Section: Festivals 18245Autor: Amir
Datum: 27.03.2011
Bereich: Festivals



















Große Namen im familiären Rahmen...

Jubiläumsevent in Holland - 30. Auflage des Festivals

BOSPOP 2010

Beim diesjährigen BOSPOP gab es für die Veranstalter einen echten Grund zu feiern: Zum 30. Mal hat ein hochmotivierter Haufen Freiwilliger eines der attraktivsten Rock-/Popfestivals in den Benelux-Staaten auf die Beine gestellt. Was als Sommerspass mit lokalen Bands für ein ortsansässiges Publikum begann ist schon lange ein Publikumsmagnet mit einer großen Anzahl internationaler Acts geworden. Die knappen 40 Autominuten von der deutschen Grenze tun ein Übriges dazu, dass auch regelmäßig ein Kontingent deutscher Musikfans den Weg nach Weert findet.

Dem Anlass angemessen hat sich das Team um BOSPOP-Urgestein Paul Adrians für 2010 entschlossen, das Festival aus dem Zentrum zu verlegen. Im Nordwesten der Stadt hat man ein etwas größeres Gelände mit weitaus besseren Parkmöglichkeiten für die Besucher gefunden. Es bleibt für die kommenden Jahre abzuwarten, ob sich die Örtlichkeiten auch in den Augen der Organisatoren bewährt hat.

Dank Amirs gesundheitlichem Handicap, das den Doc Rock selbst auf die Matte geschmissen hatte, mussten wir und mit dem diesjährigen Besuch auf den Sonntag beschränken und auch die Fotos kommen dankenswerter Weise von einer niederländischen "Linse". Dadurch entgingen uns akustisch am Samstag u.a. The Cranberries, John Fogerty und Crosby, Stills & Nash. Sehr ärgerlich…

Der Zufall oder der Fußballgott wollte es, dass dann auch noch am Festivalsonntag unsere holländischen Gastgeber das WM-Endspiel gegen die Toreros aus Spanien absolvierten. Dementsprechend dominierte „Oranje“ in allen textilen Spielarten vor dem sonst so trendigen Schwarz der üblichen Oberbekleidung (von orangen Perücken, Plastikholzschuhen, Bandanas, Fahnen und so weiter mal gaaaanz abgesehen…).

Ach ja, und warm und nahezu schattenlos war es auch. 28 Grad im spärlich vorhandenen Schatten. Deshalb danke noch mal an die Verantwortlichen, dass man kleine Wasserflaschen mitnehmen durfte und genug Wasserstellen zur Verfügung hatte, um sich abzukühlen. Diesen Service dürfen sich gerne einige renommierte deutsche Festivals noch abgucken. Tut bestimmt nicht weh…

Auftakt für mich heute auf der kleineren Nebenbühne die Elchtöter von ANVIL. Unverwüstlich und mit ihrem Willen, Metal zu sein mittlerweile auch schon Hauptdarsteller in einer eigenen Fernseh-Doku. Dass Lips und seine Mitstreiter völlig zu Unrecht die jahrzehntelangen Underdogs waren, sind und wahrscheinlich auch bleiben, lässt sich einmal mehr aus der Qualität der Songs und der Performance nicht erklären. Ein feiner Zug, die Jungs mal wieder nach Europa zu holen. Die Setlist erklärt, warum:
1. 666
2. School Love
3. Winged Assassins
4. This Is Thirteen
5. Mothra
6. Flying Blind
7. Thumb Hang
8. White Rhino
9. Metal on Metal
Schade, dass hier nur rund 45 Minuten Zeit fĂĽr den Auftritt zugestanden wurden.

Im Anschluss tobte das Leben (fast) ausschließlich auf der Hauptbühne. Nach der sehr gut aufgenommenen Hallentour im Mai gingen URIAH HEEP nochmals für einige Festivals an den Start. Ein schöner Trip in die Vergangenheit, denn neben einigen Songs aus dem letzten Album „Wake The Sleeper“ beschränkte sich die Songauswahl auf die Klassiker aus den nicht nur für URIAH HEEP Goldenen 70er. Sehenswert dabei immer wieder Mick Box’ Gesten während des Gitarrenspiels, die so ein bisschen was von Schlangenbeschwörung und Merlin-trifft-Gandalf-Voodoo haben.

Das Publikum hatte in jedem Fall seinen Spass, was angesichts der Setlist und dem Durchschnittsalter auf dem Rasen nicht verwunderte:

1. Wake The Sleeper
2. Return to Fantasy
3. Book Of Lies
4. Bird of Prey
5. Free Me
6. Sunrise
7. Free Â’nÂ’ Easy
8. Gypsy
9. July Morning
10. Easy LivinÂ’
11. Lady In Black

