Section: Festivals 25692Autor: Amir
Datum: 27.10.2013
Bereich: Festivals









































































Keine ultragro├čen Namen, Auf- und Abstieg von Bands und Musikern und erstaunlich trockenes Wetter

ROCK AM RING 2013 - 07.06-09.06.2013 - N├╝rburgring

LIMP BIZKIT, NEWSTED, KORN, PAPA ROACH and many more...

So könne man eine Verdichtung im Mittelfeld erreichen und der Klassenunterschied sei nicht so groß). Auch wenn wir weiß Gott genug anderes zu berichten haben: man muss bei diesem Event immer auch mal über das Wetter reden, dazu also später mehr...

Freitagmittag - ROCK AM RING-Wochenende und es zeigt sich ein ungewohntes Bild: die Sonne lacht. Immer mal wieder Wölkchen am Himmel aber insgesamt ziemlich warm bei etwa 24 Grad! Trocken und ein laues Lüftchen, so kann´s losgehen.

Die Alternastage - dieses Jahr von Warsteiner mit einem Namen bedacht - machte den Anfang bzgl. unseres Interesses.

Das erste Mal KORN an diesem Freitag bildet den Auftakt vor der Alternastage. Denn mit LOVE AND DEATH hat der ehemalige Gitarrist Brian Welch ein neues – und wie man sich hautnah überzeugen kann – starkes Bandprojekt am Start. Mit dem im Januar erschienenen „Between Here & Lost“-Album konnte die Band mehr als nur einen Achtungserfolg verbuchen (und sich wohl folgerichtig über einen Anruf von Familie Lieberberg freuen…). Konsequenterweise sind „Paralyzed“ und „Chemicals“ die beiden Stücke, die von der Menge auch am enthusiastischsten abgefeiert werden. Und ich habe einige Leute maulen hören, die nach knapp 25 Minuten noch nicht genug hatten. Hier wäre mehr (Spielzeit) ganz eindeutig besser gewesen.

Da auf den anderen Bühnen der Startschuss noch nicht gefallen ist, verweilen wir noch hier und nehmen auch THE GHOST INSIDE mit. Hardcore aus Kalifornien. Unter anderem spielte man für uns die Songs "Engine 45" vom aktuellen Release "Get What you Give" und "Between the Lines" vom 2010er Album. Die Band brachte den Fans brachiale Musik, wurde aber gut angenommen. Crowdsurfing im große Stil. Kam gut an, die Band, und scheint auch schon recht angesagt zu sein.

Und hopp! Wechsel zur Hauptbühne, die neuerdings vom Autohersteller SEAT gefeatured wird. Während heute auf der mittleren Bühne fast durchgehend die harten Töne angeschlagen werden, ist auf der Centerstage ein gemäßigteres Programm am Start.

IMAGINE DRAGONS waren da unser erster Anziehungspunkt - eine Band, die wir wegen Terminüberschneidungen auf der Tour - das Kölner Konzert hätte sich da ja angeboten - nicht sehen konnten. Schon der Hammer, wie die Herrschaften aus Las Vegas die Massen vor der Bühne im Griff hatten. Trotz der Sonne, die vom Himmel knallte, waren tausende Hände im Himmel und klatschten, um die Band um Frontmann Dan Reynolds anzuheizen.

Das war eigentlich gar nicht nötig. Nicht nur die Temperaturen sondern auch die aktive Performance des Sängers ließen ihn rasch warmlaufen. Spätestens mit der Single "Radioactive", die ja wirklich Jeder aus dem Radio kennt, war für beste Stimmung gesorgt.

Schnell zu BRING ME THE HORIZON...aber es reicht nur noch dazu, die letzten Töne der Band mitzubekommen. Dann folgten auch schon nach einer entsprechenden Umbaupause A DAY TO REMEMBER.

