Section: Festivals 17409Autor: Amir
Datum: 13.12.2010
Bereich: Festivals



















































Es war ein Wochenende im Sommer 2010...

Jubil├Ąumsevent

ROCK AM RING 2010

Das legend├Ąre deutsche Rockfestival feierte anno 2010 sein Jubil├Ąum - 25 Jahre ROCK AM RING. Dieses Event hat eine Dimension und Tragweite, es ist schon beeindruckend. Um das zu verdeutlichen mal ein paar "andere" Zahlen: es werden ca. 12 Kilometer Z├Ąune aufgestellt, 36 Kilometer Stromkabel verlegt und 1500 Toiletten aufgestellt. 50 Gabelstapler sind im Einsatz 1200 Securitymitarbeiter sorgen f├╝r die Sicherheit der Festivalbesucher.

1500 Gastromitarbeiter an 100 St├Ąnden versorgen die Fans mit Speisen und Getr├Ąnken, w├Ąhrend im Cateringbereich fast 8000 Essen f├╝r Crews und Bands serviert werden. Etwa sechs Tonnen Lebensmittel werden hier verarbeitet.

Schon interessant, oder!? Jetzt aber zum eigentlich Thema: Musik. Da es sich ja um eine Jubil├Ąumsveranstaltung handelt, hat der Veranstalter als Bonus einen Tag "drangeh├Ąngt" und zwar vorne. So begann das Festival dieses Jahr schon am Donnerstag mit den Szenegr├Â├čen von KISS. Den Anheizer f├╝r das maskierte Quartett gab die deutsche Formation H-BLOCKX. Leider sind wir erst am Folgetag angereist und k├Ânnen euch daher keinen eigenen Eindruck vermitteln. Wenn man den Leuten vor Ort glauben darf, die die Auftritte miterlebt haben, war es auf jeden Fall eine gute Sache.

Der Festivalfreitag ├╝berraschte erst einmal mit dem Wetter. Bei der Anreise ist man ja noch gutes Wetter gew├Âhnt, aber direkt am "Ring" ist das eher untypisch. Da zeigte sich der Wettergott wohl gn├Ądig (Stichwort: Geschenk zum Jubil├Ąum). Strahlender Sonnenschein bei ├╝ber 20 Grad. An den ersten Festivalbesuchern, die man traf, merkte man, dass es auch schon eine Weile so gewesen sein muss. Aus unserer Sicht sollte dieses Jahr musikalisch der "Hammertag" werden. Dazu sp├Ąter mehr.

F├╝r mich f├Ąngt ROCK AM RING 2010 zun├Ąchst mal als "Pop Am Ring" an, denn es geht nach der Ankunft schnurstracks Richtung Alternastage zu OneRepublic. Die gleiche Idee hatten ausser mir an diesem fr├╝hen Abend auch gesch├Ątzte 20.000 andere Besucher, so dass sich die Truppe aus Colorado/USA einer ansehnlichen Kulisse gegen├╝ber sah. Zwei Alben mit acht Singles in drei Jahren wurden gewissenhaft abgearbeitet, und wer den Jungs vorwerfen wollte, sie seien nur deswegen in aller Munde, weil sich ein Herr Timbaland mal eines ihrer Songs angenommen hat, der konnte sich deutlich eines Besseren belehren lassen. Es ist nicht nur so, dass die Jungs um Frontmann Ryan Tedder ansprechende Melodien zusammen zimmern k├Ânnen. Sie schaffen es auch, binnen kurzer Zeit live zu ├╝berzeugen und die Menge mitzurei├čen. Getreu dem Motto: "Das Beste zum Schluss" verabschiedete sich der F├╝nfer nach knapp 40 Minuten mit "Apologize". Hinsichtlich der Performance, die OneRepublic gezeigt haben, gab es jedoch definitiv nichts zu entschuldigen.