Highlight aus meiner Sicht im ebenfalls nur knapp 50minütigen Set war das sehr gut mit dem Keyboard neu arrangierte „July Morning“, eine Ballade par excellance und in dieser Form erst recht ein Stück für die Ewigkeit.
Ein letzter Schwenk vor die Nebenbühne brachte mir die MICHAEL SCHENKER GROUP ins Blickfeld. Mit Gary Barden am Mikro habe ich MSG bislang noch nie live gesehen, umso gespannter war ich, wie er mit den Kronjuwelen im Bandrepertoire zurecht kommt. Nach 60 Minuten stand für mich fest, dass er im direkten Vergleich mit einem Chris Logan oder natürlich Graham Bonnet nicht den ersten Platz nach Hause trägt, aber sich wacker schlägt, unterstützt vom Können eines gewissen Herrn S. an der Gitarre. Jedenfalls keine Zeitverschwendung oder gar eine Legendendemontage, wie man es schon manchmal anderenorts hörte oder las.
1. Armed And Ready
2. Cry For The Nations
3. Let Sleeping Dogs Lie
4. Ready To Rock
5. I Want You
6. Into The Arena
7. Lost Horizons
8. Rock My Nights Away
9. On And On
10. Lights Out (UFO cover)
11. Attack of The Mad Axeman
12. Rock Bottom (UFO cover)
13. Doctor Doctor (UFO cover)

Dass mit „Lights Out“ ausgerechnet ein UFO-Cover für mich persönlich das Highlight setzte, geht – denke ich – angesichts von Schenkers Einfluss auf beide Bands glatt in Ordnung.
TWISTED SISTER im Anschluss muss man nicht extra groß heraus stellen. Seit einigen Jahren pflegen sie in Originalbesetzung das eigene Erbe mit Können und Hingabe. Sonne und „Bierche“ hatten die Zuschauer mittlerweile nachhaltig in Partylaune versetzt, so dass der Dirty Talk von Oberschwester Schneider seine Wirkung nicht verfehlte. Und die Fußballmannschaft des Gastgebers zu loben, kann sich auch nicht als Fehlgriff herausstellen, vom TShirt in den Hausfarben mal ganz abgesehen. Eine Stunde Balsam für den Rebellen im Couchpotato. Herz, was willste mehr…?
1. Under the Blade
2. The Kids are Back
3. Stay Hungry
4. Captain Howdy
5. WeÂ’re Not Gonna Take It
6. Shoot Â’em Down
7. You CanÂ’t Stop Rock Â’nÂ’ Roll
8. The Price
9. Burn In Hell
10. I Wanna Rock

Mit „Captain Howdy“ wurde ein ebenso tolles wie seltenes Stück präsentiert. Was ich persönlich nur immer wieder schade finde, ist, dass nicht auch Songs von letzten regulären Studio-Album „Love Is For Suckers“ den Weg in die Setlist finden. Die 1987er Tour hat damals gezeigt, dass das alles gut miteinander funktionieren würde. Aber die Hoffnung bleibt…
BILLY IDOL hat es sich dann nicht nehmen lassen, seinen dritten Frühling auch auf dem BOSPOP zu feiern. Mit dem regulären Festivalset dieses Jahres bediente er die „Best Of“-Erwartungen der Charthörer der 80er Jahre ebenso wie den Geschmack der eingefleischten Fans, wenn er auf Stücke seiner alten Band „Generation X“ zurück greift. Sich passend zur Musik zu bewegen und breit zu grinsen hat er dabei noch immer drauf. Ganz alte Schule. Und nach wie vor gilt, dass er in Steve Stevens an der Gitarre einen kongenialen Partner hat, dem zu Recht eine Menge Platz auf der Bühne zugestanden wird. Noch immer einer der gaaanz Großen.
1. Ready Steady Go (Generation X cover)
2. Dancing With Myself
3. Love Is Strange
4. Flesh For Fantasy
5. Scream
6. Eyes Without a Face
7. Kings and Queens of the Underground
8. L.A. Woman (The Doors cover)
9. King Rocker (Generation X cover)
10. Blue Highway
11. Rebel Yell
12. White Wedding

Nun folgte im Zeitplan das unvermeidbare: Das Endspiel. Ich bin auch nur ein Mann und weit entfernt von masochistischen Neigungen. Also habe ich mich entschlossen, auf den Parkplatz auszuweichen, um etwas ausgeruhter TOTO geniessen zu können. Die Geräuschkulisse aus 300 Metern Entfernung und die Tollhausatmosphäre auf dem Weg zurück aufs Gelände ließen jedoch keinen Zweifel daran, wie das Fußballmärchen ausgegangen war. Ein ehrenvoller und hochgefeierter Platz als Vize im Fußballolymp. Na ja…
Mainstreamrock zum Abschluss des Tages. TOTO einmal mehr in Holland auf einem Open Air. UnterstĂĽtzt von einer grandiosen Lightshow ging es durchs Eingemachte.
1. ChildÂ’s Anthem
2. Till The End
3. Afraid Of Love
4. Lovers In The Night
5. I Will Remember
6. Pamela
7. Somewhere Tonight
8. I CanÂ’t Stop Loving you
9. *Keyboard Extravaganza*
10. Africa
11. Rosanna
12. Home Of The Brave
13. Hold The Line

Von der Songauswahl her sehr ausgewogenes Set, in dem meine persönlichen Faves geballt am Ende standen und für einen krönenden Abschluss einer Hitzeschlacht mit durchweg guter bis sehr guter Musik sorgten.

Tot ziens bis 2011Â…

(Bericht von Dirk Limberg)



.


^^^ BACK TO TOP ^^^
© 1998-2012 by www.Heavy-Metal.de