U.a. mit dem Song "My Life for Hire" vom 2011er Release "Homesick" wurden die Fans bedient. Das Material war recht abwechslungsreich, wobei mir die melodischen Anteile persönlich besser gefielen, als das rohe Geknüppel. Alle Bandmitglieder zeigten sich agil und bewegungsfreudig auf der Bühne. Ein dichter Menschenteppich vor der Alternastage honorierte dies. So gab´s dann noch Songs wie "All I Want" vom aktuellen Album "What Separates Me from You". Am Ende warf man einige Klorollen ins Publikum - habe ich so auch noch nicht gesehen. Die Fans dankten der Band für ihren Einsatz mit Circle Pits.

Große Schatten werfen anschließend ihre Ereignisse voraus, denn unter den milden Klängen des Popradios von SWR-3 machen sich eifrige Helferlein daran, den Bug eines Wikingerschiffes etwas erhöht in der Bühnenmitte aufzubauen. Es ist demzufolge Zeit für AMON AMARTH, die heute die hartmetallische Fahne ziemlich alleine hochhalten müssen. Das allerding gelingt den fünf Schweden um Frontmann Johan Hegg problemlos. Der Chef steht durchgehend in einer Mischung aus „Häger der Schreckliche“ und „Titanic“ an den Drachenkopf geklammert und lehrt akustisch den anwesenden Hobbyheiden das Fürchten. Das 50 min.-Set bietet einen guten Querschnitt mit Schwerpunkt auf das „Twilight…“-Album und das noch aktuelle „Surtur Rising“. Aber wo man gerade so schön beisammen ist, nutzen die Nordmänner die Gunst der Stunde, um mit „Deceiver of the Gods“ das Titelstück des in zwei Wochen erscheinenden brandneuen Albums am lebenden Objekt auszuprobieren. Stilistisch bleibt man sich natürlich treu, deshalb ist es kein Wunder, dass das bereits beeindruckend zahlreiche Publikum sich genreübergreifend für diese Premiere begeistern kann. Ich habe mir jedenfalls notiert, im Herbst nach Terminen auf der „richtigen“ Tour Ausschau zu halten.

Nach einer Abendmahlzeit zurück zur "Arbeit". Auf der Alternastage wird nach den BROILERS (die haben wir verpasst) wieder amtlich gerockt. Eigentlich sind BULLET FOR MY VALENTINE schon fett im Geschäft, aber man bekam anno 2013 die Nebenbühne zugeteilt. Das tat der Stimmung auf der Bühne und in der Crowd aber keinen Abbruch.

Auf die Ohren gab´s für uns Tracks wie "Waking the Demon". Hände zum Himmel und Mitsingen.. Dazu Posen an der Gitarre (siehe Fotos). Ich finde ja immer, das geht mit einer Flying V noch mal so gut. Langsam war es auch dunkel genug, damit die Lichtanlage ansatzweise zur Geltung kam. Das ist halt ein Vorteil, wenn man abends auf die Bühne darf.

Für viele das Highlight des ersten Tages, nachdem man schon am Nachmittag eine Pressekonferenz mit 150 geladenen Fans abgehalten hatte: 30 SECONDS TO MARS.

Wie es bei Headlinern oft so ist. Vor dem Auftritt viel Bewegung und Geschäftigkeit auf der Bühne. Diese wurde abgehängt, mit einem Vorhang, der bei Licht durchlässig war und z.B. den Blick auf den Drumroadie beim Soundcheck preisgab. Frontmann Jared Leto und seine Band wirkten spielfreudig und agil. "This is War" und andere Stücke sorgten dafür, dass die Meute vor der Bühne gut mitging. Ein optischer Knaller waren zig riesige bunte Luftballons, die über den Zuschauern "tanzten". Klasse!

Auf der mittleren Bühne näherte sich der Festivaltag langsam dem Finale und so gab´s LIMP BIZKIT zu bestaunen. Große Resonanz auf Shouter Fred Durst, der gewohnt mit roter Basecap - aber ungewohnt mit Vollbart - über die Bühne wieselte.

