Section: Festivals 24375Autor: Diggi
Datum: 30.05.2013
Bereich: Festivals













Stagediven von der Herdplatte und Torsos in Rucksäcken

ROCK HARD FESTIVAL 2013

 

Zunächst einmal soll hier aber wieder darauf hingewiesen werden, daß auch dieses  Jahr eine fantastische Atmosphäre herrschte, unter den Festivalbesuchern, auf der Bühne und auch abseits des Amphitheaters. Wer bereits am Donnerstag auf dem Buga Gelände war, hatte wie alle anderen auch einen eher Zweckoptimistischen Gesichtsausdruck, denn es schüttete aus allen Eimern, der Himmel war grau und erbarmungslos was die Regendosierung anging.

Doch, wie jedes Jahr sollte sich an den nächsten 3 Tagen bewahrheiten, dass irgendjemand in der Abteilung Wetter ein echter Banger ist. Zum Freitag blieb es trocken, wenn auch nicht sommerlich.

Absolut passend zu der traditionellen Thrash Eröffnung des Festivals. HELLISH CROSSFIRE brachten einen Doppelzentner angeschwärzte Melodie und Aggression auf die Bühne des Amphitheaters und nicht wenige hatten genau darauf gewartet. Bei differenziertem Sound legten die Franken eine Zündschnur nach der Anderen, Knaller wie „Orgasmic Rush“ vom letzten Output „Bloodcrust Scythe“ sind echte Perlen des deutschen Black/Thrash und können locker neben jungen Helden wie Ketzer bestehen. Auf zum Merchstand, denn Shirts der Kapelle gibt es auch nicht aller Tage!

Die Bayern gaben sich die Klampfen in die Hand- als nächstes enterte das deutsche Death Metal Kommando FLESHCRAWL die RHF Bühne und regelte! Egal ob die leicht amerikanisch angehauchten Stücke mit erbarmungslosen Knüppelparts oder die groovige Schwedenschule, Sänger Sven Gross manövrierte den Todestanker durch jeden Song mit souveräner Gestik und starken Growls. So dürfen die Jungs gerne wieder die Clubs einäschern, dazu ist aber auch der überfällige neue Longplayer nötig!

DENIAL OF GOD waren als Ersatz für die Ami Sickos von NACHTMYSTIUM nachgerückt und waren an diesem Freitag wohl auch die bessere Wahl, denn Ohren und Augenzeugen nach zu urteilen, bestätigten die Horror Dänen Ihren Ruf als atmosphärischer Live Act.

18.30 Uhr, Zeit um Tod und Teufel eine Pause am Bierstand zu gönnen, los geht’s mit einer High Energy Rock Show par excellence! AUDREY HORNE kamen, rockten und siegten! Man kann zu der Truppe stehen, wie man will, aber Live sind die Norweger eine Macht für sich und ich darf es Vorweg nehmen, für nicht wenige waren Sie die stärkste Band des Billings in Sachen Hard/Retro und /oder Vintage Rock. Kann man so unterschreiben! Das Dauergrinsen in den vorderen Reihen und auf den Rängen war sicherlich nicht nur auf das kühle Blonde aus dem Hahn zurückzuführen, AUDREY HORNE sind hart und renitent, keine Spur von angestrengtem Retro Bewusstsein!

So langsam erreichte der Zuschauerraum vor der Bühne Betriebstemperatur, viele waren neugierig,  was einer der „Freunde des Hauses“, Matt Barlow mit seiner neuen Band ASHES OF ARES zu leisten im Stande ist. Mittlerweile zum dritten Male ist der ( wieder) Ex Sänger von Iced Earth zu Gast und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Der gesamte Auftritt hat den Grundtenor einer öffentlichen Probe, vor mittlerweile ca. 3000 Fans wohlgemerkt. Sicherlich ist es eine schöne Geste, das Barlow und Van Williams Material des Debüts exklusiv vorstellen, aber die eher eindimensionalen, fast unsicher wirkenden Ansagen von Matt, die langen Pausen danach, die Pausen zwischen den Songs lassen die Stimmung merklich verflachen. Wenn wir hier ehrlich miteinander umgehen wollen, darf nicht unter den Tisch gekehrt werden, das einige Zeugen des Auftritts eher enttäuscht waren, auch aufgrund der sehr gleichförmig aufgebauten Songs. Viel Pathos, große Gesten. Wie gesagt, ein Auftritt der weiter Vorne im Billing und wohl auch am Samstag besser harmoniert hätte.