Auf der Hauptb├╝hne gab sich nun SLASH die Ehre. Der im typischen Stil gekleidete Gitarrist (Lange Lockenpracht mit Lederklamotten und Zylinder) hat sich ja mit GUNS `N` ROSES einen Namen erspielt und in den vergangenen Jahren unter eigener Flagge entsprechende Erfolge eingefahren. Der Traditionsrocker (ich kann euch ├╝brigens auch seine Biographie ans Herz legen - zum Lesen oder als H├Ârbuch -checkt es an entsprechender Stelle aus) legte mit seinen musikalischen Mitstreitern ein Set mit einem Dutzend Songs ab.

Nach dem Opener "Ghost" gab┬┤s noch einige eigene St├╝cke, bevor man nach dem eingestreuten "Sweet child o┬┤ mine" die Performance mit dem Klassiker "Paradise City" beendete. Eine ├╝berzeugende grundsolide Leistung.

Auch in diesem Jahr nutzte man erneut das "neue" Sicherheitskonzept vor der Hauptb├╝hne, wobei mehrere "Wellenbrecher" zum Einsatz kommen, um den Druck aus der riesigen Menschenmenge zu nehmen.

Bei einem der letzten St├╝rme, die ├╝ber die Eifel fegten, ist den Ringrockern offenbar das gro├če Zelt mit der dritten B├╝hne weggeflogen. F├╝r mich gar nicht so schlecht, denn diese Rundum-Werbeveranstaltung einer koffeinhaltigen dunklen Brause hatte bis 2009 so ├╝berhandgenommen, dass die auftretenden Bands fast sch├Ân st├Ârend wirkten. Also ab jetzt wieder komplett open air. Recht so.

Auf der Clubstage, der dritten B├╝hne im Gesamtpaket, gab┬┤s nun TAKING DAWN zu sehen. Diese Truppe zeigte, dass man auch anno 2010 mit traditionellem Gepose noch antreten kann. Zumindest gelang es, eine ansehnliche Menge an Interessenten vor der B├╝hne zu versammeln, w├Ąhrend die Rock am Ring-Sonne am Horizont des wolkenlosen Himmels versinkt. Es k├╝hlte dann auch langsam ab.

Man spielte auch einen Song f├╝r DIO, der Rockmusiker, der von allen 2010 Verstorbenen auf S├Ąnger Chris Babbitt den gr├Â├čten Eindruck gemacht zu haben schien. Beim letzten Song des Sets suchte der Frontmann dann den Kontakt zum Publikum und sprang kurzerhand mit der Gitarre in die Fans und lief umher. Am Ende belohnte man die Band mit Zugaberufen - sicherlich eher eine Seltenheit auf dieser Nebenb├╝hne.

KAMELOT legten es wohl drauf an, im Rennen um die Pyrok├Ânige 2010 zumindest aufs Treppchen zu kommen. W├Ąhrend des Openers "Rule The World" ging es mit je einer Batterie Flammenwerfer am B├╝hnenrand und vor der Backline ordentlich zur Sache. Auf der B├╝hne in der Optik des bald erscheinenden Albums "Great Pandemonium" gab insbesondere S├Ąnger Roy Khan alles. Nach ├╝ber 20 B├╝hnenjahren mit CONCEPTION und KAMELOT ist er immer noch so agil wie mit Mitte 20 und seine Stimme hat immer noch dieses gewisse Etwas, dass man sie unter 1000 anderen erkennt. Mit einem Outfit in Anlehnung an die "Matrix"-Filme gab es ein optisch sehr geiles Gesamtpaket. Dem Anlass entsprechend pr├Ąsentierte die Band mit dem Titelst├╝ck des neuen Albums im ersten Teil des Sets ein erstes Highlight. Roy wurde stimmlich von einer Dame namens Elize Ryd unterst├╝tzt, die auch k├Ârperlich mit ihm auf der B├╝hne harmonierte (├Ąhemm....). Der zweite Teil des Sets w├╝rdigte nochmals das (noch) aktuelle Album "Ghost Opera" mit dem Titelst├╝ck. Drei St├╝cke sp├Ąter war mit "March Of Mephisto" der kurzweilige Auftritt nach 40 Minuten (leider !!!) bereits beendet. Ich freue mich auf eine zuk├╝nftige Hallentour. Hier noch die Setlist des Abends:

1. Rule The World
2. The Human Stain
3. The Great Pandemonium
4. The Haunting
5. Ghost Opera
6. The Pendulous Fall
7. Karma Play
8. March Of Mephisto

Den Headliner des heutigen Abends auf der Hauptb├╝hne hatten die Zuschauer hei├č erwartet. RAGE AGAINST THE MACHINE. Wie man es von einer Band dieser Gr├Â├čenordnung erwartet, legte die Combo um Frontmann Zack de la Rocha amtlich los und lieferte 14 Songs ab.
Soweit man sehen konnte, zeigte sich bis zum Horizont eine gute Stimmung. Bei Songs wie "Bullet in the head" ging┬┤s vor und auf der B├╝hne gut ab. Schlie├člich endete der Abend auf der Centerstage mit dem Klassiker aus dem Bandarchiv: "Killing in the name". Klasse!!

Auf der zweitgr├Â├čten B├╝hne, der nach dem Sponsor benannten SUZUKI Alternastage gab┬┤s derweil gute Qualit├Ąt aus deutschen Landen: die SPORTFREUNDE STILLER gaben sich die Ehre und performten "unplugged". Das ROCK AM RING-Festival ist ja seit jeher f├╝r seine Vielseitigkeit bekannt. Neben den internationalen Rockacts und Superstars geben sich auch jedes Jahr die bekannten Acts der deutschen Szene ein Stelldichein.

Die SPORTFREUNDE STILLER lieferten um Mitternacht eine Performance mit Streichern etc. ab, die die Crowd vor der B├╝hne zum "rocken" animierte. Die Fans sangen lautstark mit und supporten die "Sporties" damit tatkr├Ąftig.

Es bleibt weitestgehend poppig an diesem Abend, aber mit Niveau und einem Hang zur Kultveranstaltung. Public viewer┬ĺs darlings von SPORTFREUNDE STILLER haben die AlternaStage auserkoren, um an diesem Abend mal unplugged einen drauf zu machen. Diese popul├Ąre Form der Darbietung ist ja im letzten Jahrzehnt etwas aus der Mode gekommen, so dass die SPORTFREUNDE gut daran tun, hier ein Revival zu unterst├╝tzen. Denn nur Handwerk hat goldenen Boden, gelle?

Wie man an der Setlist deutlich sieht,

1. Der Titel vom n├Ąchsten Kapitel
2. Hallo du
3. Heimatlied
4. Lass mich nie mehr los
5. Fr├╝hling
6. (Tu nur das) was dein Herz dir sagt
7. ¡Vamos!
8. Ein Kompliment
9. 1. Wahl
10. Wie lange sollen wir noch warten?
11. Fast wie von selbst
12. 7 Tage, 7 N├Ąchte
13. Rock & Roll Queen
(The Subways cover)
14. Ich war noch niemals in New York
(Udo J├╝rgens cover)
15. Siehst du das genauso?
16. ┬ĺ54, ┬ĺ74, ┬ĺ90, 2010
17. Ich, Roque

kamen eher dem Anlass entsprechend ruhigere St├╝cke zum Zuge. Erst zum Ende hin l├Ąuteten die beiden Coversongs die temporeichere Phase des Auftritts ein. Punkig angehauchter Alternative Rock gefolgt von einem Filetst├╝ck des deutschen Schlagers - eine gewagte Mischung, die absolut aufging! Hut ab! Ich denke, die ┬ĺFreunde haben das Set schon mehrfach vorher erprobt, aber das Publikum am RING ist immer etwas special und auf seine Art nicht immer leicht auf die Seite zu ziehen. Hier hat es grandios gefunzt. Die inoffizielle deutsche Nationalhymne 2010 war dann im Zugabenteil nur die logische Konsequenz. Fazit: Unplugged darf, muss aber nicht als Kammermusik aufgezogen werden. Entscheidend ist, wie man als Band da heran geht. Der Weg der SPORTFREUNDE STILLER war jedenfalls der richtige.