Von der zu erwartenden Setlist hatte ich schon im Vorfeld gehört, deshalb stieg die Vorfreude, als mit „Rollin‘“ der Auftritt lautstark eröffnet wurde. Denn der Song bildete den Auftakt zu den Feierlichkeiten anläßlich des 13jährigen Jubiläums des „Chocolate Starfish…“-Albums. Der dritte Streich der Band aus dem Jahre 2000 wurde mit nicht weniger als sieben Songs und damit knapp der Hälfte des Gesamtauftritts gefeatured. Für Liebhaber der Band natürlich an sich schon ein Highlight. Aber um das noch zu toppen, gingen LIMP BIZKIT dazu über, einige sehr sehr geile Coverversionen einzustreuen, eingeleitet von passenden und unpassenden Anekdoten, wie und warum hier und jetzt genau diese Hommage gespielt werden muss. Neben einem langen Medley aus Metallica/Megadeth/Guns’n’Roses/Kiss und Nirvana (!!!) zollte man auch RATM sowie The Who (mit dem von der Band seit 10 Jahren vereinnahmten „Behind Blue Eyes“) Tribut. Dazwischen wurde es kurz mit dem unverwüstlichen „Faith“ von George „Wham!“ Michael ein bisschen kinky. Insgesamt eine grandiose Auswahl und eine tolle Idee für das Publikum der Sommer-Open Airs.

Unseren persönlichen Abschluss des Heavy-Tages bildeten KORN. Jonathan Davis - da waren wir uns einig - wirkte deutlich schlanker als noch bei vergangenen Auftritten und außerdem trug er mal Hose (statt Rock). Hoffen wir, dass er seinen Gewichtsverlust einem gesünderen Lebensstil und nicht einer bösen Erkrankung zu verdanken hat.

Auch KORN waren mit Ihrem Jubiläum etwas schräg unterwegs, denn erst im Oktober nächstes Jahr wird das gleichnamige Debütalbum 20 Jahre alt. Dennoch bildete es trotz des absolut beeindruckenden Backkatalogs dieser Spaßgaranten das Rückgrat eines wie immer mehr als zufrieden stellenden Headliner-Auftrittes auf der „kleinen“ Bühne. Hier nach rund 80 Minuten nur von Vollbedienung zu sprechen, wäre grob untertrieben. Bis auf die Anhöhe Richtung Centerstage war ein Menschenmeer permanent in Bewegung und dabei textfest wie ein Gospelchor. Ich habe am Fotograben gestanden und konnte sehen, dass hier die Security am Gatter zusammen mit den Sanis noch einmal im Endspurt des Tages ALLES geben musste, um zahlreiche total Erschöpfte aus der Menge zu ziehen. Als der Zugabenteil mit „Get Up!“ eingeläutet wurde, hat so mancher die letzen Reserven mobilisiert, um wenig später mit „Freak on the Leash“ in das ganz private Aftershow-Vergnügen entlassen zu werden.

So endete also der erste Tag der 2013er Ausgabe von ROCK AM RING...

Samstag, der 08.06.2013 - beim morgendlichen Aufwachen präsentierte sich das Wetter ebenso freundlich wie am Vortag. Blauer Himmel und Sonnenschein. Aber gut, bis am späten Mittag die erste Band ihren Auftritt hat, vergeht ja noch eine ganze Weile. Am heutigen Festivalsamstag lag der Schwerpunkt unseres Augenmerks auf der Centerstage. Einige Bands der härteren Gangart wie z.B. VOLBEAT und STONE SOUR haben ja mittlerweile einen derartigen Zuspruch, das man absolut berechtigt auf der Hauptbühne einen Platz bekommen hat.

Hey Leute, wir sind bei ROCK AM RING. Habt ihr echt gedacht, das geht ohne Regen ab!? Zu PAPA ROACH gab´s einige dicke Tropfen. Tat der guten Stimmung aber erst einmal keinen Abbruch. Sänger Jacoby Shaddix zeigte sich blondiert und damit etwas verändert zum 20-jährigen Bestehen als Rockband. Dieses Jubiläum feiert man dieses Jahr.

