auch, welchen Bock ich aus der Garage hole, oder? Mir fehlt der Drive, das Leichte an Dave Lombardos Stil, der einen SLAYER-Song auch im x-ten Durchlauf noch immer interessant macht. Mit dem Triple aus „Mandatory Suicide“, „Captor of Sin“ und „War Emsemble“ sind dann Songs an der Reihe, die auch beim Publikum erste echte und über die beiden ersten Meter vor der Bühne hinaus gehende Reaktionen hervor rufen. Kerry King, Tom Araya und ein gewisser Gary Holt schaffen es jetzt ansatzweise, an alte Klasse anzuknüpfen… um dann mit „Desciple“ im Repertoire wieder daneben zu greifen – schade!!!

Erst anschließend in der zweiten Hälfte bringt ein Triple vom „Seasons…“-Album eine Ahnung, wer da ja eigentlich auf der Bühne unterwegs ist und was diese Band schon bewegt hat. Der nächste brachiale Dreiklang aus „Rainin‘ Blood“, (plus einem eingeschoben, sich am falschen Platz befindenden, da bremsenden „Black Magic“), „South of Heaven“ und „Angel of Death“ sichern SLAYER auf den letzten Metern den Touch Down. Aber wenn ich mich richtig erinnere, gab es in keiner Ansage von Tom Araya eine Referenz in Richtung des gefallenen Kameraden Hanneman, obwohl fast alle Songs des heutigen Sets aus seiner Feder stammen. Auch das ist – im negativen Sinne – bemerkenswert. Im Ergebnis habe ich mit dem Kapitel SLAYER als Liveband mit dem heutigen Tage abgeschlossen.

Dank der großartigen und professionellen Organisation des Festivals werden die entlegenen Campingareale mit Shuttle-Bussen versorgt, so dass man eigentlich optimal zum und vom Festivalgelände kommt. Ansonsten konnte man natürlich Tag und Nacht die Zuschauermassen in Strömen entlang der Zufahrtsstraßen zu Fuß pilgern sehen, die die eher nahe gelegenen Zeltplätze ergattert hatten.

Nach einer mehr oder weniger langen (oder eben kurzen) Ruhepause ging es dann zum Endspurt. Tag 4 und damit der Tag des Abschieds stand an.

Der Sonntag – Time to say good bye.

Auch hier wieder ein Wort zum Wetter. Das war anno 2014 so ungewöhnlich, dass es einfach erwähnt werden muss. War es ja schon die letzten Tage heiß gewesen, so setzte der Wettergott zum Ring-Abschied noch einen drauf. Noch ein bisschen wärmer, aber das Ganze heute mal in drückend schwül. Beim bloßen Herumstehen lief einem schon der Schweiß am Arm herunter…und wer steht schon bei so einem Event einfach nur herum…aber die freundliche Security im Graben vor der Bühne verteilte fleißig Wasser an die Fans aus einer eigens zu diesem Zweck verlegten Leitung mit Zapfhahn.

Ein regelmäßiger und gern gesehener Gast am Ring sind die Floridanianer von TRIVIUM, denen es zufällt, zum Fünf-Uhr-Tee die Centerstage zu bespaßen. Das ist im Rahmen von 45 Minuten dann ein Unternehmen „sichere Bank“, denn mit den beiden letzten Alben „In Waves“ und „Vengeance Falls“ sind die Metalcore-Heroen spätestens in der ersten Liga ihres Genres unterwegs. Die seinerzeitige Single „Strife“ aus 2013 ist folgerichtig der Höhepunkt der ersten Hälfte des heutigen Programms. Welches dann eine Kurve durch das erste Bandjahrzent macht, wobei „Anthem“ und „Down From the Sky“ eindruckvoll belegen, dass der Erfolg der letzten zwei, drei Jahre kein Zufall ist. Das fulminante „In Waves“ setzt daher einen viel zu frühen Schlusspunkt und macht Lust auf Mehr, obschon Auftritte in Europa dieses Jahr über die Festivalsaison und den Juni hinaus bis dato leider (noch???) nicht geplant sind.

Schon zum guten Ton der letzten Jahre gehören die Mittelalter-Metaller von IN EXTREMO. Deutsche Texte und traditionelle Instrumente (neben den üblichen: Schlagzeug, E-Gitarre  etc.) sind die Trademarks der Formation. Es gab Songs wie den Set-Opener „Rasend Herz“ oder „Feuertaufe“ und „Himmel und Hölle“, während es auf und vor der Bühne schweißtreibend zur Sache ging. Optisch (bzw. auch akustisch) wurde der Auftritt von großzügigem Einsatz von Pyrotechnik ergänzt. Stimmung: gut!! Offenbar hatte man von Seiten des METALLICA-Tross verboten, die Bühnenausläufer in die Menge zu nutzen und der IN EXTREMO-Frontmann meinte, „die Amerikaner“ hätten ihnen die Nutzung verboten. Wenn es Probleme gebe, könnten sie sich ja bei Herrn Obama beschweren.

