Section: Festivals 21053Autor: Amir
Datum: 15.06.2012
Bereich: Festivals
























































01.06-03.06.2012 - N├╝rburgring

ROCK AM RING 2012

Diverse Bands u.a. METALLICA, MACHINE HEAD, LINKIN PARK

F├╝r einen von uns Beiden sollte es bereits der 10. Besuch bei ROCK AM RING sein, ein kleines pers├Ânliches Jubil├Ąum also. Da passte es, dass man dazu die vielleicht gr├Â├čte Metal-Band des Planeten eingeladen hatte - M E T A L L I C A !!! Die US-Amerikaner hatten angek├╝ndigt, ihr komplettes "schwarzes Album" zu spielen und brachten dazu ebenfalls "traditionell" ihr "Snakepit" mit. Wetterm├Ą├čig gab┬┤s anno 2012 das volle Programm, von bedeckt und k├╝hl, ├╝ber heiter und sonnig bis Dauerregen.

Trotz der (eigentlich) gut gew├Ąhlten Anreisezeit kamen wir kurz vor dem Festivalgel├Ąnde in einen derben "Stau" und verpassten so leider die Metal-Veteranen ANTHRAX. Kein guter Start f├╝r dieses Festival-Wochenende.

Letztlich standen wir also zu LAMB OF GOD vor der mittleren B├╝hne, die nach einem Sponsoren-wechsel nun auf den Namen O2-Stage h├Ârt. Die agile und spielfreudige Band erzielte eine entsprechend positive Zuschauerresonanz. Mit Songs wie "Walk with me in hell" und "Laid to rest" wusste man das Publikum des gut gef├╝hlten Gel├Ąndes vor der B├╝hne zu begeistern.
Als S├Ąnger Randy Blythe die Menge zum Gru├č mit dem erhobenen Mittelfinger auffordert, folgen Tausende seiner Bitte - ein beeindruckendes Bild.

Das Set endet schlie├člich mit "Black Label" und als n├Ąchstes warten KILLSWITCH ENGAGE, um die B├╝hne zu entern.

Das Gehabe von KILLSWITCH ENGAGE auf der B├╝hne an diesem Freitagabend muss man leider mit l├Ąppisch umschreiben. Und es ist sicher einer der Gr├╝nde, warum Nu Metal-Bands beim traditionellen Publikum keinen Anklang finden. Dabei ist die Musik qualitativ auf jeden Fall h├Ârenswert, nur das Drumherum bzw. Zwischendurch ist grenzwertig. Gro├če Klasse fand ich vor allem, wie die Jungs ihr Cover von "Holy Diver" r├╝ber gebracht haben, auch wenn hier wieder der Typ im Tiger-Karnevalskost├╝m - sagen wir mal - "entbehrlich" war. Traurig das Statement im Anschluss an den 40min├╝tigen Gig hinter der B├╝hne: Meine Bitte um ein Foto mit dem S├Ąnger quittierte dieser mit vorwurfsvollem Blick: man sei gerade von der B├╝hne und v├Âllig ausgepowert... - wie bitte? Nach 40 Minuten? Naja, etwas weniger Nonsense zwischen den Songs und man w├Ąre frisch wie der junge Morgen zur Garderobe gekommen.

Dann ist es wieder einmal Zeit f├╝r nationale musikalische Power am ersten Festivaltag. Die GUANO APES haben sich angemeldet, um den Fans bei ROCK AM RING einzuheizen.

Los geht┬┤s gleich mit "She┬┤s a killer" und "Oh what a night" und die wortgewandte Sandra Nasic wei├č nicht nur stimmlich zu ├╝berzeugen, sondern sorgt auch mit der einen oder anderen Bemerkung f├╝r Begeisterung. Der Himmel hatte sich mittlerweile aufgehellt (war es bis auf ein paar vereinzelte Tropfen vorher trocken gewesen, waren die Wolken doch bedrohlich dunkel). Jetzt also blinzelte die Sonne hindurch. Passend zur "Gute Stimmung"-Mucke der GUANO APES.
Leider war die Frontfrau der deutschen Formation optisch heute nicht so doll "verpackt". Das tat aber der Performance keinen Abbruch und so gab┬┤s nicht nur beim Kracher "Open your eyes" (vielleicht der bekannteste Song der Band) gute Stimmung in der Crowd vor der B├╝hne.