Am Vortag habe ich ein kleines Highlight klar gemacht. Marlon, der Chef of the House an der Alternastage gewährte mir während der Auftritte der ersten Bands am Nachmittag eine exclusive Führung durch die Eingeweide der Alternastage, die sonst nur seinen Technikern und den Bands und ihren Crews vorbehalten sind. Beeindruckend ist das ausgeklügelte System von Rampen, um den Auf- und Abbau von z.B. Drum Kits oder Dekoelementen zeitsparend zu organisieren. Sofern die Elemente nicht bereits auf Rollpaletten fertig aufgebaut im Truck ankommen, werden sie auf der „In“-Rampe entsprechend organisiert. Der Truck fährt dann während des Auftritts zur „Off“-Rampe, um die Paletten oder das wieder abgebaute Equipment sowie bandeigene PA aufzuladen. Spezielles Lichtequipment oder spezielle Elemente wie z.B. hängende Videoleinwände werden einen Tag vorher bzw. am Vormittag vormontiert und am Bühnenhimmel aufgehangen. Dabei gilt: Je früher der Auftritt, desto weiter vorne ist das Equipment angebracht. Das hat den Vorteil, dass das zum Headliner hin immer umfangreichere Equipment auch eine nach hinten in den Abmessungen zunehmende Bühne zur Verfügung hat. Die Headliner haben in der Tiefe folgerichtig den meisten Platz. Ich bin schwer beeindruckt, dass diese ganze Chose so reibungslos läuft wie auf einem Rangierbahnhof und bedanke mich herzlich bei Marlon für den Spezialtrip.

Australien hat nicht nur Kängurus und AC/DC zu bieten. Das zeigen AIRBOURNE.

Acht Songs in 45 Minuten machen klar, dass hier erneut keine langen Balladen zum Zuge kamen sondern ein immer wieder auf Neue aufregender Mix aus dem Besten von MOTÖRHEAD bis zu den unverwüstlichen AC/DC (bei denen auch ich als viermillionster Pressefritze nicht versäumen möchte, zu erwähnen, dass stilistische Vaterschaftsklagen ebenso fruchtlos abgeschmettert werden würden wie bei Boris Beckers Wäschekammer-Bastard). Nein ernsthaft: warum soll man etwas lassen, wenn man es (sehr) gut und mit einer wiedererkennbaren eigenen Note zeigen kann? Eben! Ein schönes Schmankerl für die Fans unmittelbar vor der Bühne war Joel O’Keffes Ausflug ins Publikum während „Raise the Flag“ in der Mitte des Auftritts. Aber ganz abgesehen davon konnten sich die Einheizerqualitäten der Aussies mehr als sehen lassen. Die anhaltenden Zugaberufe gaben deutlich die Meinung des Publikums wider (mussten allerdings – den Hausregeln folgend – unerhört bleiben, leider!!!).

Gegen Abend enterten dann Corey Taylor und STONE SOUR die Centerstage.  Die Herrschaften haben sich mittlerweile auf die Hauptbühne hochgearbeitet. Der Frontmann lässt sich offenbar derzeit die Haare länger wachsen. Ein Dutzend Songs, darunter das BLACK SABBATH-Cover "Children of the Grave" wurden den Fans dargeboten. Dabei beackerte der Sänger gewohnt lebendig die Bühne in ihrer ganzen Breite. Teils sprang er auch auf den Kamerasteg, um mehr Nähe zum Publikum zu erreichen. Gitarrengewitter, donnernde Drums...mächtig Alarm.

Heute gab´s auch die traditionelle Pressekonferenz, bei der die Festivalverantwortlichen (Veranstalter, Polizei etc.) Zahlen und Daten zum Festival verkünden. Einmal mehr war der Ablauf soweit - gemessen an der riesigen Menschenmenge - friedlich. Der Fan mit der weitesten Anreise (soweit bekannt) soll ein Bewohner aus Moskau sein, der 3 Tage mit dem Motorrad fuhr, um das Festival zu erreichen. Weitere interessante Fakten? Das Festival benötigt 1500 Securityleute und ebenso viele Menschen im Gastrobereich. 10 Kilometer Zaun werden errichtet, alleine im Innenbereich gibt es 500 Toiletten. Das Catering für Bands und Crews liefert 4000 Essen. 2000 Handtücher werden genutzt. Ist schon eine echte Mammutveranstaltung.

Auch ein anderer großer Name mit massivem Radioairplay ist erneut auf der Centerstage aktiv. Die Skandinavier von VOLBEAT, die sich dank intensivem Live-Touren einen entsprechenden Namen erspielt haben.

