Keinesfalls Zappenduster in Niederkrüchten Auch auf dem Lande tut sich was Gutes... Pitch Black, Niederkrüchten, 23.06.2009 ROCK IGNITION und JON OLIVA’s PAIN ROCK IGNITION und JON OLIVA’s PAIN
Am späten Nachmittag vor dem Gig hatte eine mitgereiste Amerikanerin noch irritiert gefragt, wie man hier "in the middle of nowhere" bloss ein Konzert spielen könne.
Und auch die Aufbauten im "Pitch Black" sind sicher der Horror für manchen Tourmanager. Denn der Weg zur Toilette führt am Bühnenrand rechts ab am Backstagebereich entlang, wo das gesamte Equipment lagert. Eindeutig für den Laden spricht jedoch die überschaubare Abmessung des Platzes vor der Bühne, der mit knapp sechs auf 20 Meter ein hautnahes Musikerlebnis garantiert.
Den Abend eröffnet ROCK IGNITION, eine Rock-Formation aus der Gegend um den SILENT FORCE-Bassisten Jürgen Steinmetz und Sängerin Heather Shockley.
Dass Rock richtig knallen kann, wird auch dem Letzten im Saal spätestens beim dritten Stück auf der 45minütigen Setlist aufgegangen sein. Mit "I Can’t Resist" hat das Quartett nicht nur ein amtliches Titelstück ihrer EP am Start sondern einen Song, bei dem nur geburtstaube Menschen nicht von Anfang an mitgehen. Heathers Bühnenperformance unterstreicht diesen Eindruck noch. Zur Mitte des Sets wird es mit "Caught In The Past" ein bisschen ruhiger und die Rockmusik von ROCK IGNITION spielt den Gefühlstrumpf auf. Die Anleihen bei Grössen wie z.B. Queen kommen hier deutlich zum Tragen, ohne in den Bombast abzugleiten. Absolut top. Vor dem Rausschmeisser "My Rock’n’Roll" gibt die Band mit "Streets Of New York" noch mal richtig Gas und hat sich den Applaus der rund 100 Leute vor der Bühne ehrlich verdient. Auf das kommende Album darf man mit Recht gespannt sein.
Apropos gespannt. JON OLIVA’s PAIN in der Acousticvariante macht ja zunächst auch neugierig. Um es vorweg zu nehmen: Die Gitarrengranaten des regulären Sets, wie etwa "Hall Of The Mountain King" oder "Sirens" suchte man heute abend vergebens. Hier gab es Musik zum Anfassen, erwartungsgemäss mit einem hohen Anteil SAVATAGE-Schmankerl. Daneben kam besonders das "Maniacal Renderings"-Album zum Zuge, was ja ebenfalls in weiten Teilen einer Outtake-Sammlung der Tampa-Metaller gleichkommt.
Was mir neu war, weil ich es zum ersten Mal gesehen habe, ist, dass Jon Oliva Linkshänder ist. Denn ziemlich zu Anfang bei "Jesus Saves" gönnt er dem Keyboard eine Pause und nimmt die vierte Klampfe in der Runde zur Hand. Man lernt doch nie aus. Sollte man mal bei WikiPedia ergänzen...
Das Set wie gesagt etwa 70 : 30 zugunsten von SAVATAGE zusammen gestellt. "Stare Into The Sun", "Heal My Soul" und "Summer Rain" sind da durchaus naheliegend. Aber "Out On The Streets" vom "Sirens"-Album hat man mit oder ohne Strom bislang selten bis gar nicht zu hören bekommen, eine echte Überraschung und in der akustischen Version auch absolut genial.
Dem Alter und der Stellung angemessen scheut sich Mr. Mountain King zur Mitte des Sets auch nicht, SEINEN Helden Tribut zu zollen. So erleben die begeisterten Zuschauer die PAIN-Version von "Eleanor Rigby" von den BEATLES selig. In solchen Momenten weiss ich, dass es sich lohnt, auch in die tiefe Provinz aufzubrechen, um Musik zu geniessen.
"Streets" und "Gutter Ballet" bilden den Schwerpunkt im SAVATAGE-Teil des Sets, und was passt zum Abschied besser als "When The Crowds Are Gone"? Eben!!! Würde man heute eine Liste rumgehen lassen mit der Petition, SAVATAGE für eine Tour wieder zu beleben - 100 Unterschriften wären bombensicher.
Nach fast zwei Stunden Spielzeit ist leider schon Schluss. Zur Verwunderung aller Anwesenden gab es keine Zugabe(n) und "Believe" kam leider auch nicht zum Zuge. Beides ist in der Gesamtschau jedoch mehr als verziehen.
(Bericht von Dirk Limberg)
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