Weiter ging´s an gleicher Stelle mit dem amerikanischen Multiseller von ALTER BRIDGE. (Was die Hitze so mit einem machen kann: Hier unsere Version dazu wie der Bandname entstanden ist: Ein paar Jungs sitzen am Tisch und spielen. Kommt ein Kumpel dazu und fragt: „Mensch, was spielt ihr denn da – ist das Halma!?“ Antwort eines der Spieler: „Alter, Bridge!!“)

Im Ernst: ALTER BRIDGE haben absolut das Zeug dazu, Stadionrock zu spielen. Die haben die Fans im Griff und sorgen für Mega-Stimmung. Auch die bekannten riesigen roten SWR3-Bälle, die der Meute zum „Spielen“ gegeben wurden und die über die Zuschauer hüpften, sorgten für Freude. Nach den Jahren ihrer Existenz haben ALTER BRIDGE mittlerweile auch genug Material zusammen, welches Dank ausreichender Berücksichtigung in den diversen Musikmedien allgemein einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt, um damit einem Publikum in dieser Dimension amtlich einzuheizen. Mit Songs wie „Addicted to pain“, „Ties that bind“ und „Metalingus“ überzeugte man und für den weiblichen Anteil des Publikums gab´s mit Frontmann Myles Kennedy und seinen Mitstreitern (wie Mark Tremonti an der Gitarre) auch optisch was zu bestaunen.

Apropos Optik. Der nächste Act auf der Hauptbühne zog seine Bühnengestaltung in diesem Jahr deutlich spartanischer auf als zuvor. Die Friedhofskulisse wich einem schlichten Schwarz mit dem Bandlogo (Totenkopf mit Fledermausflügeln), den intensiven Einsatz von Feuersäulen, die aus dem Boden schossen, ließ man sich auch 2014 nicht nehmen. Optisch immer wieder ein Highlight sind die zahlreichen bunten Tattoos der Musiker. Auch wenn es auf Fotos unter diesen Bedingungen nicht so gut einzufangen ist, so könnt ihr doch einen gewissen Eindruck bekommen – schaut´s euch an. Die Bandmitglieder zeigten sich spielfreudig und agil, was auch die ausgeprägte Nutzung der Rampen um METALLICA´s Snakepit und damit den engen Fankontakt beinhaltete. Auch die eigene Bühne hatte entsprechende Rampen um das Drumkit herum.

Das Set umfasste eine Mischung von einem Dutzend alter und aktueller Songs, wie etwa „Bat country“, „Buried alive“, „Nightmare“ und den derzeitigen Ohrwurm „Hail to the king“.

Leider war der Sound beim diesjährigen Auftritt nicht so, wie man es von der Band gewohnt ist. Schade, denn die melodiösen Tracks kommen dann noch ganz anders zur Geltung. Andererseits ist das manchmal bei einer Open Air-Veranstaltung einfach auch nicht zu vermeiden, weil etwa der Wind etc. seinen Beitrag zur Soundqualität (bzw. zu deren Minderung) beiträgt.

Während man am heutigen letzten Auftrittstag des ROCK AM RING-Festivals am hiesigen Nürburgring auf den Nebenbühnen so bekannte Bands wie SEETHER, CRAZY TOWN, MAXIMO PARK, TRIGGERFINGER und MARTERIA erleben durfte, gab´s auch weniger populäre Formationen, die zu einem Kennenlernen einluden. Hier sind Namen wie LEFT BOY, NEW POLITICS, CHEVELLE oder RADKEY zu nennen.

Aber wie dem auch sei, ich denke, ein Großteil des Ring-Publikums wartete auf einen besonderen Auftritt der Rock-Legenden aus Nordamerika: METALLICA. Wenn man so lange im Geschäft ist, muss man sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Neuer Sound, Haare radikal kürzen oder eben eine Zuschauerumfrage, welche Songs man spielen soll. „METALLICA by request“ nannten die 4 Herren diese Aktion, wobei die meisten Titel bereits deutlich vorher feststanden, aber der allerletzte Track noch während des schon laufenden Konzertes mittels eingesandter SMS der Fans ermittelt wurde. Die Zwischenstände wurden dabei immer wieder – kommentiert von Frontmann James Hetfield – groß auf den riesigen LED-Wänden am Bühnenhintergrund bzw. auch neben der Bühne abgebildet.

Zu METALLICA kann (darf??? – oder vielleicht: muss???) man stehen, wie man will. Aber wenn es darum geht, mit spektakulären Aktionen als Liveband neue Wege zu gehen, sind die Speedgötter nach wie vor unschlagbar. Wer sich vorstellt, was passieren würde, wenn man JUDAS PRIEST vorschlagen würde, den Großteil des Repertoires zu rehearsen, um die Fans in einer Abstimmung Abend für Abend die Setlist neu bestimmen zu lassen, weiß, was ich meine. Also dafür schon mal „Hut Ab!“.