Denjenigen, die die Befürchtung hatten, aufgrund des neuen Bookingkonzeptes bald keine ganz großen Festivalacts mehr zu sehen, sprach der Veranstalter beruhigend zu. Auch die ganz Großen der Szene werden in den kommenden Jahren wieder zu sehen sein, aber man müsse halt auch dem Nachwuchs eine Chance geben und die Megaacts von Morgen "aufbauen". Bands wie VOLBEAT am heutigen Abend, die ganz amtlich die zigtausenden Leute vor der Hauptbühne rockten und das Publikum begeisterten. Sie zeigten den Aufstieg von den Nebenbühnen in den letzten Jahren. Verstärkt durch den ehemaligen ANTHRAX-Gitarristen Rob Caggiano und mit den gewohnt ansehnlichen Backdrops und Ampverkleidungen überzeugten die Herren von VOLBEAT und stellten für manchen Festivalbesucher ein Highlight dieses Tages dar.

Dank ausgeprägter Heavy Rotation auf den nennenswerten Radiostationen des Landes haben VOLBEAT auch in der breiten Masse mittlerweile ein echtes Standing.

Im Anschluss rückte die Alternastage ein letztes Mal für heute in den Fokus. Mitten in der Menge warte ich auf HURTS, Gottes Antwort auf die Daseinsberechtigung als New Wave- und New Romantic-Fan der frühen 1980er Jahre. Ein zwischen den beiden Alben der Briten ausgewogen gestaltetes Set eröffnet mit „Exile“, um den scheu wirkenden Background-Tänzerinnen Gelegenheit zu geben, sich an die Arena zu ihren Füßen zu gewöhnen. Man ist ja Gentleman! Aber schon mit „Miracle“ gefolgt vom Charthit „Wonderful Life“ ist die Menge nicht mehr zu halten. Eine in kühlen Farben gehaltene Lichtshow unterstreicht phantastisch die Atmosphäre der Songs. Zur Kühle kommt die Coolness, besonders von Sänger Theo Hutchcraft, der das Geschehen fast gelangweilt wirkend von der Bühnenmitte aus beherrscht und dirigiert. Hier weiß jemand, das ALLE Augen bei ihm sind…

Den Quasi-Best Of-Teil des Sets beendet die aktuelle Singleauskopplung „Somebody to Die For“, danach schlägt mit weniger bekannten Tracks die Stunde der Fans, die ausdrücklich wegen HURTS (noch) vor der Bühne stehen. Ein stimmiges Set findet nach rund einer Stunde mit „Stay“ (hahaha…) ein zwar fulminantes, aber ein bißchen enttäuschend frühes Ende.

Ganz anderer Stil und schon viele Jahre (es sind bald 25!!) im Geschäft sind THE PRODIGY. Auch wenn man vielleicht mit der Art der Musik weniger anfangen kann, so wurde doch hinsichtlich Licht und Sound einige Schmankerl geboten. Aber akustisch kann man sich das als Metaller echt nicht lange geben. Sorry!

Wenn auch nicht gerade das musikalische Hauptthema unserer Seite, so konnte man mit der fetten Licht- und Soundshow und mit ordentlich Energie in der Performance überzeugen. Von einer kurzen aber "ordentlichen" Regenphase abgesehen blieb auch Tag 2 des diesjährigen Events wettermäßig insgesamt angenehm.

Also auf in die dritte Runde - mit dem Sonntag stand der letzte Tag des ROCK AM RING-Events an. Auf der Pressekonferenz hatte man übrigens offengelassen, ob es 2014 anlässlich der Rückkehr zum Pfingstwochenende ein Festival über vier Tage geben wird. Das wolle man intern abwägen und spätestens zum VVK-Start bekannt geben. Aber immerhin: Trotz der politischen Querelen um den Ring und seine finanzielle Zukunft steht man in Treue fest zu diesem einzigartigen Standort. Auch eine (sehr) gute Nachricht. Man darf gespannt sein.