Massives Crowdsurfen, dazu die riesigen gelben SWR-Ballons, die ├╝ber die Menge "h├╝pften". Das machte Laune...bei einem unterhaltsamen Set von einem Dutzend Tracks inklusive des ALPHAVILLE-Covers "Big in japan".

W├Ąhrenddessen zockten auf der Hauptb├╝hne GOSSIP mit ihrer dynamischen Frontr├Âhre Beth Ditto.

Wie sich im Laufe des leider auch nur 40min├╝tigen Sets heraus stellen sollte, war es eine gute Entscheidung der RAR-Crew, GOSSIP auf die Centerstage zu buchen. Beth Ditto hatte das Publikum gleich von Anfang an fest im Griff und man konnte ihr auf den gro├čen Seitenmonitoren ansehen, dass sie sichtlich Spa├č daran hatte, sich vor einem bereits beeindruckend angewachsenen Publikum zu verausgaben. Bei der extrovertierten Engl├Ąnderin geht der ganze K├Ârper mit. Im 16 Songs umfassenden Set kommen sowohl das vorherige Album "Music for Men" als auch das frisch ver├Âffentlichte "A Joyful Noise" mit je vier Songs zum Zuge. Dabei zeigt sich deutlich die Entwicklung beim Songwriting. Beim letzten Lied, dem Gassenhauer "Heavy Cross" wuchtet sich Frau Ditto unter den begeisterten Rufen der Menge von der B├╝hne und ├╝ber die Absperrung f├╝r ein spontanes Bad in der Menge. Bis auf die zu kurze Spielzeit ein gelungener Auftritt.

Auf der Alternastage haben anschlie├čend MACHINE HEAD einmal mehr die Gelegenheit, das RAR-Festival f├╝r sich zu begeistern. Das "Unto the Locust"-Album schl├Ągt zu Anfang mit "I am Hell" und "Be Still and Know" eine erste Bresche in die Sch├Ądel der Metalheads in den zahlreichen Circle Pits vor der B├╝hne. Ohne viel Geschn├Ârkel ackern sich daraufhin die Kalifornier um Robert Flynn abwechselnd durch das "Blackening"- und das "Locust"-Album, unterbrochen vom frenetisch aufgenommenen bandeigenen Klassiker "Imperium", der die erste H├Ąlfte des einst├╝ndigen Sets abschlie├čt. MACHINE HEAD sind anno 2012 live pr├Ąsent wie nie und h├Ątten es r├╝ckblickend verdient gehabt, die Centerstage zu shredden. Better luck next time...?

Deutlich ruhigere T├Âne wurden nach der kurzen Umbaupause angeschlagen. Das auf der B├╝hne platzierte Klavier deutete es schon an. EVANESCENCE, die Gothic-Pop-Band aus der Provinz von Arkansas waren erneut Gast auf dem RAR. Der Durchbruch der Band mit "Bring Me to Life" von 2003 liegt jetzt auch schon ├╝ber neun Jahre zur├╝ck, seitdem sind drei Alben erschienen.

S├Ąngerin Amy Lee gibt sich stilecht im schwarzen R├╝schenkleid und f├╝llt mit ihrer markanten Stimme die nicht eben kleine B├╝hne bis zur letzten Ecke aus. Die H├Ąlfte des Sets mit immerhin 14 Songs bestreitet die Band aus dem letztj├Ąhrigen, immer noch aktuellen Album "Evanescence", welches eindeutig Amy Lee auf den Leib geschneidert wurde. W├Ąhrend der Songs bleiben die Leute vor der B├╝hne ruhig, fast and├Ąchtig, nur um dann im Anschluss vor Begeisterung auszurasten. V├Âllig zu Recht, wie ich meine. Man mag zu dieser Musik und en Bands des Genres stehen, wie man will: handwerklich ist das in jedem Falle erste Liga. Und deshalb ist der anhaltende Applaus nach dem Rausschmei├čer "Bring Me to Life" auch in jeder Beziehung hochverdient.

