Section: Festivals 21662Autor: Amir
Datum: 02.09.2012
Bereich: Festivals



































Gelsenkirchen - 25.08.2012

R O C K I M P O T T 2012

RED HOT CHILI PEPPERS, PLACEBO and more

Zur besten Fu├čballzeit am Wochenende des Starts der 50. Bundesligasaison traf man sich in Gelsenkirchen in der Veltins-Arena zu einer Premiere: ROCK IM POTT. Eine recht bunte Mischung von Bands waren der Einladung von Festival-Guru Marek Lieberberg und seinem Team gefolgt, um im Ruhrgebiet mal richtig abzurocken...

Endlich wieder Bundesliga! Zum Auftakt gab es in der Schalke-Arena allerdings lange Gesichter: nur 41.000 Zuschauer beim 1. Heimspiel der Saison. Aber gemach: die waren nicht zum Fussi-Gucken da sondern zum Feiern und Abrocken bei "ROCK IM POTT".

So hie├č die Erstauflage eines Open-Air-Spektakels mit - zugegeberma├čen - gew├Âhnungsbed├╝rftigem Line-Up, denn es war eine Mischung aus Deutsch-Rock, Country-Hillbilly, Disco-Funk, d├╝sterem Progressive-Rock und Alternative, was die 5 Bands den Fans da boten.

Als Opener fungierte hierbei die Chemnitzer ├ťberraschungsband des Jahres 2012, "KRAFTCLUB". Artig in wei├čen Polohemden und mit roten Hosentr├Ągern konnten S├Ąnger Felix Brummer & seine Jungs auf Anhieb das noch sp├Ąrliche Publikum im Innenraum und auf den Trib├╝nen begeistern. Mit ihrer Hommage an die Heimatstadt, ehemals "Karl-Marx-Stadt" genannt, sp├Ąter dann mit ihren Radio-Dauerbrennern "Ich will nicht nach Berlin" und "Songs for Liam" rockten KRAFTCLUB die ├╝bergro├če B├╝hne und wussten mehr als zu ├╝berzeugen. Eigentlich schade, dass KRAFTCLUB nach 45 Minuten mit "Scheissindiedisco" schon wieder das Feld r├Ąumen mussten.

Es folgten die Cowboys von THE BOSS HOSS. Lustig zwar, wie drei Sombrero-beh├╝tete Trompeter im Background rum-posaunten, aber irgendwie verpassten es die Berliner mit ihrer Mischung aus fetten Riffs, Harp, Mandoline und Rockabilly, das Publikum zu vereinnahmen. Was vielleicht auch an dem st├Ąndigen Gebrabbel auf Englisch lag, was anfangs noch witzig anmutete, aber irgendwann nur noch nervte.

Daher auch nicht verwunderlich, dass nach dem letzten Lied nicht die ganz gro├čen Begeisterungsst├╝rme unter den Zuschauern ausbrachen, was THE BOSS HOSS aber nicht daran hinderten, noch eine Zugabe abzuliefern und so den strikten Zeitplan ein wenig ins Wanken zu bringen.

Mit seiner DISCO Nr.1 folgte JAN DELAY. Ein echter Farbtupfer, allerdings nur, was den bonbon-rosa-farbenen Anzug und das Outfit der musikalisch einwandfreien Discofunk-Hip-Hop-Band betraf. Und die tolle Lightshow. Und die netten Backgrounds├Ąngerinnen. Musikalisch sprang auch hier der Funke nicht auf das gesamte Arena-Publikum ├╝ber. Was den kleinen, n├Ąselnden Hamburger, der als bekennender Werder-Bremen-Fan angesagt wurde, aber keineswegs in seinem Selbstbewusstsein ersch├╝ttern lie├č. Schon nach dem 3. Song rief er ins weite Rund, dass "alle so weit weg" w├Ąren und er "hofft, dass alle Spa├č haben. Wir hier oben auf der B├╝hne haben viel, viel Spa├č". Na wenigstens die!!!

Etwas radikal und ├╝berdreht - auch von der sich immer steigernden Lautst├Ąrke her - war dann der ├ťbergang zum ersten der beiden Hauptacts des Abends: PLACEBO!

Zur besten Abendessenszeit - viele sa├čen bestimmt auch zur traditionellen Sportschau vor dem TV - gingen die Herren von PLACEBO auf die Bretter der B├╝hne "auf Schalke". Mit etwa 15 Minuten Versp├Ątung hinsichtlich des geplanten Ablaufes er├Âffneten Brian Molko und seine Mitstreiter das Set. Schon im Intro gab es diverse Tonausf├Ąlle (klang nicht so, als ob┬┤s Teil der Show w├Ąre) und man dachte schon "Oh je, was soll das geben".

Aber die Sorge war dann doch unberechtigt und der Sound ├╝berzeugte letztlich und die Stimme des PLACEBO-Frontmannes erf├╝llte das weite Rund des Fu├čballstadions der Ruhrgebietsstadt.