Das gilt auch für das Wetter am Sonntag. Der Himmel zeigte sich trüb und schon mittags gingen leichte Schauer nieder. Für den Abend waren dann stärkere Regenfälle angesagt. Gehört ja irgendwie dazu bei diesem Festival am Nürburgring. Auch wenn man gut ohne auskommen würde. Zumal der Wettergott meistens kein Maß findet und es anstelle eines angenehm abkühlenden Schauers oft in einen sintflutartigen Platzregen ausartet. In den vergangenen Jahren waren ja schon mal gerne die Headliner (COLDPLAY etc.) betroffen.

Bleibt abzuwarten, was da heute noch so an Wind und Wetter auf die Festivalbesucher zukommt. Nachdem einige weniger populäre Acts die Bühnen bespielt hatten, sind wir dann bei einer ebenfalls bei ROCK AM RING beliebten Band eingestiegen: BAD RELIGION. Mittlerweile auf die Hauptbühne vorgestoßen, gab sich die Band um Frontmann Greg Graffin (Die Rezension zu seiner Biografie kann ich empfehlen --> siehe unter "Books") einmal mehr die Ehre. Rechnerisch war man jedes dritte Mal bei ROCK AM RING dabei - insgesamt 7 Mal!! Eine stolze Hausnummer!

Für mich ist es fraglich, ob es eine andere Band gibt, die öfter bei diesem Event auf der Bühne gestanden hat!? Wie auch immer. Ihr Alter und die vielen Jahre auf Tour merkt man den Herrschaften aus L.A. nicht wirklich an. Auch wenn  man zu einer recht frühen Uhrzeit ran musste und nur eine Dreiviertelstunde Gas geben durfte, gelang es, die schon ansatzweise durchnässte Meute vor der Centerstage in Wallung zu bringen. Der ordentliche Regenguss kurz zuvor hatte schon seine Wirkung gehabt. Beim eigentlichen Gig von BAD RELIGION blieb es dann aber zum Glück weitestgehend trocken.

Am Ende des Sets durfte dann auch der Drummer Sänger spielen, als er (spontan!?) vom Frontmann das Mikro hingehalten bekam.

Der Platz der Kuttenträger war an diesem Sonntag ganz eindeutig vor der Club Stage. Bei der Abendverpflegung (am späten Nachmittag) geniesse ich aus einiger Entfernung BULLET, um mich für den weiteren Abend zu stärken. Menschen wie Sänger Dag „Hell“ Hofer, die über sich und das Genre gleichermaßen laut lachen können und dabei auch noch handwerklich bzw. stimmlich was drauf haben, sind mir sowieso vorbehaltlos sympatisch. Und die sicher als parodistische Einlage eingeplante Verpflichtung der Schweden gerät während der ihnen zugestandenen 40 Minuten doch zu einer gelungenen Empfehlung des eigenen Repertoires. MICH jedenfalls konnten die Jungs gut unterhalten und überzeugen. Bemerkungen aus der Reihe vor mir, es hier mit „Tenacious D. für Arme“ zu tun zu haben, waren nach meinem Dafürhalten fehl am Platze!!!

Next up: SIMPLE PLAN. Das rief die kreischende Damenwelt auf den Plan. Fast 15 Jahre hat die Formation um Sänger Pierre Bouvier schon auf dem Buckel und auch hier und heute auf der Hauptbühne wusste man die Massen zu begeistern. Wer´s braucht...

Wechsel zur Clubstage. Da gab´s IN THIS MOMENT zu bestaunen. Die Band präsentierte ein optisch durchdachtes Konzept. Böse geschminkte Gitarristen und eine blonde Sängerin die ebenfalls kostümiert auftrat und ihre Rolle entsprechend spielte. Harte Gitarrensounds und die klare Stimme von Maria Brink sind die Markenzeichen der Band aus Los Angeles. Totenkopfschädel auf Stangen rahmten die Frontfrau ein und waren Teil der optischen Aufmachung. ARMY OF LOVERS für die Hartmetaller quasi. Irgendwie schon ganz interessant aber auch nicht so herausragend besonders, dass man sich das länger ansehen muss oder sich gleich die CD kauft.

Ein Dutzend Jahre ist es bereits her, dass er METALLICA hinter sich gelassen hat. Der kultige Bassist namens Jason Newsted.