All das war kein Thema mehr , denn so langsam füllte sich das Amphitheater zu Gelsenkirchen Horst zusehends. Der Exil Spanier Udo Dirkschneider zerlegte mal eben mit runderneuerter Mannschaft direkt mit den ersten 4 Songs die Bühne; „Steelhammer“, „Rev Raptor“, „They Want War“ und „Metal Machine“ krempelten alles auf Links, der Biergarten stand hochkant, so kann es weiter gehen mit einer absoluten „Signature Stimme“  der Metal Szene! Spitzen Sound, eine sehr definierte und effektive Lightshow bildeten dazu den passenden Rahmen, die Fans gingen ebenso Steil wie die Musiker auf der Bühne, die merklich Bock auf diesen Abend hatten. Heureka, es ging Schlag auf Schlag, „Looking For A Love Bite“, „Vendetta“, „24/7“…das alles wurde nur von der abschließenden Dreifaltigkeit getoppt!  „Metal Heart“, „Balls To The Wall“ und „Fast As Shark“ zerlegten jeden Banger, ließen jede Kutte zerbersten. Heftigst  geiler Teutonen Stahl, Danke UDO!

Samstagmorgen, so langsam puhlen sich die Metaller aus Ihren Kojen, Schlafsäcken und Hotels um einem  Juwel schwedischer, traditioneller Heavy Metal Kunst  beizuwohnen. SLINGBLADE haben ein im Underground viel beachtetes Album draußen. Das Konzeptwerk „The Unpredicted Deeds Of Molly Black“ besticht durch Gänsehaut Refrains, detaillierter Gitarrenarbeit und Hingabe. Genau das brachten die Schweden auf die Bühne. 12.00 Uhr aufwachen! Wer bei  „Tie Her To The Cross“ oder „Molly“ keine Nackenhaar Bewegung bei sich feststellt, dem gehört die Kutte konfesziert! Schade nur das der Semi Hit „Off The Hook“ nicht zum Zuge kam.

Die folgenden HORISONT und MUSTASCH konnten leider nicht begutachtet werden, dafür wurde die Peripherie des Festivals unter die Lupe genommen und die Stimmung auf den Händlergassen und Bierständen genossen. Im Gedächtnis blieb eine Unterhaltung mit einem ca. 50 Jährigen Besucher, der nur wegen des KING angereist war und aufgrund der Begeisterung ob des netten Gespräches einen Mini Mercyful Fate Aufnäher springen ließ. Also: Alle beim Alten auf dem RHF! Die beste Atmosphäre, das netteste und relaxte Publikum, keine Handlampen!

DESASTER stehen für harte, ehrliche Arbeit und genau das kommt im Ruhrpott immer gut an! Neben den tiefschwarzen Thrash Geschossen, feuern die Hellbanger auch „Black Magic“ in die Luft, die erste Hommage an den unvergessenen Jeff Hanneman, das Amphitheater hebt und senkt sich, wenn auch nur für einen Sekundenbruchteil, aber die Geste ist angekommen!

NAGLFAR! Endlich! Denn die Schweden zelebrieren aller feinsten Black/Death in der unheiligen Tradition von Dissection, Unanimated, The Moaning und Konsorten, nur das NAGLAFAR all diese Bands überstrahlt. Ihre Songs sind vertonte Kraft, sind massiv, voller pechschwarzer Melodie und NAGLFAR haben einen Zeremonienmeister. Sänger Kristoffer ist der Derwisch aus den Tiefen der Hölle, oder extra aus Schweden eingeflogen um die ersten Reihen des RHF mit der Macht seiner Blicke in eine andere Galaxie „zu Hassen“, das natürlich nur im übertragenen Sinne, NAGLFAR wissen die Wertschätzung des Publikums definitiv richtig einzusortieren! Trotzdem: In Sachen „Evilness“ und Bühnenpräsenz soll Ihm nur noch der einzig wahre KING die Krone nehmen, soviel sei gesagt! Das neue Album „Teras“ wird ebenso gewürdigt wie Songs von „Harvest“ und natürlich „Vittra“. Stark!

Das die Finnen ENSIFERUM Live ein Fass aufmachen, ist bekannt. Das Sie aber so regeln,  wie an diesem frühen Nachmittag, zu herrlich sonnigem Wetter, damit war nicht zu rechnen, denn das letzte Album „Unsung Heroes“ war nun doch einen Ticken zu zahm geworden. Sei es drum! In vollem Outfit stürmten die Krieger Ihr Schlachtfeld und wollten wohl auch keine Gefangenen machen! „In My Sword I Trust“ ein flotterer Song vom letzten Album legt den Grundstein für einen Triumphzug. Neben „Ahti“, „One More Magic Potion“ und „Twillight Tavern“ konnten auch „Retribution Shall Be Mine“ überzeugen. Was fehlt? Natürlich „Iron“! Mächtig, mächtig gute Laune, das zeigte auch der Basser bei seinem Sprint durch den Fotograben! Suomi Viking!