Hat der Engel von EVANESCENCE gerade die B├╝hne verlassen, so macht sich anschlie├čend der Beelzebub von MOT├ľRHEAD den friedlichen Ort zu eigen. Die Sirenen des Luftalarms k├╝ndigen "Bomber" als erstes Brett an. Der Song er├Âffnet ein klassisch ausgerichtetes Set, in dem das aktuelle Album "The W├Ârld is Yours" gerade mal mit einem St├╝ck ("I Know How to Die") vertreten ist. Lemmy, weiss, was er der tobenden Meute schuldig ist. Selbst ein total zugedr├Âhnter Wilson Gonzales Ochsenknecht zeigt bei Todesbleiattacken wie "Stay Clean" und "Over the Top" noch k├Ârperliche Regungen und wird nach fast 70 Minuten mit einem flotten Dreier aus "Killed By Death", "Ace of Spades" und "Overkill" in die k├╝hle Nacht entlassen.

Schlie├člich war es also Zeit f├╝r den ersten Headliner des Events auf der Hauptb├╝hne: LINKIN PARK. Tausende Fans gingen ab wie die Luzie, als die Band mit leichter Versp├Ątung die B├╝hne betraten und ein Hitfeuerwerk abbrannten. Es war zwar k├╝hl aber immerhin trocken - nicht immer garantiert bei ROCK AM RING.

Tausende von Fans vor der Hauptb├╝hne h├╝pften zur Musik von LINKIN PARK, bildeten Circle Pits und sangen mit. Eine schlichte B├╝hnendeko, lediglich eine starke Lichtshow lie├čen der Performance der vielk├Âpfigen Band Raum. Neben den beiden ohnehin vorhandenen Leinw├Ąnden neben der B├╝hne hatten LINKIN PARK auch hinten auf der B├╝hne eine Leinwand. Dort konnte man auch von weitem verfolgen, wie Chester Bennington & Co. den N├╝rburgring rockten.

F├╝r alle Fans die nicht dabei waren, hier die komplette Setlist des Auftritts:
A Place for My Head
Given Up
Faint
With You
Runaway
From the Inside
Somewhere I Belong
Numb
Lies Greed Misery
Points of Authority
Waiting for the End
Breaking the Habit
Leave Out All the Rest / Shadow Of The Day / Iridescent
(Ballad Medley)
The Catalyst
Burn It Down
What I┬ĺve Done
Crawling
New Divide
In the End
Bleed It Out
Papercut
One Step Closer

Eine amtliche Leistung!! Leider war die Setlist von der Verteilung her etwas unausgewogen. Nach einem Schwung von bekannten Songs in der ersten halben Stunde, folgten ein paar weniger popul├Ąre Tracks mit weniger Mainstream-Charakter, was die Stimmung etwas bremste.

Mit LINKIN PARK endete somit der Tag auf der Hauptb├╝hne, aber musikalisch war noch lange nicht Schluss. Unter der Stichwort "Late Night Special" sollte n├Ąmlich gegen 2:00 Uhr der Schock-Rocker MARILYN MANSON auf der O2-Stage auftreten. W├Ąhrend wir auf den Beginn des Auftritts warteten - die ├╝blichen Soundcheckt├Ątigkeiten liefen gerade - wurde ein riesiger schwarzer Vorhang an der vorderen B├╝hnenkante herabgelassen. Nach wenigen Minuten stellte sich heraus, es passierte dahinter nicht viel Spektakul├Ąres. Am ehesten verfolgte man wohl den Sinn, den reichlich von den entsprechenden Maschinen produzierten Nebel nicht vom Wind verwehen zu lassen.

Nebel wurde wirklich reichlich genutzt...oft in Kombination mit Stroboskop-Licht. Dazu die elektronisch gepr├Ągte Musik von MARILYN MANSON, der in schwarz gekleidet und skurril geschminkt auf der B├╝hne agierte.

Merklich k├╝hl wurde es und man sp├╝rte zunehmend auch die M├╝digkeit in den Knochen, w├Ąhrend die erste Nacht bei ROCK AM RING 2012 ausklang...

Der Festivalsamstag sollte uns wetterm├Ą├čig erfreuen. Nach nicht allzu viel Schlaf und einem Fr├╝hst├╝ck ging┬┤s dann auch schon wieder los.