„Clean Good Familiy Entertainment“ zur allerbesten Serndezeit. Ich habe Jason “NewKid” seit dem Ausstieg bei METALLICA – wohl wie die allermeisten von uns – nicht mehr gesehen und war mehr als gespannt! Was dann kam, hat mich nach weniger als 30 Sekunden umgeblasen: Ein Bass, plüschig wie eine Bullenpeitsche, dazu ein tightes Drumming eines Mannes namens Jesus (kein Scherz) und eine Rotzstimme, die METALLI-who? besser auf der „Load“-CD zum Zuge hätten kommen lassen. Wer die EP bereits kannte: forget it!!! Hier war der Meister persönlich vom Olymp herabgestiegen, um für den Metal den Bassbogen zu spannen. Nach dem bekannten Opener „Heroic Dose“ ging es sofort zum neuen Material des im August erscheinenden Albums, auf dem es mit „Skyscraper“ und „Soldierhead“ nicht minder heftig und textlich sarkastisch zur Sache geht. Einige METALLI-fuck-Fans hatten genauso wie ich vor Begeisterung ein bißchen Pippi in den Augen. Hier und heute schlug das feuerrote Herz des wahren Heavy Metal. „As the Crow Flies“ und „Long Time Dead“ schalteten dann einen Gang zurück, bevor „King of the Underdogs“ wieder den Groove predigte. Sichtlich von den Reaktionen des Mobs begeistert, ging Jason zum Solo des Songs über, in diesem Falle der Bridge von – YESSS!!!! – „Crrrrrreeping Death“!!!!! Das war gleichzeitig das Signal zur Attacke, welches einigen Wenigen in der Menge wohl noch gefehlt hatte. Satan hätte leichtes Spiel gehabt, wäre er jetzt vorbei gekommen, denn ausnahmslos JEDER hätte ihm seine Seele in diesem Moment achtlos hinterhergeschmissen. Noch einmal Tempo-30-Zone vor der Zielgeraden mit „Twisted Tail“ vom Album. Dann erklärt Jason, dass der Band der nächste Song nicht gehöre, aber man die Absicht habe, ihn sich zu Eigen zu machen. Und in die fragenden Gesichter fliegt ein Wort: WHIPLASH!!!!!! – Damen und Herren am Bildschirm: Man muss in der Bootleg-Ecke einer gut sortierten METALLI-forget it-Sammlung schon mal bis zur Master of Puppets-Tour mit Cliff Burton (R.I.P.) zurück gehen, um vergleichbares zu hören zu bekommen. Der Song ist hier und heute eine Geröll-Lawine, die dich taub macht, bevor sie dich erstickt und Haut und Knochen zu Matsche zerreibt. Unbeschreiblich. Der Geschmack der Farbe Rot ist 9! Anders kann man es nicht sagen. Bang the Head That Does Not Bang! Nach 29 Jahren habe ich es endlich verstanden und kann erleuchtet in die Nacht entgleiten. Danke, Jason!!!

Während des ganzen Tages und nachdem der Regen sich verzogen hatte, lag dichter Nebel um das Festivalgelände herum auf den Wäldern und Feldern. Wo man an den Tagen zuvor noch kilometerweit schauen konnte, blickte man nun vor eine weiße Wand. Gespenstisch!

Aber wenigstens blieb es für den Rest des Tages weitestgehend trocken (den zeitweiligen Nieselregen wollen wir jetzt mal nicht erwähnen).

Auf der Centerstage gab´s derweil eine der populärsten Bands des Festivalwochenendes zu bestaunen: GREEN DAY.