DAD, die dritte Dänenband  des Festivals fuhr dann die komplette Zirkusnummer auf, bot tolle Hard Rock Nummern , ein „Überkopf Drumkit“ und jede Menge Pyro Technik! Seht es Eurem Rezensent nach, das er trotzdem nie so richtig mit der Band warm wird, dem Publikum hat es allerdings richtig gut gefallen.

Die Reihen verdichteten sich, alle, wirklich alle spekulierten über den folgenden Auftritt und Er sollte als einer der stärksten des gesamten Festivals, wohl als einer der stärksten in der Geschichte des RHF eingehen. QUEENSRYCHE spielten die „echten“ QUEENSRYCHE  Stücke. Kein affektiertes Gehabe, kein Anzug, kein Saxophon kein Rotwein. Purer US METAL KULT! Todd La Torre hat dafür gesorgt das mit dem Opener „Queen Of The Reich“ keiner mehr an Herrn Tate gedacht hat. Was folgte war ein Trance artiger, glückseliger Zustand, allerfeinste Gourmetkost für jeden Fan der Band. „Speak“ „Walk In The Shadows“, was hier passierte, war magisch! Dazu eine zwar sehr „einseitige“ aber umso stimmungsvolle Lightshow! Die 2 neuen Songs hatten es gegen die Klassiker natürlich sehr schwer, warten wir ab, wie das Album in Gänze klingt. Ich will mich hier auf einige Sahnehäubchen eines fantastischen Auftritts beschränken: „The Warning“, „The Needle Lies“, Roads To Madness“ „I Don´t Believe In Love“,  „Eyes Of A Stranger“, Empire“ Take Hold Of The Flame“ Beim Tippen dieser Zeilen stehe ich plötzlich wieder auf den Stufen des Amphitheaters und habe Gänsehaut! Hammer!

Sonntag, wieder ist der Wettergott Metalgott, trotzdem fragt man sich jedes Jahr aufs  Neue wieso eigentlich schon wieder Sonntag ist und bald Schicht ist. Nun, es galt zuvor aber noch einige knattergeile Auftritte zu verfolgen. Den Anfang sollten die Lokalhelden ATTIC machen und es war keine große Überraschung, das sich verdammt viele für den Mercyful lastigen, gefühlsechten Edelstahl interessierten. Das Album der Jungs dürfte als eines der wichtigsten Newcomer Alben des gesamten Jahres angesehen werden. Also Intro an, leicht sakrale Deko auf der Bühne und los geht’s für Meister Cagliostro und Gefolge. Leider versagt eine Gitarre Ihren Dienst, so dass die ersten 2 Songs mit ein wenig Blut im Schuh performt wurden. „Funeral In The Woods“ und „Join The Coven“ gehen aber auch mit leichten techischen Malästen als absolute Sujet Perlen durch! ATTIC fingen sich, bzw. die Technik wurde wieder verlässlicher, so dass die versammelte Metal Horde noch in den Genuss von „Edlyn“, „Satan´s Bride“ und natürlich „The Headless Horseman“ kam. Ganz starke Musik, diese Band wird definitiv Ihren Weg machen!

Nicht weniger intensiv war dann der Überfall der Aussie Asseln GOSPEL OF THE HORNS. Musikalisch australischer als „Pat Cash sein Stirmband auf´m Centre Court“ zerlegten die Randalebrüder die Bühne, Bassist/Sänger Mark Howitzer hat während der Anreise wohl noch diverse Wartehallen stramm stehen lassen, denn seine Greifhand war schwer bandagiert. Trotzdem: Astreine Performance, heftigst gefährlicher Black/Thrash in der Tradition von Destroyer 666 und Razor Of Occam, das RHF nimmt an Fahrt auf und die Freunde der rabiaten Klänge hatten merklich Spass im Pit!

TANK sind TANK. TANK sind Inspiration, u.a. für Tom Angelripper, TANK sind ähnlich Kult wie Venom, Demon oder Motörhead. Nur haben TANK nun den ehemaligen Dragonforce Fronter ZP Theart als Live Animateur rekrutiert, der seinen Job zwar hingebungsvoll absolviert und auch Mädels darauf aufmerksam macht, doch mal das Smartphone  in die Hose zu stecken und den Gig zu verfolgen, ER singt auch gewohnt gut….Aber das hat alles sehr wenig mit TANK zu tun. Leider. Guter Auftritt, aber eben nicht dieser Rüpel NWOBHM, den sich viele gewünscht hätten.