Am ROCK AM RING-Samstag gab┬┤s dann eine herbe Entt├Ąuschung: HELLYEAH, eine Formation, auf die wir (wie auch viele andere Metalfans) uns gefreut hatten (unter anderem ist dort Ex-PANTERA Drummer Vinnie Paul am Start), cancelten den Gig. Es tauchten wilde Ger├╝chte auf, von famili├Ąren Problemen bis zur Drogen- und Alkohol"├╝berdosis". Fazit: sie spielten NICHT!

Das Programm r├╝ckte auf und so gab┬┤s bald LAZER. Nie geh├Ârt!? Eine Spa├čcombo ├á la JBO mit dem Unterschied, dass der Spa├č hier nur auf der B├╝hne und nicht im Publikum stattfand, w├Ąhrend die pinken Spa├črocker ja auch in der Menge vor der B├╝hne f├╝r Erheiterung mit ihren Auftritten sorgen.

Der Samstagnachmittag auf der AlternaStage war damit der Stresstest, inwieweit Humor und Persiflage in der Musik so r├╝ber gebracht werden k├Ânnen, dass es so eben noch diesseits des guten Geschmacks im wahrsten Sinne des Wortes "├╝ber die B├╝hne" geht. LAZER sind jedenfalls an diesem Tag angetreten, die Untiefen in Bild und Ton einmal nachhaltig auszuloten. Optisch nahe an der Rocky Horror Picture Show meets Addams Family meets Klimbim und musikalisch auf Castingniveau von Menderez bei DSDS fragt man sich binnen drei Minuten: meinen die das ernst oder verarschen die abwechselnd sich selbst und das erwartungsfrohe Publikum. Auch doof sein kann harte Arbeit bedeuten, deshalb waren die - ├Ąhhh - Herren jeden Cent ihrer Gage wert. Ich kenne einen der - ├Ąhhh - Musiker pers├Ânlich und weiss, die wollen nur spielen und sind eigentlich spieltechnisch versiert. Aber im Endefekt sind wohl viele Anwesende noch nicht oder nicht mehr alkoholisiert genug, um den Spass mitzukriegen. Buhrufe sind die logische Folge und einzelne Meinungen, dass einem spontan zehn andere Bands einfallen w├╝rden, die es verdient h├Ątten, statt LAZER hier zu spielen. Dem ist nichts hinzu zu f├╝gen.

Auf der Clubstage enterten THE STORM die Bretter. Die Band mit weiblichem melodischem Gesang wusste die ├╝berschaubare Menge vor der B├╝hne durchaus mit ihrem Auftritt zu ├╝berzeugen.

Eine der Bands, die definitiv einen Platz auf einer der gr├Â├čeren B├╝hnen verdient h├Ątten folgte dann: DOMMIN. Die Kalifornier legten einen professionellen Auftritt hin und ich war gespannt, ob man vom Sound her einen besseren Eindruck hinterlassen w├╝rde als beim Supportgig f├╝r LACUNA COIL. Leider gab┬┤s f├╝r die sympathische Combo zu wenige Zuschauer, aber die Stimmung war gut. Die B├╝hne zierte ein Backdrop mit dem Bandnamen und einer Rose, die in einen Totenkopf ├╝bergeht.