Diesmal hatte sich - nachdem man am Vortag fast durchgehend vor der mittleren B├╝hne verweilen konnte - sofern man den h├Ąrteren Kl├Ąngen zugetan war - die rockige Schiene mehr auf die Hauptb├╝hne verlagert. Es ging los mit GOIJRA. Das franz├Âsische Quartett, welches sich selber beim Progressive Metal einordnet hatte die meist undankbare Aufgabe vor noch recht lichten Zuschauergruppen den Opener zu geben. Man lie├č sich aber nicht entmutigen und bot eine ansprechende Performance.

Als n├Ąchstes sollten SHINEDOWN versuchen, dem noch leicht angeschlagenen Publikum die M├╝digkeit aus den Knochen zu treiben.

Der Wettergott hatte f├╝r die Region um die bekannte Rennstrecke ein Einsehen und lie├č die Regenschleusen zu. Danke. Es war wohl gr├Â├čtenteils bew├Âlkt. Wenn sich aber phasenweise die Sonne durchsetzen konnte, wurde es sogleich angenehm warm.

Ganz abgesehen von METALLICA galt meine pers├Ânliche Vorfreude dem Auftritt der STRANGLERS auf der Alternastage. Zwischen der B├╝hne und dem ersten Wellenbrecher hatte sich ein buntes, aber merklich ├Ąlteres Publikum eingefunden. Eine Tatsache, die auch der Kollegin von SWR3 bei der Ank├╝ndigung der Band nicht verborgen blieb. Na, gut, weniger Leute bedeutet dann eben, dass der Einzelne mehr Krach machen muss. K├Ânnse haben, Madam! Die "W├ťRGER" jedenfalls waren allerbester Laune und nicht erst "Always the Sun" in der zweiten H├Ąlfte des Sets sorgte zusammen mit dem herrlichen Wetter f├╝r ein amtliches Sommerfeeling: mehrere Songs waren leicht in Richtung Ska und vor allem mit einer Prise Reggae umarrangiert, allen voran eine begnadet gute Version von "Nice ┬ĺn┬ĺ Sleazy". Zu meinem pers├Ânlichen Gl├╝ck fehlte nach rund 45 Minuten eigentlich nur, dass auch noch "No Mercy" gespielt worden w├Ąre. Aber das sollte leider nicht sein.

Langsam neigte sich auch der zweite Tag des Festivals seinem Ende zu. Zuvor sollten aber noch die Headliner der Hauptb├╝hne an den Start gehen: METALLICA. Man hatte Gro├čes vor. So wollte man nicht einfach ein gemischtes Set spielen, sondern darin integriert das komplette selbstbetitelte Album aus dem Jahr 1991 rocken. Eine vern├╝nftige Idee, oder!?

Mit gro├čer Erwartung harrten denn auch die Metal-Fans auf der gesamten Festivalfl├Ąche bis zum Horizont aus, um den leicht versp├Ąteten Beginn des gut 2-st├╝ndigen Sets zu erleben. Los ging┬┤s wie ├╝blich seit vielen Jahren mit dem Intro-Klassiker, bevor man mit "Hit the lights" in die Vollen ging.

Frontmann James Hetfield mit leicht zerzauster Frisur (im Gegensatz zum gegelten Haupthaar bei den BIG 4) war stimmlich pr├Ąsent und zeigte sich gut gelaunt und spielfreudig. Zusammen mit Lars Ulrich (der sicherlich nicht der beste technische Drummer der Metalszene ist, aber den Job mit vollem Einsatz und sympathisch ┬┤r├╝berbringt), dem Tier am Bass Rob Trujillo und dem surfbegeisterten Gitarrenhelden Kirk Hammett lieferte der S├Ąnger eine ├╝berzeugende Vorstellung.

Die eher schlicht gehaltene B├╝hne, die durch ein durchgehendes "Podest" am hinteren B├╝hnenrand, mit einer mit dem Hintergrund kombinierten LED-Leinwand verkleidet, dominiert wurde, verlief nach vorne in die Rampen ins Publikum, die das oben erw├Ąhnte Snakepit begrenzten.

Hier fanden gut 200 Fans mit speziellen Armb├Ąndchen (u.a. ├╝ber den Fanclub zu gewinnen) Platz, die aus n├Ąchster N├Ąhe der Performance der US-Metaller folgen konnten.