Es blieb bis zuletzt spannend. Was soll man über eine Band wie METALLICA sagen. Alleine die wiederholten Auftritte beim hiesigen Festival sind legendär. Man äußerte denn auch seinen Stolz, als „letzte Band“ hier aufzutreten. Das altbewährte Snakepit mit den Rampen rundherum, welches der Band einen intensiveren Kontakt zu den Fans ermöglicht und den auserwählten Menschen im Pit (die speziellen Bändchen mit der Zugangsberechtigung wurden über den Fanclub der Band verlost) die Chance auf Tuchfühlung mit ihren Stars zu gehen.

Die gigantischen Videoeinspielungen auf den in breiter Streifenform gestalteten Projektionsflächen zeigten marschierende Soldaten, Friedhofskreuze (siehe Foto) und mehr. Hatte es auch Gewitter- bzw. Sturmwarnungen gegeben, so hatte der Wettergott doch ein Einsehen mit den Fans. Wenn auch zwischendurch eine recht bedrohliche Wolkenfront durchzog, so blieb es – die kompletten 4 Tage (!!!) – trocken und das war echt der Hammer zum Abschied des Events.

Spielfreudig beackerten Bassist Rob Trujillo und Gitarrist Kirk Hammett die Bühne in ihrer gesamten Ausdehnung, während Drummer Lars Ulrich hinter seinem orange glänzenden Kit schweißgebadet trommelte. Der METALLICA-Frontmann schien ebenfalls guter Stimmung und ließ den einen oder anderen lockeren Spruch ab. Das Set war mit Klassikern aus verschiedenen Epochen gespickt (beispielhaft sollen „Battery“, „The unforgiven“, „Fade to black“ und der Coversong „Whiskey in the jar“ erwähnt werden), aber tendenziell gab´s wenig Neues. Ganz aktuell spielte man den Song „Lords of summer“ (sehr passend bei dem Wetter) vom zukünftigen Release. Durchschnitt würde ich sagen, aber sicher nicht schlecht. Teils setzte man Lasereffekte ein, die aber nicht so hundertprozentig ins Konzept passten und leider war der Sound – zumindest nah vor der Bühne sehr laut und qualitativ nicht so der Knaller.

Abschließend kann man aber den Auftritt der „Four horsemen“ als gelungen bezeichnen. Cool waren auch die einzelnen Fans, die in einem bestimmten Bereich auf der Bühne (!!) am Rand stehen durften und dann einzeln zu Mr. Hetfield ans Mikro durften, um den nächsten Song anzusagen. Ich denke und hoffe, diese 4 Herren werden auch in den kommenden Jahren die neue Spielstätte von ROCK AM RING beehren…

Zum Abschied des Festivals an der Rennstrecke in der Eifel bleiben einige Fragen offen, die wohl in den kommenden Monaten geklärt werden. Wo findet ROCK AM RING 2015 statt? Gelingt es dem neuen Ringbetreiber ein ordentliches „Konkurrenzfestival“ (denn das ist es nicht zuletzt aufgrund des gleichen Datums!) auf die Beine zu stellen? Für welches Festival werden sich die Fans entscheiden? Und die großen Bands? Wird das Wetter am neuen Standort in den kommenden Jahren beständiger? Wird es auch dort eine feste Logistik mit Gebäuden geben oder wird es eine reine Zeltstadt bzw. ein Containerdorf sein? Fragen über Fragen. Wir werden euch umgehend mit Informationen beliefern, wenn wir sie bekommen.

Bis dahin…einen schönen Sommer!!

Kurzer Nachschlag (vom Pfingstdienstag:

Von der Bürgeranhörung am Pfingstdienstag können wir zwei wichtige Ergebnisse berichten: Zum einen haben alle Verantwortlichen seitens der Stadt, des Bundes als Hausherr in der ehemaligen Kaserne sowie der Sicherheits- und Ordnungskräfte signalisiert, dass man Marek Lieberberg und sein Festival gerne in Mönchengladbach willkommen heißt. Eine der noch bestehenden Hürden ist ein Verkehrserschließungskonzept für die mehr als 80.000 erwarteten Besucher und Teilnehmer der Veranstaltung. Hier soll im Juli noch einmal über einige Lösungsansätze gesprochen werden, die die Profis im Team um die Herren Lieberberg aber zuversichtlich angehen.

Zweitens ist es ein starkes Signal, dass die Mehrheit der Anwohner dem Projekt „Kasernen-Rock“ positiv gegenüber steht. Man will der Veranstaltung eine Chance geben und sich im kommenden Jahr ein Bild davon machen, ob und wenn ja in welchem Maße eine Veranstaltung, die doppelt so groß ist und dreimal so lange statt findet wie ein Open Air im Borussenstadion, die Nachbarschaft beeinträchtigt. Der Vergleich mit Wacken und seinen Bewohnern machte dazu im Publikum die Runde. Das ist ein wichtiger Vertrauensvorschuss für die Veranstalter.

 

(Bericht von Dirk Limberg & Amir Djawadi - Fotos von Amir Djawadi)

 

 



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