Die Band um S├Ąnger und Namensgeber Kristofer Dommin ist an der amerikanischen Westk├╝ste bereits seit zehn Jahren aktiv, konnte aber erst im Februar nach mehreren Demos und einer EP mit "Love Is Gone" ein erstes Album bei eim Major unterbringen. Albumtitel, B├╝hnendeko mit blutiger Rose und die schwarze Gewandung lassen erahnen, wo die Reise die kommende halbe Stunde hingehen wird: Gothicrock, melancholisch, eing├Ąngig und sehr professionell gespielt. Von daher kann die Ank├╝ndigung, jetzt erst das Deb├╝t ver├Âffentlicht zu haben, zu falschen Schl├╝ssen verleiten. Hinter dem aktuellen Material steckt ebenso viel Klasse wie Erfahrung. Der RING ist daher folgerichtig eine gute Gelegenheit, sich ├╝ber die Szene hinaus bekannt zu machen. Highlights f├╝r mich dabei eine eher rockigere Nummer namens "Dark Holiday", die ein bisschen an den Rockabilly der fr├╝hen 60er Jahre erinnerte und die Coverversion von "I Just Died In Your Arms Tonight" (original von CUTTING CREW), mit der DOMMIN niemals etwas falsch machen k├Ânnen bei einem Gig. Man spielte u.a. Songs wie "Dark holiday" und endete (paradox) mit dem Track "Without end". Checkt die Band auf www.dommin.com.


├ľrtlicher und stilistischer Schwenk hin zur CenterStage und GOSSIP unter dem Kommando von Mrs. Beth Ditto. Das Trio um den bunten Brummkreisel mit der wilden Schminke ist echt eine Show f├╝r sich. Frau Ditto schenkt sich nichts und d├╝rfte alle Eltern ADHS-kranker Kinder beruhigen, dass jeder in der Lage ist, seine soziale Nische zu finden. Hierzulande bekannt geworden mit "Heavy Cross" (├╝brigens das Zugabenst├╝ck nach 75 wilden Minuten..) kann man getrost davon ausgehen, dass nahezu jedes St├╝ck ordentlich knallt und zum mitswingen/-tanzen animiert. Wirklich gro├čes Kino. Wer sich abseits des aktuellen Materials ├╝berzeugen will, dass die B├╝hnenaction zur Band geh├Ârt wie die Glocke zu AC/DC, dem sei die CD bzw. noch besser DVD "Live In Liverpool" aus 2007 empfohlen, ein abendf├╝llender Spass. Abendf├╝llend auch das heutige Programm, ein Querschnitt aus fast zehn Jahren Bandgeschichte. Neben dem erw├Ąhnten "Heavy Cross" f├╝r mich auch gro├čartig "Four Letter Word" und "Don┬ĺt Make Waves" sowie der TINA TURNER-Klassiker "What┬ĺs Love Got To Do With It". Die Setlist anbei:

1. Yr Mangled Heart Pla
2. Pop Goes The World
3. 8th Wonder
4. Eyes Open
5. 2012
6. Four Letter Word
7. Listen Up!
8. Dimestore Diamond Pla
9. Love Long Distance
10. Men in Love
11. Don┬ĺt Make Waves
12. Standing in the Way of Control
13. What┬ĺs Love Got To Do With It
(Tina Turner cover)
14. Heavy Cross

Wir wandten uns dann der deutlich h├Ąrteren Gangart auf der Alternastage zu: STONE SOUR. Ich kannte die Band bislang nicht, hatte aber von den mitrei├čenden Shows des F├╝nfers aus dem Zentrum des Rocks in Des Moines, Iowa geh├Ârt und es mir folgerichtig gegeben. Ein Weg, der sich definitiv gelohnt hat, f├╝r mich und die anderen ca. 15.000 Zuschauer vor Ort. Ich habe mir nachtr├Ąglich angelesen, dass sich die band bereits zwei Nominierungen f├╝r einen Grammy eingefangen hat. Das macht ja erst mal verd├Ąchtig, weil Mainstream. Aber live jedenfalls, l├Ąsst man es gepflegt krachen. Mangels Hintergrundwissen hier nur der Vollst├Ąndigkeit halber noch die Setlist:

01. Mission Statement
02. Made Of Scars
03. Hell & Consequences
04. Digital
05. Blotter
06. Your God
07. Get Inside
08. The Bitter End
09. Through Glass
10. 30/30-150

Wie sagte ein Kollege!? "Die machen aber echt Alarm". Das kann man in diesem Fall als echtes Kompliment werten und l├Ąngst ist die Formation, die vielleicht mal als Side-Project gedacht war, fest etabliert und entwickelt eine zunehmende eigene Fanbase. "Made of scars" l├Ąsst die Massen kochen. Den Aussagen von Frontmann Corey Taylor (den man ja auch von SLIPKNOT kennt) nach ist es die erste Tour nach 2 1/2 Jahren Pause und derzeit auch der Tourauftakt.

Von M├╝digkeit aber keine Spur. Voller Elan zelebrieren die Herren im Sonnenschein bei leichter Bew├Âlkung Songs wie "Your god" oder "The bitter end".

Am Rande sei noch erw├Ąhnt, dass Marek Lieberberg als Chef des Veranstalters noch zum Jubil├Ąum sein Gesicht in eine Torte gedr├╝ckt bekam, gefolgt von einem Feuerwerk. Was so ein Jubil├Ąum so mit sich bringt...er scheint aber f├╝r jeden Spa├č zu haben zu sein und nahm es mit einem L├Ącheln...

Eine amtliche Position in der Szene haben sich mittlerweile auf jeden Fall auch VOLBEAT erspielt. Vor einer fetten Wand aus Marshall-Amps trat die Band auf und servierte harte Kost. Neben Songs wie "Fallen" oder "Radio girl" gab┬┤s aber auch die Hommage an den verstorbenen Country-Star J. Cash "Sad man┬┤s tongue". Alles in allem stellten VOLBEAT einen w├╝rdigen Anheizer f├╝r die Kult-Metaller von SLAYER dar. Mit "Hallelujah goat" gab┬┤s Danish Dynamite in Vollbedienung.

Als Drummer interessierte mich noch eine Band ganz anderer Musikrichtung besonders: TAYLOR HAWKINS & THE COATTAIL RIDERS. F├╝r Alle, die den Namen nicht sofort zuordnen k├Ânnen, sei erkl├Ąrt, dass der gute Mann der Drummer der Foo Fighters ist und ein Tier hinter der Schie├čbude. Das kam bei der eher gem├Ą├čigten Mucke, die er mit dieser Combo spielt eher nicht so zum Tragen, daf├╝r blieb noch Raum und Energie, dazu zu singen. F├╝r einen Drummer immer eine echte Herausforderung!

Wie gesagt, musikalisch etwas ganz anderes, aber absolut sehens- respektive h├Ârenswert. Man m├Âchte ja mal seinen Horizont erweitern und so verstehe ich auch so ein Festival mit seinen 80 Bands. Da sollte doch immer mal was Neues und "Unbekanntes" zu entdecken sein und somit der Blick ├╝ber den Tellerrand m├Âglich sein. Groovy, manchmal bluesig und doch mit ordentlich Leben versehen ist dieses Material. Es hat etwas von den 70ern, schafft aber doch den Br├╝ckenschlag zur Moderne. Mir hat┬┤s gefallen.

Einer der letzten Acts am Samstag(sp├Ąt)abend waren KATATONIA auf der Clubstage. Ich find┬┤s je immer wieder cool, sich mal etwas "unbekanntere" Bands anzuschauen. Wie soll man┬┤s beschreiben? D├╝stere Musik, melancholischer Gesang mit einem Hang zur Eint├Ânigkeit. Alles in allem aber annehmbar. Leider gab┬┤s nur ein paar hundert Zuschauer, aber gut: parallel kickten SLAYER Arsch auf der benachbarten Alternastage.