Neben dem erw├Ąhnten kompletten "Black Album" in umgekehrter Reihenfolge gab┬┤s eine ganze Reihe von METALLICA-Klassikern, die mit mehr oder weniger gro├čem Effektaufwand unterstrichen wurden. Bei "Blackened" gab┬┤s die Feuers├Ąulen auf der B├╝hne und bei verschiedenen Songs immer mal wieder Pyroeffekte, bevor der Hammersong "One" mit einer Lasershow das Ganze kr├Ânte. Schon ein eindr├╝cklicher Anblick. Beim ausgedehnten Abschluss "Seek & destroy" gab┬┤s dann riesige schwarze METALLICA-Luftballons, die ├╝ber die Menge "h├╝pften".

Hier f├╝r alle Statistiker die Setlist:
Hit the Lights
Master of Puppets
Ride the Lightning
For Whom the Bell Tolls
Hell and Back
The Struggle Within
My Friend of Misery
The God That Failed
Of Wolf and Man
Nothing Else Matters
Through the Never
Don┬ĺt Tread on Me
Wherever I May Roam
The Unforgiven
Holier Than Thou
Sad But True
Enter Sandman
Zugaben:
Blackened
One
Seek & Destroy

Also METALLICA live on stage...immer wieder gerne. Die Herren haben schon einige Jahre im Musikbusiness auf dem Buckel, aber sie rocken noch amtlich und haben offenbar auch noch Spa├č und das z├Ąhlt...

Dann folgte der Festivalsonntag mit Etwas, was uns bis dato ├╝berwiegend erspart geblieben war: Regen. Der sollte aber am Schlusstag des Events reichlich fallen und ausdauernd...leider.

Dessen ungeachtet machten die DONOTS aus Ibbstown (auf Google Maps f├Ąlschlicherweise mit "Ibbenb├╝ren" bezeichnet...) vom ersten Moment an Alarm. ├ťberw├Ąltigt von Andrang vor der Centerstage nachts um 1600h am Sonntag konnte Frontmann Ingo Knollmann nicht anders, als begeistert Respekt zollen. In bester Frontsau-Manier gab er den S├Ąnger, Anpeitscher und Party-Animateur zugleich. Die St├╝cke von aktuellen Album "Wake the Dogs" wussten dabei auf breiter Front zu ├╝berzeugen und machten das Mistwetter weitestgehend vergessen. Etwa Mitte des Sets scho├č Ingo dann jedoch ein kapitales Eigentor: Bei "You Got It" waren die Leute so toll mitgegangen, dass Ingo meinte, er m├╝sse das seiner Mutter erz├Ąhlen, was hier trotz unchristlicher Uhrzeit und grausigem Wetter abginge. In der Folge setzten nach jedem weiteren Song nach kurzem Applaus "Anrufen! Anrufen!"-Ges├Ąnge ein und Meister Knollmann musste hoch und heilig versprechen, nach dem letzten Song anzurufen.

Tats├Ąchlich gab es dann nach dem TWISTED SISTER-Cover "We┬ĺre Not Gonna Take It" und den dazugeh├Ârigen Singalongs ein Handy in die Hand. Ingo bat sich Mucksm├Ąuschenstille aus, rief zuhause an und meinte, er sei noch am N├╝rburgring, aber nicht in der Garderobe, woraufhin mehrere zehntausend Zuschauer lauthals losbr├╝llten. Das w├╝rdige Ende eines unfreiwilligen Running Gags.

Leider nicht so prickelnd kamen anschlie├čend "DICK BRAVE & THE BACKBEATS" r├╝ber, wobei ich noch immer nicht wei├č, ob es an der z├Ąhen Ausstrahlung der Band um Sascha, an der Songauswahl oder am Wetter oder an einer Kombination aus allem lag. Jedenfalls wollte der Funke nicht recht ├╝berspringen in der knappen Stunde. Schade, denn nach allem, was ich geh├Ârt hatte, h├Ątte das Set richtig knallen m├╝ssen. Vielleicht beim n├Ąchsten Mal...?