In den Augen des amerikanischen Establishments ganz sicher weit oben auf der Public Enemy-Liste - hier am Ring gaaanz oben auf der Fave-Liste einer Zuschauermasse, die im fahlgelben Licht der Scheinwerfer im Gelände Richtung Horizont im Nebel verschwimmt. Unter den Klängen einer bekannten Melodie aus einem nicht minder bekannten Western, die eigentlich zum Set einer anderen sehr bekannten amerikanischen Metalband gehört, geben GREEN DAY die Losung des Abends heraus: "Revolution 99". Das Album-Triple aus dem vergangenen Jahr und der Multi-Millionen-Seller "American Idiot" sind der Hintergrund, vor dem in über zwei Stunden eine eindrucksvolle Best-Of-Parade von einem total ausflippenden Publikum abgenommen wird. Was U2 textlich und stilistisch dem Mainstream und der 1980er-Generation zu sagen hat, bringen GREEN DAY für die Generation Web zur Sprache. Jeder Song sitzt wie eine Eins und der Spass der Band ist ihr auf den Bildschirmen überdeutlich anzusehen. Einzelne Songs kann man nur hervorheben, wenn man persönliche Lieblingslieder anspricht. Aber wenn geschätzt 50.000 Menschen die Lyrics von "Boulevard of Broken Dreams" übernehmen, kann das keinen geistig gesunden Musikfan unberührt lassen. DAFÜR ist ROCK AM RING gemacht!!! Kurz vor der Zugabenpause kommt ein Medley daher, welches TEARS FOR FEARS ("Shout"), THE ROLLING STONES, MONTY PYTHON und THE BEATLES in einem Rutsch abarbeitet. Krasse Mischung, tolle Idee. Nach kurzer Pause und drei Zugaben weiß jeder, warum GREEN DAY der Sonntags-Headliner waren...

Parallel legten später auf der Clubstage COHEED AND CAMBRIA los. Eigentlich mag ich diese Band ziemlich gerne. Frontmann Claudio Sanchez mit seiner markanten Stimme und seine New Yorker Band haben mich aber bei ROCK AM RING schon deutlich mehr überzeugt. Auch wenn man sich anno 2013 alle Mühe gab, so kam einem als Zuschauer die Songauswahl doch vor wie ein großes Einerlei. Als wenn man zehn Mal hintereinander den selben Track gespielt hätte. Keine Spannungskurve, keine Highlights. Schade! Da hatte ich mich echt auf den Auftritt gefreut und wurde ziemlich enttäuscht.

Was da den Abend und damit den Abschluss des diesjährigen ROCK AM RING-Events noch retten konnte, war ein energiegeladener Auftritt der Amerikaner von FIVE FINGER DEATH PUNCH. Die Herrschaften hatten in der Vergangenheit schon einen Nachmittagsslot auf der Hauptbühne gehabt. Jetzt durfte man also den krönenden Abschluss der Nebenbühne am letzten Abend bilden. Aus meiner Sicht ein Aufstieg.

Und für nicht wenige sogar der heimliche Sonntags-Headliner. Bei der Produktion des neuen Albums auf der Zielgeraden hatten 5FDP im Vorfeld angekündigt, ein Old School-Set zu spielen. Das mündete in einer ausgiebigen Hommage zugunsten der ersten beiden Alben, die zusammen Zweidrittel des einstündigen Auftritts beisteuerten. Was diese Jungs groß gemacht hat: kompromissloses Nach-vorne-gehen und der richtige Anteil Brutalität in den Songs - das wurde 60 Minuten lang eindrucksvoll unter Beweis gestellt. "Bad Company", das Cover der gleichnamigen Bandvorbilder, fügte sich anstandslos Mitte des Sets in die Atmosphäre des energiegeladenen Auftritts. Mit "Lift Me Up" gewährte man dann doch noch einen - durch das Airplay schon bekannten - Einblick in das neue Material. Mit "The Bleeding" und "War is the Answer" vertagte man sich im Anschluss jedoch auf die für November angekündigte Hallentour.

Und so wie man ein ganzes Jahr auf dieses Festival gewartet hatte, so ging auch dieses Wochenende wie im Flug vorbei. Neue Bands, Altgewährtes, Fast Food und Regenschauer. Ein gelungener Stilmix bei der Musik und definitiv genug für uns als Fans der harten Musikrichtung. Wir hoffen, unser Bericht hat euch gefallen und die zahlreichen Fotos haben eure Augen erfreut. Wir bemühen uns , auch 2014 wieder für euch an vorderster Front mit dabei zu sein...wait for it!

 

(Bericht von Dirk Limberg & Amir Djawadi - Fotos von Amir Djawadi)

 



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