Was danach kommt ist das totale Kontrastprogramm. THRESHOLD haben das Prog Album des Jahres draussen, sind in der Form Ihres Lebens, haben eine sehr erfolgreiche Tour hinter sich gebracht und so traumwandlerisch sicher eingespielt das man feuchte Augen bekommt. Alles gut, ja wunderschön. Das sind echte Emotionen, so muss anspruchsvoller Prog Metal, ganz ohne Extreme oder irgendwelchen Sludge, Kraut und weiß ich nicht Einsprengseln. Nicht wenige hätten Mr. Wilson nach dem Auftritt zu dieser an die Nieren gehenden Leistung persönlich gratuliert! Danke, Damian!

Und damit sind wir auch schon beim Co Headliner des Sonntags, vielleicht auch ein Streitfall wie ASHES OF ARES, wurde doch vehement eine Thrash Metal Band gefordert, SEPULTURA kamen. SEPULTURA haben sich auch auf dem RHF Ihr Publikum erarbeitet, Es mit Klassikern wie „Troops Of Doom“ direkt zu Anfang „abgeholt“, aber SEPULTURA haben bei vielen Fans auch eine Menge Kredit verspielt, stilistische Suche und Selbstverwirklichung wird bei den Zugpferden des Genre selten verziehen. Dieses undankbare Stigmata umweht auch die Brasilianer. Aber: Sepultura erwischen einen prima Start und bringen das unter der Sonntags Sonne brutzelnde Amphitheater tatsächlich noch einmal richtig zum ticken! Richtig guter Job, obwohl auch Euer Rezensent gerne mal wieder „Escape To The Void“ gehört  hätte. Dafür wurden Fackeln a la „Altered State“, „Arise“ oder „Refuse/Resist“ runtergeholzt! Jetzt müssen die Sympaticos nur auch mal wieder eine richtig gute Thrash Metal Platte veröffentlichen!

KING DIAMOND! Er ist tatsächlich mit seinem Hofstaat gekommen, doch zuvor beglückte der King Of Heimorgel, MAMBO KURT das RHF und huldigte auf seine ganz spezielle Art und Weise Jeff Hanneman. „….Before You See The Light….You Must DIEEEEEEEE!!!!“ Mehr muss nicht gesagt werden.

Was dann folgte war surreal, oder total verrückt! Polonaise durch das Amphi Rund, „Remmi Demmi“ von Deichkind, Endlaser die Scheisse, auch Dr. Alban! Jetzt ist aber gut!

Die Bühne wird von aristokratischem Zaun flankiert, der Drudenfuss glüht, das Schloss des King ist spärlich beleuchtet, dann ein Intro ein Aufschrei „The Candle“ einigen Kollegen im Fotograben schießt die Gänsepelle gen Himmel, ich muss mich beherrschen nicht total auszuflippen, habe ich den King doch das letzte mal vor gefühlten Lichtjahren in der Zeche zu Bochum und Essen gesehen und dann dieser Opener, einer der besten Songs aus der Frühphase des Dänen. Die Stimme ist noch nicht ganz da, das gibt sich aber als Grandma auf die Bühne rollt, „Welcome Home“ zündet und nimmt nun alle 7000 Fans mit in das Spukschloss des KING.  „At The Graves“ und „Up From The Grave“ lassen den Spaten schwingen, bevor es mit „Voodoo“ an den Mississippi geht um den irren Lafayettes einen Besuch abzustatten. Unterstützt wird der KING von einer ganz schnieken Schauspielerin, die je nach Song, zum willenlosen Zombie, Geist oder Hexe mutiert. Wirkt zu keiner  Sekunde peinlich oder störend, dank der Präsenz des Dänen der das gesamte Amphitheater fest im Griff hat! Andy LaRoque, Hal Patino, Matt Thompson und Mike Wead sind verboten gut eingespielt und machen diesen Gig auch zu einer instrumentalen Messe.

„Evil“, der Mercyful Fate Klassiker kommt zum ersten Mal seit 2006 wieder aus Boxen gekrochen, „Eye Of The Witch“ beschließt den regulären Set, undenkbar das jetzt schon Schluss ist, es folgen „The Family Ghost“, „Halloween“ ( die berühmte Picture Disc…d.Verf.) und „Black Horsemen“. Dann ist endgültig Schluss und das RHF endet mit einem truimphalen Auftritt des KING, der sich augenscheinlich von seinen vielen gesundheitlichen Rückschlägen erholt hat!

Was bleibt? Wenn das RHF steigt, ist ganz einfach kein schlechtes Wetter! Es gab mit NAGLFAR, ATTIC, GOSPEL OF THE HORNS  und SWITCHBLADE sehr gute bis geniale Auftritte, mit ASHES OF ARES leider auch einen verschenkten Co Headliner Slot und mit UDO, QUEENSRYCHE und dem über allem thronenden KING DIAMOND gleich 3 hammerstarke HEADLINEER!

Bis nächstes Jahr, vielleicht mit………

DIGGI.  

 

 



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