Der komplett t├Ątowierte Drummer - Steve Forrest - gab der gesamten Performance des "Trios" einen ordentlichen Drive. Es fing langsam an im Set, aber sp├Ątestens bei Song 3 ("Every you every me") ging die Stimmung im Publikum steil nach oben. Aus unserer Sicht waren PLACEBO die bisher st├Ąrkste Band des Tages...ob das der heutige Headliner w├╝rde toppen k├Ânnen?!

Wir waren gespannt und mit uns etwa 41.000 weitere Zuschauer und damit deutlich mehr als die kalkulierten 35.000 (Angabe des Veranstalters). Bei dem Event wurde - bez├╝glich Getr├Ąnkest├Ąnden und WC-Verf├╝gbarkeit - Einiges in Bezug auf fr├╝here musikalische Gro├čveranstaltungen in der Arena verbessert. Prima! Gegen 20:15 Uhr wurde es drau├čen dunkler und damit auch in der Arena, was die Lichtshow auf der B├╝hne besser zur Geltung brachte

17 Songs brachten uns PLACEBO zu Geh├Âr - inklusive des Kate Bush-Coversongs "Running up that hill" und boten einen abwechslungsreichen Querschnitt durch ihren Backkatalog. Stefan Olsdal bestach durch eine routinierte Gitarrenperformance und wirkte abgekl├Ąrt. Brian Molko erfreute das Publikum immer wieder mit deutschen Ansagen und mit seiner Band und den zahlreichen Hits sorgte man f├╝r ausgelassene Stimmung. Nach dem ca. anderthalbst├╝ndigen Set gab┬┤s dann die letzte Umbaupause des Festivals, bevor die RED HOT CHILI PEPPERS den Abend beenden sollten.

Wie w├╝rden die ├╝ber 40.000 Zuschauer reagieren? Wie w├╝rde der Sound sein? Wie w├╝rde die Spielfreude bei den alten Hasen der Rockszene aussehen? Fragen ├╝ber Fragen!!

Die Versp├Ątung wurde weitergereicht und so enterten die RED HOT CHILI PEPPERS erste gegen 21:30 Uhr die B├╝hne. Mit der Ank├╝ndigung eines 105-Minuten-Sets sollte der Abend also in die Verl├Ąngerung gehen. Vorweg kann ich sagen: musikalisch und auch von der Spielfreude her, waren die 4 Herren aus den USA der Rolle des Headliners w├╝rdig und vor allem die B├╝hne war imposant.

Nach den vorangegangenen Bands wurde die riesige Festivalb├╝hne noch mehr in ihrer Tiefe "freigegeben" und eine ausgefeilte Lichtshow mit diversen Projektionen unterstrich hervorragend die akustische Performance.

Neben den beiden gro├čen Projektionsfl├Ąchen neben der B├╝hne und an der Hinterseite gab es noch 5 weitere, die als quadratische Fl├Ąche imponierten, aber auch in parallele "Streifen" geteilt werden konnten und den Blick auf die Fl├Ąche dahinter wie durch ein Sonnenrollo erscheinen lie├čen. Au├čerdem hingen mehrere "S├Ąulen" von der B├╝hnendecke, an deren Vorderseite gro├če Strahler angebracht waren. Alles in allem eine gro├čartige Lichtshow und eine coole Darstellung der Livedarbietung auf den "Leinw├Ąnden" oder eben Animationen ebendort.

Also ganz ehrlich: ich habe ein ├Ąlteres Live-Video der Band gesehen und das hat mich echt nicht umgehauen aber das heute Abend...das war schon deutlich ansprechender. Auch wenn Gitarrist Josh Klinghoffer (mit dem Beginn 2010 im Bandgef├╝ge der "Newcomer") wegen eines gebrochenen Fu├čes das gesamte Set im Sitzen performte, so hielt ihn das nicht vom Headbangen ab und auch instrumentell ├╝berzeugte er. Agil und Grimassen schneidend lief der - wie immer - "oben ohne" agierende Bassist Flea mit lila gef├Ąrbten Haaren ├╝ber die Bretter, w├Ąhrend Shouter Anthony Kiedis mit seiner Basecap und dem komischen Bart skurril wirkte und sich mit dem zunehmenden Set immer mehr obenrum auszog.

Drummer Chad Smith trommelte energiegeladen und lie├č seine ├╝ber 50 Lenze kaum erahnen. Er schien sichtlich Spa├č am Spielen der 19 Songs der Setlist dieses Abends zu haben. Es gab diverse "Hits" aller Epochen, wobei die Reaktion insbesondere beim Track "Under the bridge" extrem war und praktisch jeder Einzelne in der Arena mitzusingen schien...G├Ąnsehautfeeling. Gegen 23:20 Uhr endete der Festivalabend mit dem Klassiker "Give it away".

Ein insgesamt gelungenes Event mit einer stetigen Steigerung von Band zu Band. Fortsetzung bitte, mit einem etwas homogenerem Programm. Das w├Ąr cool!!!


(Bericht Ralfi Ralf und Amir Djawadi - Fotos Amir Djawadi)




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