Das 30j├Ąhrige Bandjubil├Ąum wollten die TOTEN HOSEN heute Abend im kleinen Kreis begehen. Nur knapp 70.000 engste Freunde und Weggef├Ąhrten drubbelten sich vor der B├╝hne. Im Vorfeld gab es Backstage eine letzte Einweisung von RAR-Papst Marek Lieberberg: keine Klettereien auf den Ger├╝sten und keine Bengalos in den H├Ąnden der Bandmitglieder. Campino und seine Mannen haben das nat├╝rlich - Ehrensache! - ohne Z├Âgern zugesagt. Wer m├Âchte schon erneut einen Kreuzbandriss riskieren? Eben!

Und so geht erst mal weit ├╝ber eine Stunde alles seinen sozialistischen Gang. Campino, Kuddel und der Rest der coolen Gang ackern sich fit wie ein Turnschuh durchs Repertoire, Fortuna D├╝sseldorf wird in der Bundesliga endg├╝ltig willkommen gehei├čen und Band und Publikum schwingen sich musikalisch von Ast zu Ast bis die neue inoffizielle Sommer-/Fu├čball-EM-Hymne "Tage wie diese" den ersten Teil des Sets beendet. Jau!

Mit "Drau├čen vor der T├╝r" kommt im Zugabenteil noch mal ein St├╝ck vom letzten "Ballast der Republik"-Album zum Zuge, und ab dann steppt die Lucie. Campino erz├Ąhlt von den Erlebnissen der Band bei ihren legend├Ąren Wohnzimmerkonzerten und dass immer wieder die Frage der Gastgeber aufkommt, ob denn heute Abend auch "Westerland" gespielt wird !!!???!!!

Das haben die HOSEN dann zum Anlass genommen, doch mal ein St├╝ck der "anderen Band" einzustudieren und flugs wird "Schrei nach Liebe" das TOTE HOSEN-G├╝tesiegel aufgeb├╝gelt. Als n├Ąchstes Geschenk, dass die Band sich selbst gemacht hat, kommt BAD RELIGION-IKONE und -Frontmann Greg Graffin f├╝r zwei eigene Songs und "Blitzkrieg Bop" von den RAMONES auf die B├╝hne, um den ersten Zugabenteil zu beenden.

Kurz darauf hat Campino alle guten Vors├Ątze und Versprechen vergessen: Ohne mit der Wimper zu zucken fordert er das Publikum auf, ihn m├Âglichst schnell mit einer offenen Dose Bier mittels Crowdsurfing zum etwa 60 Meter entfernten Scheinwerferturm zu schaffen. Wenn es heute schneller geht als Tags zuvor in N├╝rnberg, kann er auf Kosten eines Kumpels die Minibar entern. Das ist nat├╝rlich jeden Einsatz wert. Gesagt getan. Kuddel ├╝bernimmt den Gesang und unter der beschwingten Melodie vom "Wort zum Sonntag" und "Bis zum bitteren Ende" schafft es Campino in Rekordzeit hin, rauf, runter und wieder zur├╝ck. Jedoch nicht, ohne auf dem Turm angekommen gen├╝sslich ein Bengalo zu entz├╝nden und in den Himmel zu recken. Es sind gro├če Kinder!!!

Fazit und Ausblick: auch 2012 erlebten wir wieder ein Festival von absoluter Professionalit├Ąt, was die Organisation angeht. Eine bunte Mischung an Bands diverser Stile, Nationalit├Ąten und Bekanntheitsgrade und einen abwechslungsreichen Wettermix. Bald wird der Ticketvorverkauf f├╝r das Jahr 2013 losgehen. Vom 07.-09.06.2013 ist es soweit und auch dieses Mal werden wieder die meisten Karten l├Ąngst ├╝ber die Theke gegangen sein, bevor die ersten (gro├čen) Namen feststehen...und sehr wahrscheinlich sind wir auch wieder f├╝r euch dabei. Checkt es aus!

F├╝r diejenigen, die den Weg zum N├╝rburgring 2012 nicht geschafft haben, hier zwei Videotipps:
1. METALLICA - http://www.youtube.com/watch?v=HLAUxLSxNGk  
2. DIE TOTEN HOSEN - http://www.youtube.com/watch?v=PWCsx200yoc



(Bericht von Dirk Limberg & Amir Djawadi - Fotos von Amir Djawadi)



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