Weit entfernt von unbekannt und ein Eckpfeiler des unverf├Ąlschten B├Âsen, das diese Musik so interessant macht sind SLAYER, einmal mehr unverdient auf der AlternaStage. Etwas mehr wieder in Richtung ├Ąlteres Material unterwegs mit der aktuellen Setlist, und zudem immer wieder ein Ohren-, und im Falle von Kerry "Kettenhund" King und Dave "Bored" Lombardo auch ein Augenschmaus erster Kaj├╝te, der dank der Kollegen vom SWR gekonnt auf gro├čen Bildschirmen in Szene gesetzt wird.

Wasser ist nass, Lebertran ist bitter, SLAYER ist METAL!!!! Was soll ich gro├č erz├Ąhlen? Wer sie dieses Jahr auf den Festivals oder beim Sonisphere oder bei den eingestreuten Hallengigs verpasst hat, dem ist eh nicht mehr zu helfen. ├ärgert euch einfach ├╝ber die verpasste Chance, euch DAS HIER um die Ohren hauen zu lassen:

1. World Painted Blood
2. Jihad
3. Hate Worldwide
4. Disciple
5. Dead Skin Mask
6. Expendable Youth
7. War Ensemble
8. Beauty Through Order
9. Seasons in the Abyss
10. Hell Awaits
11. Mandatory Suicide
12. Chemical Warfare
13. Raining Blood
14. South of Heaven
15. Angel of Death

Zwei kleine Anekdoten noch: Beth Ditto von GOSSIP hat sich die Show von der B├╝hnentrib├╝ne aus angesehen und war anschlie├čend sichtlich angetan von der Power der Band. Und auf dem R├╝ckweg im Shuttlebus meinte ein anderer Journalist, "Seasons In The Abyss" w├Ąre f├╝r Katja Burkhard von RTL wohl der Songtitel mit der gr├Â├čten Hochwassergefahr auf dem Moderatorenpult (gemein!!!).

Der Festivalsonntag

Soll man weinen, es als Tradition nehmen oder sarkastisch werden!? Jedenfalls gab es nach einem soweit warmen und sonnig-bew├Âlkten Tag einen extremen Wetterumschwung, als die Opener der Centerstage die B├╝hne enterten. Krasse Windb├Âen, die den physikalisch-statischen Gegebenheiten der B├╝hnenkonstruktion Einiges abverlangten. Dazu kamen bald auch dicke Regentropfen, die den Fans ins Gesicht peitschten.

Gestern h├Ątte man die Bedingungen ggf. als willkommene Erfrischung respektive Abk├╝hlung eingestuft, Heute aber war es einfach nur ├╝berfl├╝ssig. Es ging ein kurzer aber heftiger Guss nieder, der in einen l├Ąnger andauernden Regenschauer leichter Intensit├Ąt wechselte.

Seit ca. 1600h hat uns das gewohnte Ring-Wetter mit Regen und Wind wieder gut an den Eiern. Von Mutti wei├č ich, dass ich nicht aus Zucker bin, deshalb mache ich mich auf zu den DONOTS auf der AlternaStage (f├╝r diese ├ťberleitung bekomme ich 2011 einen Pulitzer-Preis, ihr werdet es sehen...). Leider nur 35 Minuten hat man den f├╝nf Rockern aus Ibbenb├╝ren zugestanden. Acht Songs bringen die Jungs unter und machen damit so etwas wie das Aufw├Ąrmtraining f├╝r ihre Vorbilder, die 90 Minuten sp├Ąter an gleicher Stelle spielen. Die Rede ist von BAD RELIGION (dazu sp├Ąter mehr).

FFDP - FIVE FINGER DEATH PUNCH nehmen es locker mit dem fiesen Wetter und rocken amtlich die Hauptb├╝hne und auch die Menge vor der B├╝hne nimmt die auferlegte kalte Dusche mit Gelassenheit hin bzw. rockt dagegen an. Bald bildete sich in der Menge ein ordentlicher "Kreisel" und die Fans sorgten f├╝r W├Ąrme durch Bewegung.

Am heutigen Tage fand dann auch wieder die traditionelle Pressekonferenz statt, bei der die Verantwortlichen des Festivals gemeinsam mit den Obersten der Polizei und Rettungsdienste den Journalisten erz├Ąhlen, wie die Gesamtlage der Veranstaltung ist. Verglichen mit den Ereignissen, die in einer ├Ąhnlichen 100.000-Einwohnerstadt an einem l├Ąngeren Wochenende passieren, sei es hier wirklich in Ordnung und man k├Ânne ein positives Res├╝mee ziehen. Au├čerdem war zu erfahren, dass es keinen regelm├Ą├čigen 4. Festivaltag geben w├╝rde und auch ein drittes Parallelfestival z.B. in Norddeutschland sei - trotz der gro├čen Nachfrage - nicht geplant.

Die Hauptb├╝hne empfing nun BULLET FOR MY VALENTINE und safte Sonnenstrahlen wagten sich hervor. Das passte gar nicht so zur Musik, denn so hart hatte ich die Herrschaften nicht in Erinnerung. Sie zettelten ein paar respektable Pits an. Die Fl├Ąche vor der Centerstage war gef├╝llt bis hinten gegen. Wer auch immer vor dem Regenguss gefl├╝chtet war, der tauchte jetzt aus der Versenkung auf.

Seit ziemlich genau 30 Jahren wissen die Jungs um S├Ąnger Greg Graffin, wie man eine Meute abkocht, n├Ąmlich mit eing├Ąngigen, dreckigen Melodien und Lyrics, die auf den Punkt passen. Wollte man das voll auskosten, m├╝sste der Gig statt 45 Minuten etwa f├╝nf Stunden dauern, um halbwegs alle Faves zu ber├╝cksichtigen. Aber 15 Songs m├╝ssen es heute tun. Balladen sucht man deshalb vergeblich, wie auch Greg mit breitem Grinsen nach "Fuck Armageddon" klar stellt. Der Kompass steht beinhart auf "Keine Gefangenen". Das pitschnasse Publikum dankt es mit Pogokreiseln und nicht enden wollender Bodywave. Auch hier ganz klar das Manko, dass ein so hochklassiger Act nicht die CenterStage rocken darf. Sehr schade.

1. American Jesus
2. You
3. Fuck Armageddon...This is Hell
4. A Walk
5. Los Angeles is Burning
6. Before You Die
7. Man with a Mission
8. Marked
9. Infected
10. Generator
11. Along the Way
12. Germs of Perfection
13. Punk Rock Song
14. 21st Century (Digital Boy)
15. Sorrow

Bevor die derzeit hoch gehandelten RAMMSTEIN den Headliner des Sonntags auf der gro├čen B├╝hne geben sollten, hatten RISE AGAINST die Ehre des "Anheizers". Auch hier gab┬┤s einen kurzen und mit dicken Tropfen ausgestatteten Schauer, der die Band aber nicht abhielt, Alles zu geben und im Gegenzug gab┬┤s auch vor der B├╝hne viel Action.

Mit noch je 2 Bands auf den "kleineren B├╝hnen" endete schlie├člich nach einem heftigen Regenguss (und wir waren - zumindest zeitweise - mal mitten drin!!) die Jubil├Ąumsausgabe von ROCK AM RING.

Was bleibt noch f├╝r 2011 zu sagen? Gro├če und kleine Namen, wechselhaftes Wetter und einmal mehr ein unvergessliches Event...also Alles so wie praktisch jedes Jahr...wenn nix dazwischen kommt sind wir auch 2011 wieder f├╝r euch vor Ort und berichten unter Einsatz unserer (dann nicht mehr so trockenen) Haut...kommt gut ┬┤r├╝ber ins neue Jahr.

Rock on!!!!


(Bericht von Dirk Limberg und Amir Djawadi - alle Fotos von Amir Djawadi)



.


^^^ BACK TO TOP ^^^
© 1998-2012 by www.Heavy-Metal.de